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Schwarz-weiß und analog, Teil 157: Mit Utes Kamera durch Kassel

Film: Fomapan 100 #35, Kamera: Konica Autoreflex TC, Objektiv: Konica Hexanon 40mm f/1.8, April 2022

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Also, bevor ich irgendwas anderes erzähle, muss ich erst mal das Wichtigste aus dem Weg räumen: Es gibt einfach viel zu wenige Katzenfotos im Internet! ;-) Deswegen hier ein Bild von Mina! (1/15s, f/1,8.)


Und dabei war Mina nur ein Test-Bild! Die arme Katze! Aber von Anfang an: Wir waren im April in Kassel. Das machen wir in letzter Zeit ja immer mal wieder, denn in Kassel haben wir erstaunlich viele Freunde und Bekannte. (Wer jetzt was ist, dass müssen die untereinander ausdiskutieren! ;-) Jedenfalls alles Leute, die wir vom Tombraidern kennen. Warum erzähle ich das eigentlich, das sollte ja mittlerweile bekannt sein, das habe ich sicher schon mal geschrieben!)

Jedenfalls: Wie das immer so ist in letzter Zeit, bekomme ich auch dieses Mal wieder eine Kamera in die Hand gedrückt, ein Erbstück. "Da, ich kann damit nichts anfangen!" OK. Ich biete allen ein gutes zu Hause. Ich bin sowas wie das Tierheim der Kamerawelt. "Gebt mir eure Gebrauchten, man kann sie wenden lassen!" ;-) Und so bin ich in den Besitz dieser Konica Autoreflex TC gelangt, die mit dem berühmten Konica Hexanon 40mm f/1.8 ausgestattet ist. Eine eher ungewöhnliche Normalbrennweite, auf deren Ergebnisse ich sehr gespannt war, nachdem ich das Teil zum ersten Mal in der Hand hatte. Die Kamera selber ist ja eher ein Einsteiger-Gerät, aber solange der Belichtungsmesser einen plausiblen Wert ausspuckt, kann ich mit allem fotografieren, was man mir in die Hand drückt.

Die Kamera nimmt ja eigentlich zwei Quecksilber-Batterien, aber ich habe sie mit zwei LR44 gefüttert und den Belichtungsmesser auf ISO/ASA 50 statt 100 gestellt und alles sah gut aus. Also, verglichen mit meiner Nikon. Der durch die zu hohe Spannung eingeführte Fehler scheint mehr oder weniger linear zu sein. Wenn die Batterien mit dem Alter schwächer werden und die Spannung fällt, muss man das natürlich noch mal nachjustieren. (Beim letzten Film, den ich damit gemacht habe, habe ich auf halbem Weg von 50 auf 80 gewechselt, weil die Abweichung zu meiner Nikon inzwischen deutlich geschrumpft war.)

Aber jetzt zu den Bildern, die ich im April gemacht habe. Durchweg sind die alle sehr schön geworden, und das, obwohl wir so schlechtes Wetter hatten. Man mag es nach diesem Sommer kaum glauben, aber am 1. April 2022 hat es geschneit! Ich sag nur: Klimawandel.

Die Katze war nur das Bild, von dem ich eigentlich nicht erwartet hatte, dass es überhaupt etwas wird, denn so früh am Anfang des Films kann man sich ja nie sicher sein, dass es nicht noch halb auf dem Vorspann landet. Das erste "richtige" Foto, das ich gemacht habe, ist die alte Villa, die oberhalb von Utes Wohnung steht. (1/1000s, f/4.) Ich erwarte ja immer, dass da irgendwelche Vampire drin hausen, ein Eindruck, der durch das eher trübe, transsilvanische Wetter dieses Tages noch verstärkt wird. (Wobei es relativ hell war, trotz des hochnebeligen Trübsinns. Ich mein, die Belichtungszeit spricht für sich selbst.) Bereits auf dem ersten Bild zeigt das Objektiv jedenfalls, was es kann: Knackige Schärfe bei eine Blende, die ich besonders gerne benutze, krasse Kontraste trotz Streulicht, an den Rändern rund um das Dach, wo das Hell des Himmels in Dunkel übergeht, kaum bis gar keine Aberrationen. Spannend. Hätte ich bei dem kleinen Plastik-Ding kaum erwartet!


Auch das zweite Bild hat einen kräftigen Punch: Die Treppen zeichnen sich hervorragend gegen das helle Gebäude im Hintergrund ab. (1/500s, f/4.) Architektur mache ich im Allgemeine ja eigentlich bei f/8, aber die weiter geöffnete Blende macht es möglich, eher Fehler zu finden. Aber ich finde einfach keine. Zudem sind alle Linien gerade, es gibt also auch keine Verzerrungen. Nichtmal die Ecken haben auch nur einen Hauch von Vignettierung. Erstaunlich! Das Objektiv könnte mein neuer Liebling werden und das 50mm Zuiko vom Thron schubsen! ;-)

Auch in schwierigen Belichtungssituationen (auch wenn ich eine solche hier selber provoziert habe) liefert es erstaunlich gute Ergebnisse ab: Man muss dem Spruch, der da an den Brunnen gepinselt ist, nicht unbedingt zustimmen, aber ich komme nicht umhin festzustellen, dass er trotz Offenblende ziemlich perfekt in Silber abgebildet wurde! Die Übergänge zwischen scharf und unscharf sind fließend und ganz auf der linken Seite deutet sich ein interessantes Bokeh an. Die Ränder des Sockels sind zwar nicht mehr in Focus, aber trotzdem haben sich keine allzu auffälligen Ränder gebildet. Hier wäre ein Farbfoto interessant, in welche Richtung (grün/lila) der Saum tendiert - in s/w jedoch ist er nahezu perfekt.

Jedes Dorf in Deutschland hat eine Gedenkstätte und Kassel ist kein Dorf, deshalb fällt sie entsprechend bombastischer aus. (1/125s, f8.) Auf die Entfernung ist bei f/8 natürlich alles mehr oder weniger in Focus, so sehr, dass wir hier nur durch das mittelmäßige Auflösungsvermögen des Fomapan begrenzt sind. Wäre diese ein bisschen besser, könnte man tatsächlich noch lesen, was auf dem Schild hinter dem verschlossenen Tor steht. Der Kontrast und Dynamikumfang ist sehr gut. Ich habe zwar noch nicht mal eine Hand voll Fotos vorgestellt, möchte mich aber hier schon festlegen: Die Kamera mag zwar nur mittelmäßig sein, aber das Objektiv macht mit die besten Bilder, die ich in dem Alter (Mitte 1970er) bisher gesehen habe. Ein perfektes Beispiel dafür, dass es mehr auf das Glas ankommt, das man vor die Kamera schraubt als auf die Kamera selber!


Am Mahnmal steht auch noch andere Kunst herum, so auch dieses Person mit hinterm Rücken gefesselten Händen. (1/500s, f/4.) Drastische Darstellung. Aber dem Thema wahrscheinlich angemessen. Da müssen sich Leute mit beschäftigen, die mehr von Kunst verstehen als ich. Ich kann nur beurteilen, wie das Foto geworden ist, das ich gemacht habe. Mal abgesehen von meinen üblichen Unzulänglichkeiten - ich hätte etwas weiter in die Knie gehen sollen und weiter hoch zielen sollen -, scheint die kleine Konica mit ihrem niedlichen, fast schon Pancake-Objektiv mehr oder weniger perfekt gearbeitet zu haben. Man beachte übrigens die weißen Schneereste auf den Ästen im Hintergrund. Brrr...

Schlechtes Wetter ist kein Grund, keine Fotos zu machen, finde ich ja. Und so ein Pavillon läuft einem ja auch nicht alle Tage vor die Linse! (1/1000s, f/4.) Hübsches Foto. Und das Objektiv habe ich glaube ich jetzt auch langsam mal genug gelobt. Mit den Kiefernzweigen am Rand und den drohenden Wolken oben drüber jedenfalls eine meiner besseren Kompositionen. :-)

Ach, wenn ich doch mal die Kamera gerade halten könnte, dann würde der Hydrant jetzt auch nicht so da stehen, als müsste man ihm über die Straße helfen! (1/250s, f/2,8.) Hier kann man wieder gut sehen, dass das "Pan" in "Fomapan" zwar schon irgendwie stimmt, aber eben nur "irgendwie": Der tiefrote Hydrant ist sehr, sehr dunkel geworden. Ich mein, das mag ich ja andererseits auch ganz gerne, das bringt entsprechenden Kontrast ins Bild. Und man kann die Graffiti darauf besser erkennen. Auf jeden Fall haben wir hier die Möglichkeit, das Bokeh im Hintergrund etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, was auch der Sinn dieses Fotos war. Um eine Blende abgeblendet gibt es bei dieser nahen Einstellung noch reichlich davon. Zu den Ecken hin werden die Blendenabbilder ein bisschen in die Länge gezogen, aber nur minimal. Zwischen den Ästen wirken sie auch nicht zu unruhig, obwohl es doch ziemlich viele sind, die sich teilweise überlappen.


Ein klein bisschen Sightseeing muss ja auch sein, deswegen darf ein Bild der Orangerie nicht fehlen. (1/500s, f/8.) Die Berge im Hintergrund verschwinden sanft im Nebel und sind teilweise von Schnee bedeckt; eine Vorstellung, die nach diesem Sommer irgendwie unwirklich erscheint. Zum Bild selber gibt es eher wenig zu sagen, ist halt so ein typischer Touristen-Schnappschuss. Die ins Bild hinein ragende Kirschblüte gefällt mir ganz gut.

Baufahrzeuge sind immer ein Grund, stehen zu bleiben. Diese Raupe musste ich durch einen Zaun hindurch fotografieren, daher habe ich versucht, blendenseitig einen Kompromiss zwischen scharfem Motiv und keine-Striche-im-Blid-haben zu finden. (1/500s, f/2,8.) Ist mir ganz gut gelungen, finde ich. Schön ist vor allem, wie das Fahrzeug selber immer weiter in der Unschärfe verschwindet. Der Kontrast zwischen der harten Schaufel und dem immer weicher werdenden Gefährt symbolisiert... was eigentlich? ;-) Irgendwas! Was ist eigentlich gar nicht so wichtig! :-D Will sagen: Es gefällt mir sehr gut. Und auch hier zeigt das Objektiv seine Stärken.

Aber kommen wir endlich in die Kasseler Innenstadt, nachdem ich so lange getrödelt und schon ein Viertel des Films verschossen habe: Das Staatstheater ist ja architektonisch ein ziemlich neumodischer Bau. (1/125s, f/8.) Genau das Richtige für f/8, vor allem wenn man den Rest der Gebäude auch noch scharf haben möchte. Hätte etwas weniger Rasen und mehr Himmel sein können. Und gerader geht ja auch immer. Ich glaube, das ist das größte Problem, das ich mit diesem Objektiv habe: Je weitwinkliger, desto mehr Probleme habe ich, die Kamera gerade zu halten. Nun sind 40mm ja nicht so weit, aber offensichtlich weit genug. OK, vielleicht lag es auch dran, dass ich wieder mit Brille unterwegs war, da ist ja eh alles schief. Ich sollte nur noch mit Linsen fotografieren, aber dann muss ich immer die Lesebrille mit mir rum schleppen. Es ist schon ein Kreuz mit der Blindheit und dem Alter! *alter-weißer-Mann-Getattere* :-D


Im April war der Krieg noch ganz neu, deshalb hatte jemand auch gleich ein paar Bettbezüge bemalt und am Museum aufgehängt. (1/500s, f/4.) Besonders irritierend finde ich ja, dass die Leute ohne Kopf durch die Gegend wanken, wie Zombies die Hände nach vorne ausgestreckt. Ist das vom Künstler gewollt? Die Message selber kann ich natürlich nur unterstützen. Das Foto selber ist technisch wieder ziemlich makellos geworden. Ich habe jedenfalls nichts daran auszusetzen. Die Kamera und die Optik liefern bisher in jeder Situation ein gutes Bild ab!

Gegenüber des Museums steht der Namensgeber auf seinem Sockel und schaut fürstlich in die Gegend. (1/500s, f/4.) Ist ein bisschen dunkel geworden, eine Blende langsamer wäre für den Herrn Friedrich sicher nicht schlecht gewesen. Dann wären die Wolken aber wahrscheinlich nicht mehr sichtbar gewesen. Jetzt 'n Gelbfilter! Ansonsten bin ich ganz zufrieden damit. Außerdem hat es trotz Allem noch genug Kontrast und Dynamik, trotz des schlechten Wetters.


Einen der goldenen Löwen am Rathaus muss ich ja mindestens mitnehmen, das ist Gesetz! (1/1000s, f/2,8.) Warum guckt der eigentlich so leidend? Als hätte ihm wer auf den Schwanz getreten. Die Unschärfe im Hintergrund macht sich jedenfalls sehr gut, da hilft das schlechte Wetter auf jeden Fall, und ein paar Highlight hat er ja trotzdem, weil er eben so golden glänzt. Ebenfalls ein sehr gutes Bild. Ich habe den Eindruck, dass ich mit der Kamera und diesem Objektiv darauf eigentlich nichts falsch machen kann. Passiert mir auch nicht so häufig.

Abends habe ich mich dann noch auf die Straßenbahnschienen gestellt und hoch zum Herkules fotografiert - wenn man ganz weit rein zoomt, kann man ihn zwischen dem Schnee und den Bäumen tatsächlich noch erahnen! (1/500s, f/5,6.) Auch hier muss ich mich mal wieder selber loben, auch wenn Eigenlob stinkt. Die Perspektive habe ich jedenfalls sehr gut getroffen, die Belichtung ist auch gut, gerade so, dass die Schienen richtig zur Geltung kommen, darüber der drohende Himmel mit seinen Wolken. Sehr schön.

Und am Ende des Tages wollten wir noch einen kurzen Ausflug machen, aber es war uns zu kalt und sind nur bis zum Parkplatz gekommen, auf dem dieses Kleinod darauf wartete, dass ich es fotografiere. (1/1000s, f/2,8.) Diese Sorte von Porsche wird ja auch langsam selten. Mit den Aufklapplampen kann er sein Alter echt nicht verheimlichen. Hübsch und gut erhalten. Wieder möge man den Schnee am unteren Rand beachten. Ich sag's noch mal: Erster April! Brrr...


Das war dann auch das letzte Bild und es ist Zeit für ein erstes Fazit: Diese Kamera und insbesondere das Objektiv haben mich bisher voll überzeugt. Alle Bilder sind trotz widriger Wetterbedingungen durchweg sehr schön geworden. Werde sie also gerne wieder benutzen!

Schwarz-weiß und analog, Teil 156: Der Rest vom Film

Film: Fomapan 100 #34, Kamera: Nikon F-601, Februar 2022

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Wie angekündigt, hier noch ein winzig kleiner Eintrag mit nur vier Bildern. Das kommt davon, wenn am Ende des Tages noch so ein kurzes Stückchen Film übrig ist. ;-) Wieder kam die F601 zum Einsatz.

Immerhin: Am nächsten Tag hat das mit dem Kontrast bei den Schafen sehr viel besser geklappt. (Nikon Lens Series E 135mm, 1/2000s, f/4.) Mit dem Portrait-Tele kommen die bei f/4 so richtig gut raus, während die Kollegen im Hintergrund schon ein bisschen unscharf werden und schließlich der Hintergrund ganz verschwimmt. Die Mischung aus weißem, gefleckten und schwarzem Schaf gefällt mir besonders gut! Und überhaupt: Schafe! Immer ein Foto wert!



Der frisch aufgebrochene Acker ist dann mal wieder ein bisschen überbelichtet. (Nikkor 35mm, 1/500s, f/8.) Hatte hier mit mehr Schattenspiel gerechnet. So wirkt das ganze etwas langweilig, der Widerspruch zwischen der unruhigen Erde und dem stalhblauen Himmel kommt einfach nicht richtig rüber. Schade. Aber wie gesagt, kann nicht alles Gold sein.

Das Abluftrohr vor der Schulsporthalle hingegen ist perfekt geworden. (35mm, 1/1000s, f/4.) Genau so wollte ich es haben. Vielleicht mit etwas weniger schiefem Dach, aber ich wollte nicht in die Blumen latschen. ;-) Die Hallenfenster sind übrigens die Augen, die Ribbeln am Rohr die Nase und so ist das Gesicht fast fertig. ;-)


Und zum Schluss das alte Haus oben in Söven, das ich glaube ich schon mal hatte. (35mm, 1/2000s, f/8.) An diesem Tag stand es aber mitten in der Sonne und ich hatte eh nur noch dieses eine Bild auf dem Film und nichts zu verlieren. Das Ergebnis wird sie erstaunen. Nee, Moment, weniger clickbaity... Das Ergebnis gefällt mir sehr gut! Ja, klingt lame, das 20 Mal hintereinander zu schreiben, aber ist halt so. Mir gefällts!

Und jetzt weiß ich gerade gar nicht, was der nächste Film ist. Muss ich später mal nachschauen... ;-)

Schwarz-weiß und analog, Teil 155: Mit dem Rad durch die südliche Wildnis

Film: Fomapan 100 #34, Kamera: Nikon F-601, Februar 2022

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Irgendwann muss man ja mal die ganze s/w-Fotos los werden. Es ist August, während ich diesen Artikel schreibe, und die Bilder stammen aus dem März. Lang genug, finde ich. Und ich habe gestern mal nachgerechnet: Ich habe noch 13 Filme, die ich noch nicht mal hier eingebaut habe, wovon fünf noch in der Entwicklung sind. Von den 13 sind 2 auch noch Farbfilme. Ich sollte also weniger digitale Fotos machen und mich mal mehr darauf konzentrieren, bereits gemachte analoge hier einzubinden.

Deswegen fangen wir heute auf unserem Weg nach Süden mit dem Tor an, das das irgendwo im Wald steht. (Nikon Series E 50mm, 1/250s, f/1,8.) Und wir merken uns: Wenn man die Blende ganz öffnet, sollte man vorher überprüfen, dass man tatsächlich scharf gestellt hat! Das Tor und der Stahldraht, so lieblich sie auch in der Sonne von hinten angestrahlt werden, sind leider etwas sehr unscharf! Könnte ich mit leben, wenn ich stattdessen die Bäume im Hintergrund scharf hätte. Dann könnte ich noch immer sagen: Das war so gewollt, auch wenn es das gar nicht war. Aber so? Ne. Ne, ne, ne. Einfach nein! ;-)

Sehr viel besser ist da das rostige Gefäß, das am Wegesrand ein paar hundert Meter weiter liegt. (50mm, 1/60s, f/4.) Rost kommt ja immer richtig gut rüber, ich weiß gar nicht warum. Muss an der rauen Struktur liegen oder an der Farbe oder was auch immer. Das Bild, besonders mit den vielen Blättern drumherum, gefällt mir jedenfalls sehr sehr gut. Fast perfekt, würde ich sagen.


Gleiches gilt für die Reste einer Bank, wieder ein paar hundert Meter weiter. (50mm, 1/500s, f/4.) Hätte hier durchaus auf f/8 abblenden können, dann wäre das Holz auch noch scharf geworden. (Wer sich übrigens über den Strich links der Bildmitte wundert, der da senkrecht von oben nach unten durchs Bild geht: Ich habe an den Scanner gestoßen, während er lief. Der Kater! Ich mein den Kater, natürlich! :-D Hätte ich eigentlich neu machen müssen, aber ist mir erst aufgefallen, nachdem ich die Negative schon im Ordner archiviert hatte. Und ich bin ja so schrecklich faul! ;-))

Wie man sieht, ich bin dann irgendwann rechtsum abgebogen und zum Steinbruch hoch gefahren, wo noch immer die alte Infrastruktur im Wald vor sich hin gammelt, so auch diese Brücke. (Nikkor 35mm, 1/125s, f/2,8.) Gewagt, gewagt, so gegen das Licht zu fotografieren, aber es hat gut geklappt und die Brücke ist sehr gut geworden, mit all den umgestürzten Bäumen davor. Könnte mehr Kontrast haben, aber gegen das starke Sonnenlicht und dem alten, verkratzten Skylight-Filter bin ich froh, dass man da überhaupt so viel erkennen kann!

Und dann steht da dieser Stuhl unter der Brücke, an dem ich einfach nicht vorbei gehen konnte. (35mm, 1/60s, f/2.) Bei den Lichtverhältnissen da unten ist es nicht ganz einfach, ein sowohl scharfes als auch nicht verwackeltes Bild zu bekommen, aber es ist mir fast gelungen. So ist der Stuhl sehr dreamy geworden, für ein defektes Sitzmöbel! ;-) Colles Foto, jedenfalls, das mich direkt anspricht. Ich stehe ja auch auf dreamy creamy bokeh-y. ;-)


Ohne Nahlinse einen Marienkäfer zu fotografieren, das ist nicht einfach, besonders auf Film und auf diese Entfernung mit diesem Objektiv. (35mm, 1/125s, f/5,6.) Da stößt man schnell an die Grenzen des Films. Aber dafür ist das Bild erstaunlich gut geworden, vor allem dieser leichte Weitwinkeleffekt, das im Nichts verschwindende Geländer. Die abblätternde Farbe hätte noch ein bisschen schärfer sein können.

Dann den Berg hoch und oben stand dieser alte, rostige und auch sonst sehr mitgenommene Opel. (50mm, 1/500s, f/5,6.) Ist 1966 hier tatsächlich die Jahresangabe, das Baujahr? Könnte hinkommen. Totales Zufallsmotiv, aber eins, das sich richtig gelohnt hat! Die Aufkleber und die vielen Beulen auf dem nur noch rudimentär vorhandenen Lack: Perfekt! Und dazu die Weißwandreifen! Hätte noch ein paar hundert Fotos davon machen können, aber ich wollte dann auch nicht zu sehr in die Privatsphäre des Besitzers eindringen! ;-)


Bei Blumen habe ich das weniger Hemmungen und daher gibt es auch mal wieder ein Bild mit Narzissen. (50mm, 1/500s, f/5,6.) Ja, es war Frühling, und dieses Mal hat das mit der Punktmessung hervorragend funktioniert. Die hinterleuchteten Blüten stechen perfekt aus dem praktisch komplett schwarzen Hintergrund heraus. So wollte ich es haben!

Die Schneeglöckchen an der Mauer sind leider nicht so gut geworden. (50mm, 1/60s, f/4.) Zu wenig Kontrast. Hätte wieder eine Blende drauf legen sollen, um das ganze etwas dunkler zu bekommen und die Blüten stärker herauspoppen zu lassen. Ansonsten ganz nett, aber halt nicht überwältigend. Es kann nicht alles Gold sein! ;-)


Am Ende des Films waren dann noch vier Bilder übrig. Die habe ich dann bei einem kurzen Ausflug über den Hausberg verballert, siehe s/w-Eintrag Nummer 156! ;-)

Agfa Sillette LK Sensor

Noch ein Mitbringsel vom letzten Rheinauenflohmarkt: Eine Agfa Silette LK Sensor. Es handelt sich um das letzte Modell, dass unter dem Namen Silette verkauft wurde. Das war damals, am späten Ende der 1960er, als das eckigere Design der '70er schon vor der Tür stand und am Rahmen kratzte, damit es einer rein lässt! ;-)


Es handelt sich ganz offensichtlich um eine kompakte Schnappschusskamera, die aber doch einen erstaunlichen Funktionsumfang hat: Das verbaute "Color-Agnar" - damals war Farbe wohl ein echtes Verkaufsargument - hat eine fast normale Brennweite von 45mm und einen erstaunlich guten Lichtwert von f/2.8. Die Blende ist viereckig, da bin ich auf jeden Fall schon mal gespannt, welche Auswirkung das auf Fotos haben wird, wenn ich denn mal dazu komme, welche damit zu machen. Ich hab so schon noch genug Foto-Projekte rum liegen, denen ich mich mal widmen müsste.

Das von Außen ansonsten auffälligste Feature ist der große, runde Knopf, der hier den Auslöser gibt. Daher auch der Name: Sensor. Mit diesem Zusatz wurden in den '70ern ja praktisch alle Agfa-Kameras beworben. Und das ist wirklich ein sehr leichtgängiger Auslöser, für den man wenig Kraft aufwenden muss. Das war das Verkaufsargument: Weniger Verwackler.


Der Verschluss ist ein üblicher Zentralverschluss, der ausreichend schnell ist. 1/300s war damals ja durchaus noch üblich und sorgt für f/4 bei Schatten bis f/8 bei Sonnenschein. f/11 bis f/22 ist dann noch für die ganz hellen Strandtage da. Die Blende ist übrigens nicht geklickt, sodass man den kleinen Belichtungsmesser-Zeiger ganz genau zwischen die beiden dreiecke bugsiert bekommt. Eine solche Anzeige gibt es übrigens sowohl oben auf der Kamera als auch im Sucher - praktisch. Leider zeigt er bei meinem Exemplar im Dunklen eher Blödsinn an: Halte ich die Kamera in die pralle Sonne, erscheint mir die Einstellung, mit der der Messer zufrieden wäre, einigermaßen plausibel; aber sobald ich rein gehe, ist es mit der Präzision vorbei: unter 1/125s und f/4 schlägt er viel zu weit aus. Ich nehme an, die Selenzelle irgendwo in dem Ding hat es einfach hinter sich.

Wo die genau steckt, war mir eh länger ein Rätsel, denn wenn ich mit dem Finger das Fensterchen oben rechts abgedeckt habe, passierte erst mal rein gar nichts; aber auch, wenn ich die Linse zu gehalten habe, schlug der Zeiger nicht merklich aus. Ganz dubios. Bis ich das ganze dann in der Sonne noch mal getestet habe. Da habe ich dann festgestellt, dass die Zelle wohl doch - wie erwartet - hinter dem rechten Fensterchen sein muss. Da schlug der Zeiger dann nämlich tatsächlich plötzlich aus. Aber wie kann ein Selen-Belichtungsmesser zu viel anzeigen? Je ausgebrannter die Dinger sind, desto weniger sollten die anzeigen! Ich nehme also an, dass die Grundjustierung des Zeigers einfach nicht mehr stimmt; irgendwelche gealterten Widerstände und Kondensatoren? Wenn ich auf ISO/ASA 25 runter gehe, stimmt der angezeigte Wert ungefähr mit dem überein, was meine Nikon ausspuckt. Nun ist ein Selenzellenmesser mit dem, was eine TTL-Kamera angibt, eher weniger zu vergleichen, aber irgendwie muss ich das Ding ja kalibrieren.

Aber zurück zum Rest der Kamera: Die Entfernung muss man natürlich manuell einstellen und es gibt auch keinen Entfernungsmesser, nur einen ganz normalen Sucher. Das ist bei f/2.8 als offenste Blende schon eine Herausforderung. Aber da man ja eh nur bis 1/300s als schnellste Zeit belichten kann, kommt man wahrscheinlich eh eher selten in die Verlegenheit, Offenblende nutzen zu wollen. Früher hat man das Ding wahrscheinlich auf 1/60s und 8m gestellt und alles mit f/11 aufgenommen, dann sollte so ab dreieinhalb, vier Meter eh alles scharf sein. ;-)


Interessant ist auch der Lade-Mechanismus und der Transporthebel: Um die Kamera zu öffnen, muss man rechts das Knöpfchen runter drücken, dann geht die Rückwand auf. Gleichzeigtig springt auch die Achse für die Filmpatrone raus, sodass man ganz bequem laden kann. Ist eine neue Patrone eingelegt, drückt man die Achse wieder ins Gehäuse rein und diese greift dann die Patrone und hält sie fest. Ziemlich geniale Konstruktion. Jetzt fädelt man den Film in den Schlitz ein, wo eigentlich die Aufnahmespule sein sollte. Diese ist nämlich hinter einem Plastik-Dingsbums versteckt. Sollte man also aus Versehen die Rückwand mit eingelegtem Film öffnen, hat man eine gute Chance, dass nicht alle Fotos ruiniert sind!

Um den Film am Ende wieder zurück zu spulen, muss man unter dem Objektiv einen kleinen Hebel seitlich drücken und dann nach oben schieben, bis es Plöpp macht und der Metallpinn dahinter zum Vorschein kommt. Jetzt ist das Getriebe des Aufzugshebels umgedreht und man kann den Film durch mehrfaches Ratschen zurück in die Patrone befördern. Sehr ungewöhnlich! Das Zählwerk zählt derweil rückwärts, es ist also sinnvoll, dieses immer auf A (wie Anfang) zurück zu stellen, wenn man einen neuen Film einlegt, einfach damit man am Ende auch weiß, wie weit man noch muss.


Insgesamt also eine spannende kleine Kamera, die ich aber erst mal noch ein bisschen reinigen muss. Von Außen habe ich schon die gröbsten Schmutzflecken und Klebereien der letzten 50 Jahre entfernt, aber innen sieht es nicht viel besser aus. Aber immerhin ist die Linse klar und die 4 Zeiten, die man zur Verfügung hat, laufen plausibel ab.

Fazit: Wahrscheinlich habe ich etwas zu viel bezahlt, bei ehBlöd kriegt man welche in ähnlichem Zustand für weniger. Aber da wäre dann auch keine Tasche dabei gewesen und auch keiner Plausch mit kleiner Geschichte: Die Kamera gehörte der Oma der Verkäuferin. Ich hoffe, die ist nur im Heim oder so und das war die Haushaltsauflösung. Ansonsten habe ich wieder ein Waisenkind eingesammelt!

Schwarz-weiß und analog, Teil 154: Ein bisschen Hennef

Film: Fomapan 100 #34, Kamera: Nikon F-601, Februar 2022

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Heute ganz uncharakteristisch mal zwei s/w-Artikel direkt nacheinander. Wir müssen gleich nämlich weg und da werde ich heute Nacht, wenn wir heim kommen, sicher keine Zeit haben, noch was zu schreiben. Außerdem müssen die ja auch mal weg; ich hatte nämlich eigentlich sämtliche Einträge dieses Films für den August vorgesehen, aber das wird ja jetzt wohl nichts mehr werden, zwei bleiben übrig für September.

Statt in die Ferne zu schweifen, kann man auch nette Fotos ganz in der Nähe machen. Zum Beispiel bei einm Spaziergang durch Hennef. Der Kurpark zum Beispiel bietet immer wieder andere Foto-Ops. Zugegeben, am Rhein war es spektakulärer, aber ich glaube auch hier sind ein paar schöne Ansichten raus gekommen.

Zum Beispiel die Wendeltreppe im Schatten des großen Baumes. (Nikon Series E 50mm, 1/2000s, f/4.) Mal wieder bin ich nicht in der Lage gewesen, die Kamera einigermaßen gerade zu halten, aber das ist ja kein neues Phänomen. Erstaunlich ist schon, dass man sehen kann, dass der/die Bewohner:in der Wohnung rechts offenbar Phalenopsis mag. Immerhin habe ich hier jetzt nicht allzu präzise fokussiert und f/4 ist jetzt auch nicht so weit geschlossen, schließlich ging es mir hauptsächlich um den Schatten auf der Wendeltreppe (der durchaus etwas dunkler rüber kommen könnte; eine Blende mehr bei gleicher Zeit hätte den wahrscheinlich deutlicher hervorgehoben). Trotzdem faszinierend, was man aus Film heraus holen kann.

Apropos leicht überbelichtet: Das Huhn könnte auch eine Blende mehr vertragen. (Nikon Series E 135mm, 1/250s, f/2,8.) Dabei bin ich mir schon ziemlich sicher, dass ich hier eine Punktmessung gemacht hatte. Hier ist hauptsächlich erstaunlich, dass das 135er bei Offenblende bereits diese Abbildungsleitung hervor bringt. Das merke ich ja auch jedes Mal, wenn ich dieses Objektiv auf die Digitale schraube. Bei 4k kann ich auf meinem Full-HD-Monitor praktisch bildschirmfüllend einen Hühnerkopf darstellen, der - bis auf meine Unfähigkeit, richtig zu fokussieren - durchweg scharf genug ist.


Die Ente am Beckenrand kommt ebenfalls sehr gut rüber, wie sie da etwas unschlüssig ins Wasser schaut, ob sie denn nun springen soll oder nicht. (135mm, 1/250s, f/2,8.) Zugegebenermaßen, das ist auch im Winter eine ziemliche Brühe, in der man nicht unbedingt baden will. Auch hier habe ich den Fokus nicht ganz genau getroffen, muss ich zugeben, er liegt etwas hinter der Ente, aber selbst in 4k ist das noch gerade akzeptabel. Dafür ist Vor- und Hintergrund schön unscharf, so wie ich es mag.

Es war Winter und die Efeu-Beeren waren noch überall zu finden, sodass ich auch hier einmal zugeschlagen habe. (50mm, 1/60s, f/5,6.) Fokussieren mit der Normalbrennweite ist sehr viel einfacher, wie man sieht, denn hier stimmt der Fokus ganz genau. Bei f/5,6 ist auch die gesamte Beerendolde scharf, so wie es auch geplant war. Frage mich nur, wer da im Labor ständig meine Negative verkratzt... :-(


Ich glaube, der Preis für das beste Bild heute geht an die Turmuhr des Hennefer Rathauses. (135mm, 1/1000s, f/4.) Sechs Minuten nach zwei. Soviel steht fest! Man muss natürlich immer im Hinterkopf behalten, dass sogar Ende Februar selbst um diese Tageszeit die goldene Stunde fast schon angefangen hat. Sonnenschein im Winter macht die besten Fotos, ich stelle das immer wieder fest. Die Schatten wirken dann immer so plastisch, gerade auf s/w-Film. Jedenfalls: Schönes Foto!

Die Efeu-Ranke hinterm Bahnhof kommt knapp auf den zweiten Platz. (50mm, 1/1000s, f/4.) Hier gefällt mir vor allem die Komposition aus dem lebendigen Stück Efeu vor der toten, mit Graffiti verschmierten Wand und den leicht unscharfen Lampen und Masten im Hintergrund. Gutes Bild.

Auch der Kirchturm, den ich auf dem Rückweg zum Kurpark mitgenommen habe, wie er voll im strahlenden Sonnenschein steht, verdient eine Erwähnung. (50mm, 1/250s, f/8.) Hin und wieder muss auch ich mal so richtig weit abblenden, einfach um auch die letzten Äste der Bäume rundrum scharf zu bekommen. Das ist sogar fast mit denen gelungen, die von oben ins Bild hinein ragen. Der Turm ist ja eigentlich recht unscheinbar, aber ich finde trotzdem, dass er je nach Tages- und Jahreszeit ein erstaunliches Motiv abgibt. Auch hier wieder der Schatten der Bäume auf den Schieferplatten, der gerne noch etwas dunkler hätte ausfallen können.


Einen guten Eindruck von den Lichtverhältnissen an diesem letzten Tag im Februar bietet auch das Bild vom Herrn S. auf seinem Pferd. (135mm, 1/125s, f/8.) Habe auch hier mal eine weit geschlossene Blende benutzt, um alles scharf zu kriegen, was sogar fast geklappt hat: Die Schnauze des Lindwurms ist nicht so ganz im scharfen Bereich gelandet. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich den Fokuspunkt gesetzt hatte, ich nehme an, auf Siegfrieds Augen. Hätte vielleicht eher auf das Pferd zielen müssen. Ein kleiner, aber ein entscheidender Nachteil der F601: Keine Abblendtaste. Trotzdem: Gut!

Zum Schluss noch die Beleuchtung der Einfahrt von Hausnummer 46. (50mm, 1/2000s, f/2,8.) Hier habe ich genau das gegenteilige Konzept verfolgt und versucht, den Hintergrund in Unschärfe absaufen zu lassen. Die F601 kann ja leider nur bis 1/2000s schnell belichten, sodass ich leider nicht bis runter zur Offeblende öffnen konnte, aber das war auch eigentlich gar nicht nötig auf diese kurze Distanz. Zumal die Lampe selber und ihre Metallverstrebungen selber ja auch scharf werden sollte. Nicht ganz einfach aus diesem Winkel: Die linke, weiter entfernte Kante ist schärfer als die rechte, nähere. Trotzdem: Noch OK.

Nächstes Mal: Ein Radausflug in den Süden, die Berge hoch und über den Rücken nach Hause.