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Dacora Dignette

Da war ja noch was, was ich vom Flohmarkt mit gebracht hatte: Eine Dacora Dignette in der Variante mit dem Vario-Shutter und einem "dignar" als Objektiv. Letzteres heißt einfach nur, dass die das damals irgendwo eingekauft und ihren Namen drauf gepappt haben. Das war ja damals in den 1950ern so eine Sache: Die Leute hatten wieder Geld in der Tasche, vor allem Geld, für das man sich was leisten konnte, und alle wollten Fotos machen. In der Zeit zwischen 1950 und 1960 sind ja einige deutsche Hersteller wie Pilze aus dem Boden geschossen und danach auch ungefähr in der gleichen Geschwindigkeit wieder verschwunden. Ich weiß jetzt gerade gar nicht, was aus Dacora geworden ist, aber ich glaube, die haben es auch nicht bis in sie 1970er geschafft. Ah, doch, so gerade.

Witzig ist in diesem Zusammenhang, dass viele Dacora-Kameras auf der anderen Seite des Kanals unter dem Namen Ilford verkauft wurden. Ja, genau, die Ilfords, die heute noch Film machen. Also, viel mehr als der Namen und ein paar Maschinen sind wahrscheinlich auch nicht davon geblieben, nachdem die ja Anfang der 2000er mal pleite waren, aber: Die halt! (Den schweizer Teil von Ilford hat ja wohl Adox gekauft.)


Aber zurück zur Dignette: Typische für die mittleren bis späten 1950er ist, dass man nie so ganz sicher sein kann, welche Version man hier tatsächlich vor sich hat. Das ganze wird dadurch noch erschwert, dass der Vorbesitzer scheinbar ein paar Modifikationen vorgenommen hat. (Hatte ich erwähnt, dass ich die Kamera für einen Euro mit genommen hatte, im sie vor der Mülltonne zu bewahren?) Da ist zum einen der Vario-Verschluss, den es ja damals an diversen Kameras gab. Die Dinger wurden scheinbar in Massen gefertigt und jeder, der einen haben wollte, konnte sich einen vom Grabbeltisch nehmen. Oder so ähnlich stelle ich mir das vor: Aufbruchstimmung im Wirtschaftswunderland! ;-) Wie schon erwähnt: Dignar sagt eigentlich gar nichts aus, wer weiß, wer die Linsen für diese Optik geschliffen hat. Scheint aber ein ganz normales Dreilinser zu sein, wie es für die Zeit typisch ist. 45mm ist einigermaßen normalbrennweitig, sodass man einen "normalen" Bildausschnitt erwarten kann, f/3,5 ist für die damalige Zeit auf einer Knipsomaten-Kamera auch normal. Es gab durchaus schnellere Varianten mit f/2,8, aber die waren teurer. Zusammengefasst: Das hier war eine der möglichen Kameras, die sich der durchschnittliche Arbeiter leisten konnte, wenn er mit seinem brandneuen Käfer nach Rimini fuhr. Solide, ohne Schnickschnack, funktioniert einfach, und man konnte Bilder von brauchbarer Qualität erwarten. (Man hat damals ja nicht so gigantische Abzüge gemacht wie heute. Außerdem geht der Verschluss ja nur bis 1/200s, was selbst bei einem 100er-Film gerne mal zu Blende 8 bis 16 führt, da kann man schon erwarten, dass ab einer gewissen Entfernung automatisch eh alles scharf ist.) (Aus welcher Zeit diese Kamera stammt, merkt man auch daran, dass das Rad oben drauf nur bis 23° geht und nicht mal ISO 200 entspricht (24⁼ DIN), dafür aber bei 10° anfängt, also ISO 8! Es gab einfach keine schnelleren Filme!)

Ach ja: Modifikationen, damit hatte ich eigentlich angefangen! Das schwarz da um das Objektiv ist, soweit ich das sehe, nicht original, sondern nachträglich aufgebracht - was auch erklärt, weshalb es rund um den Auslöser, der übrigens vorne an der Kamera angebracht ist, weil man der Meinung war, dass man so weniger schnell verwackeln würde, total abgeblättert ist. Ich muss mal überlegen, ob ich das Bauteil irgendwie ab bekomme, den Rest der Farbe mit dem Heißluftfön runter bekomme und dann, ja dann? Wieder schwarz lackieren? Aufpolieren und silbern lassen? Dann sähe die Kamera vielleicht einigermaßen so aus, wie ihre Geschwister im Internet. Andererseits ist das ja auch langweilig. Vielleicht sollte ich sie aber auch in diesem Zustand erhalten, wie sie jetzt ist: Gut genutzt!


Was ich aber auf jeden Fall machen muss: Der Verschluss funktioniert zZt nur bei 1/200s. Die beiden langsamen Zeiten (1/50s und 1/25s) sowie B schnappen den Zentralverschluss zwar auf, aber nicht wieder zu. Das kenn ich ja, diese alten Zentralverschlüsse sind sehr anfällig für den Schmutz, der da mit der Zeit durch die Schlitze eindringt. Außerdem trocknet das, was auch immer die da damals zur Lagerung rein gemacht haben, über die Jahre (immerhin bald 70) aus. Ich habe festgestellt, dass ein quick-and-dirty-fix dafür das gute Teslanol Faderlube ist, das ich hier für die Potis in meiner Stereoanlage habe. Keine Ahnung, ob das auf die Dauer die Feinmechanik auffrisst, aber es spült sowohl den Schmutz als auch die Oxidation aus und verdünnt die Schmierung wieder so weit, dass die Zeiten normalerweise danach wieder einigermaßen präzise laufen. Liebe Kinder: Macht das nicht nach, denn ich habe keine Ahnung, was ich hier tue! ;-) Außerdem ist das Zeug sehr flüssig und kriecht gerne überall hin. Zum Glück verdampft es aber auch innerhalb von Minuten bis Stunden wieder, sodass ich die Hoffnung habe, dass es nicht auf die Linsen läuft.

Ansonsten ist das arme Stück auch in nicht so gutem Zustand: Nicht nur, dass das Frontelement nicht mehr bei Unendlich anschlägt, weil sämtliche Justage-Schrauben fehlen, offenbar hat auch jemand versucht, die Ringe innen wie außen zu lösen, um an die Verschlusslamellen zu gelangen. Ja, die sind dreckig, aber solange die funktionieren, würde ich solche extremen Maßnahmen eher umgehen wollen. Die Linsenelemente sind nämlich so mit Klarlack verklebt, dass auch der Vorbesitzer einsehen musste, dass das nichts wird. Stattdessen hat er einige unschöne Kratzer im schwarzen Lack hinterlassen.


Außerdem greift die Kupplung vom Spannhebel nicht immer (oder praktisch nur jedes zweite Bild), daraufhin wurde versucht, auch den Deckel zu lösen, der wackelt nämlich. Zum Glück scheint die Person auch da recht früh gescheitert zu sein, aber nicht ohne nicht den Knopf mit der Anzeige der verbliebenen Fotos oben drauf total verkratzt zu haben. (Wie ich dieses Problem gelöst habe, könnt ihr im Folgebeitrag lesen.)

Fazit: Mit einer eher schwachen Lichtstärke und nur drei Zeiten ist diese Kamera rudimentär. Aber trotzdem meiner Meinung nach ein Stück Zeitgeschichte. Ich mein: 70 Jahre (fast), das ist eine lange Zeit und man sieht sie ihr an. Aber ich habe ein Herz für alte Kameras. Deswegen habe ich ihr Asyl gewährt. Mal sehen, ob ich da jemals wieder Fotos raus bekommen werde!

Filmentwicklung letzten Sonntag: Nikkormat mit 50/1.4 AI-S

8.3.: Neue Objektive wollen getestet werden, sodass ich das 50/1.4 AI-S auf die Nikkormat FT gedreht habe und damit ein bisschen durch Hennef und Umgebung gefahren bin. Wie das dann so ist, Filme müssen auch entwickelt werden, was ich dann auch recht zeitnah am Wochenende erledigt habe. Wie man sieht, es kam ein Kentmere 100 zum Einsatz, es war schließlich frühlingshaft hell mit blauem Himmel und allem Pipapo! Flugs in die Jobo-Spole eingespult und in Fomadon P ertränkt, das beim letzten Mal direkt so eine helle Farbe, die für mich irgendwo zwischen blassem Lila und extrem verdünntem Brombeer liegt, angenommen hatte. Keine Ahnung, was das sollte, aber es funktioniert nach wie vor einwandfrei.


Ansonsten war das eine ganz normale Entwicklung: 9 Minuten nach Packungsangabe, ich habe wie immer die falschen Kästchen abgehakt, als ich ihn gefixt habe, also alles wie immer, und danach noch kurz ins Adoflo. Liegt jetzt hier noch immer zum Scannen rum, habe aber keine Lust dazu. Mal sehen, wann ich das mache.

Danach wie immer unter die Dusche zum abtropfen und trocknen. Die Vorschaubilder mit dem Handy sehen erschreckend brauchbar aus, stelle ich immer wieder fest. Das Motorola mit dem KI-erweiterten HDR-Geschisse macht echt guten Kontrast in die Negative, die ich in Gimp relativ gut nachbearbeiten konnte. Ich muss echt mal testen, ob ich die nicht mit meiner neuesten Neuerwerbung, die ich noch nicht hier vorgestellt habe, einfach mit dem Handy abfotografieren kann, zumindest wenn es schnell gehen soll und ich nicht zwei Stunde Lust zu Scannen habe. Schaumama.


Überhaupt, nachdem ich ja jetzt einen 4k-Monitor habe und die Bilder in entsprechender Größe und Auflösung anschauen kann, bin ich dazu übergegangen, auch die Bilder aus dem Handy auf 3840 Pixel in der Breite zu skalieren - Full HD bringt es einfach nicht mehr. Ja, die sind so deutlich größer, aber der "Ultra Res" Modus vom Edge 60 ist durchaus brauchbar und produziert Bilder, die gut genug sind für 4k. Finde ich jetzt. Also, man sieht noch immer, dass es Handy-Fotos sind, aber man kriegt halt nicht direkt ein Augenleiden, wenn man die sich anguckt! ;-)

Schwarz-weiß und analog, Teil 333a: Körniges Hennef - Von hinterm Bahnhof in die Stadt

Foma 400 @ 800 #17, 31. Januar 2026
  • Olympus OM-2 s/p, Olympus Zuiko MC Auto-S 1:1.8 f=50mm, Auto Makinon 1:2.8 f=28mm, Olympus OM-System E. Zuiko Auto-T 1:3.5 f=135mm
  • Entwicklung: Fomadon R09 1+25 11:30 19,5°C; Adofix 1+5 #22 (?) 7:00 19,5°C; Adoflo 1+200 1x
Ich weiß gar nicht mehr warum, aber ich hatte Ende Januar noch mal so richtig Lust, die OM-2 aus der Kiste zu holen und ein paar Fotos damit zu machen. So richtig grobkörnige Fotos, vor allem, und da habe ich mir einen der Foma 400 genommen und ihn auf 800 belichtet und dann in Rodinal (Fomadon R09) eine Stufe gepusht. Weil. Einfach mal nur so, um zu schauen, was passiert. Raus gekommen ist dabei das hier:

Bei dem ersten Bild handelt es sich mal wieder nur um den Test, ob der Film richtig eingelegt ist und ich hätte nicht gedacht, dass meine Stromsparlampe hier im Büro tatsächlich ein Bild ergibt, aber so ist das nun mal: Unerwartet kann auch vorkommen. (Unbekannte Werte, 50mm.) Hier kann man direkt hervorragend sehen, was passiert, wenn man Foma 400, der eh schon ein bisschen grober ist, in Rodinal pusht, das ja auch nicht unbedingt zu den feinen Entwicklern gehört! Die Flügelchen der Lampe sind eigentlich einheitlich beige! Und ich müsste mal Staub wischen und die Spinnweben weg machen! ;-)

Dann bin ich runter in die Stadt gefahren, weil ich da eh was besorgen musste, und habe einfach alles fotografiert, was nicht bei drei auf den Bäumen war, und manches, wie dieses Kokosmilchtetrapack sogar noch danach. (1/60s, f/8, 50mm.) Wie man sieht, es hatte nachts geregnet und alles war noch feucht, was coole Brechungen in den Wassertropfen verursacht, die nassen Stellen entweder glänzen lässt oder im Schwarz absaufen, sodass hier viel Kontrast drin ist, genau wie ich es geplant hatte.


Warum ist auf diesem Armbändchen alles voller Bs und Herzchen und ein einziges K? (1/45s, f/8, 50mm.) Das habe ich jedenfalls genau so auf diesem Schildpfostenrohr gefunden. Oder ist es ein Mülleimer? Ich glaub, es ist ein Mülleimer. Perfektes Motiv, jedenfalls. Knackscharf, voller Kontrast und nass! Man kann auch bei vermeindlich schlechtem Wetter gute Fotos machen. (Wusstet ihr eigentlich, dass Hollywood für Nachtaufnahmen meist die Straßen nass macht, damit man mehr Reflexe hat und das Bild interessanter wirkt? Achtet mal drauf!)

An der Unterführung bei der Meys-Fabrik hatte jedenfalls "jemand" Steine gestapelt. (1/125s, f/8, 50mm.) Musste ich fotografieren, bevor sie wieder umfallen. Irgendwas an dieser Komposition stört mich allerdings. Ich weiß nicht, passt nicht so richtig. Hätte ich noch weiter runter in die Knie gehen sollen? Oder die Steine mehr an den Rand drängen? Ich kann es nicht sagen, irgendwie ist der Wurm drin.

Geländer mit Fluchtpunkt kommen auch immer gut. (1/125s, f/8, 28mm.) Dieses hier ist ein bisschen unterbelichtet, ich hatte da wohl zu viel den Himmel in der Messung, der eher grau-trüb daher kommt. (Grau ja sowieso, ist ja ein s/w-Film! ;-)) Wenn ich mich recht erinnere, wollte ich eigentlich nur Silhouetten mit den hellen Streifen der Spiegelungen auf den Verstrebungen haben, aber dafür war es dann wohl doch zu trübe. Ist auch so ganz OK geworden. Halt kein super-sonderlich-perfektes Bild, aber es spiegelt die Wirklichkeit an jenem Tag ganz gut wieder.


Die Ecke an der Unterführung, in der die Brombeere von oben vom Bahndamm runter wuchert, fasziniert mich immer wieder und ist ein guter Test für das Push-Verhalten des Films. (1/60s, f/11, 28mm.) Außerdem kann man hier gut sehen, wie brutal scharf das günstige Makinon bei einer Blende, die ich eher selten verwende, wird. Und ein bisschen Natur in der grauen Betonwüste hat zugleich noch eine künstlerische Aussage! ;-)

Auf dem Weg in die Stadt - wegen des Formats habe ich dieses Bild ein bisschen vorgezogen - traf ich dann noch diesen herrenlosen Einkaufswagen. (1/1000s, f/2,8, 28mm.) Kann man mal sehen, wie dunkel es an diesem Tag war: ISO 800 belichtet und trotzdem noch Offenblende hin bekommen. Passt auch ganz gut ins Bild, das sich da trotz des Weitwinkel-Objektivs so noch einen Hauch von Unschärfe in den Hintergrund bekommen habe. So poppen die glänzenden Gitterstreben des Korbs noch kräftiger. Interessantes Bild.

Vorher, an der Bücherei in der Meys-Fabrik, habe ich noch die gammelige Banane dokumentiert, die da einer weggeworfen hatte. (Unbekannte Zeit, f/8, 28mm.) Bin hier recht stolz auf mich, denn dieses Bild habe ich praktisch ohne zu gucken gemacht: Kamera stand fast auf dem Boden und ich konnte meine kaputten alten Knochen beim besten Willen nicht so weit runter beugen. Deswegen auch f/8, in der Hoffnung, möglichst die Banane auch scharf zu bekommen. Hat ganz gut funktioniert.


Die bunte Bank hat einer mit "GAY" besprüht - ja, ich glaube, genau das drückt so ein Regenbogen aus, haste gut erkannt, du supercooler Sprüher! ;-) (~1/60s, f/8, 28mm.) Und weil mir ein Bild von der Bank nicht gereicht hat, habe ich sie auch gleich noch frontal mit genommen. (1/1000s, f/2,8, 50mm.) In der Hoffnung auf etwas Hintergrundunschärfe hatte ich hier auf das 50er zurück gewechselt. Hat aber nur so mäßig funktioniert und als Nebeneffekt ist die Sitzfläche ebenfalls unscharf, zudem ist das Bild ein bisschen über. Das erste der beiden gefällt mir daher bei weitem besser, vor allem wegen Fahrrad und Kirchturm im Hintergrund.

Weil ich meine s/w-Ausflüge ja ein bisschen mehr unterteilen wollte, habe ich willkürlich beschlossen, hier einen Schnitt zu machen und die restlichen 2/3 des Films auf zwei weitere Einträge aufzuteilen. Weil ich sonst das Schreiben des vielen Textes ja immer so lang vor mir her schiebe. Jedenfalls geht es beim nächsten Mal in die Hennefer Innen-"Stadt".

Testbilder aus dem Garten: Nikkor AI 50mm 1:1.4

3.3.: Nach dem Putzen muss das Objektiv natürlich auch getestet werden. Deswegen habe ich es zuerst einmal auf die gute alte D100 geschraubt, nur für den Fall, dass ich was falsch zusammen gesetzt habe und ich mir damit nicht die teure D800 kaputt mache. ;-) War aber unbegründet, diese Angst: Alles geht. Hier also ein paar Testfotos:

Auf der Nikon D100 muss ich - wie immer bei AI-Objektiven - vollkommen manuell und ohne TTL-Messung leben. Aber alles kein Problem, mittlerweile kann ich das Raten ganz gut und ich brauche nur ein oder zwei Anläufe für ein brauchbares Ergebnis. Direkt sieht man, dass dieses Objektiv zu seiner Zeit mit das Beste war, was man kaufen konnte. Das Teil lässt so viel Licht rein, dass die D100 mit ihren minimalen ISO 200 und 1/4000s da kaum mit kommt, jedenfalls nicht im frühlingshaft-lichtdurchfluteten Garten. Deswegen habe ich offen innen getestet! ;-)


Die Schärfe ist punktgenau, der Kontrast ist hervorragend, selbst wenn man bedenkt, dass ich nicht sämtlichen Nebel zwischen den hinteren Linsenelementen entfernt bekommen habe. Eigentlich könnte ich an dieser Stelle schon sagen: OK, komm, hör auf, ich bin überzeugt! Aber ich mache ja gerne Fotos, sogar im Garten. (Ich habe dieses Mal gar nicht den creepy Clown mit genommen! Wie kommts?!)

Nachdem ich überzeugt war, dass ich alles korrekt zusammengefügt hatte, habe ich das Objektiv auf die Nikon D800 gewechselt, und, hallo, selbst vor der soundsovielfache Auflösung muss sich das kleine AI 50/1.4 nicht verstecken! Ich würde sagen, der Unterschied zu der AF-Version, die ich ja auch habe, ist nur minimal! Und das benutze ich je regelmäßig auf der Digitalen!


Zu den restlichen Bildern muss ich glaube ich kaum was sagen. Sieht alles hervorragend aus und ich habe es auch geschafft, den Fokus jeweils einigermaßen richtig zu setzen. Weit offen ist die Ebene der größten Schärfe ja schon sehr sehr klein, was ich auch bei den üblichen Bildern von Kuhweid gemerkt habe. Die musste ich nämlich zwei Mal machen, weil nämlich der Anschlag nicht genau bei Unendlich ist, sondern ein ganz kleines bisschen dahinter! Aber dank des Live View und der Vergrößerungsfunktion habe ich glaube ich ganz brauchbar scharfe Beispiele hin bekommen.

Aber vorher: Der Sockenkater, der sich über den Frühling freut und dass er endlich wieder raus darf, nachdem er sich ja hat b beißen lassen! Erwisch ich den heute morgen schon wieder, wie er sich vom großen roten Rattenfänger anfauchen und -kreischen lässt! Den hab ich dann mal etwas unsanft vertrieben, noch mal Tierarzt habe ich echt keine Böcke drauf. Das muss jetzt erst mal für ein paar Monate wieder halten! :-D


Die versprochenen Kuhweid-Fotos gibt es im Anhang. Die sind ja für die Allgemeinheit nur minder interessant. Ist nur was für die Pixel Peeper! ;-) Aber dementsprechend darf das hier natürlich nicht fehlen! Wer also Spaß dran hat, die unterschiedlichen Schärfen zu untersuchen, der möge auf den "erweiterten Eintrage" klicken! "Testbilder aus dem Garten: Nikkor AI 50mm 1:1.4" vollständig lesen

Reinigung des AI Nikkor 50mm 1:1.4

3.3: Nachdem ich dieses wunderschöne 50mm AI-Nikkor vom Flohmarkt mit nach Hause gebracht hatte, war es dann auch mal an der Zeit, ihm ein bisschen Liebe angedeihen zu lassen. Insgesamt ist es zwar in einem hervorragenden Zustand - wie ich es auch von einem Vorbesitzer erwarte, der ein echtes Nikon UV-Filter da vorne drauf hatte -, aber der Zahn der Zeit und die Feuchtigkeit sind auch hier am Werke gewesen. Wahrscheinlich ist dieses Objektiv bereits einige Zeit nicht mehr benutzt worden und hat einige Temperaturwechsel mit gemacht. Jedenfalls ist die Blende ölig und steckt deswegen fest und auf der hinteren Linsengruppe sind tropfen-artige Verschmutzungen zu sehen, die ich gerne entfernen würde. Keine Angst: Die Patina außen lass ich dran. Das Objektiv ist nämlich eigentlich nicht wirklich schmutzig, sodass es auch nicht ekelig anzufassen ist, wie ich das bei manch anderem Flohmarkt-Kauf schon hatte. Ein bisschen überwischen reicht und ich möchte, dass erkennbar bleibt, dass dieses Teil eine Geschichte hinter sich hat, wahrscheinlich eine fast 50-jährige!


Schon beim ersten Ansetzen des Schraubenziehers merkt man: Früher war zwar nicht alles besser, aber die Reparierbarkeit auf jeden Fall! Dieses Objektiv ist eindeutig mit dem Gedanken im Hinterkopf gebaut worden, dass man es schnell und einfach warten kann! Zuerst zieht man die Schraube am Metall-Tubus (das Filtergewinde) halb heraus, dann kann man das ganze Bauteil ziemlich problemlos heraus schrauben. Darunter kommt dann die vordere Linsengruppe in voller Pracht zum Vorschein. Hier hilft der alte Zirkel der Schwiegermutter - ich war schon so oft so dankbar, dass sie dieses Teil gut behandelt hat, denn für Objektiv-Reparaturen ist es das next-best-Thing zu dem Gerät, das man eigentlich dafür verwenden würde, das ich aber nicht besitze und dessen Fach-Namen ich mal wieder vergessen habe. ;-)

Unter der vorderen Linsengruppe kommt dann die Blende zum Vorschein. Diese kann man dann ganz vorsichtig kopfüber raus schütteln und erst mal schön in ein Bad aus Isopropanol legen. Dabei fällt mir auf: Im Gegensatz zu vielen anderen Objektiven, die ich bereits auseinander genommen habe, findet sich die Blenden-Feder an der Blende selber! Also Vorsicht beim Herausnehmen und wieder einsetzen. (Ich empfehle übrigens das Einsetzen im nicht gespannten Zustand, weil mir das Ding zwei mal wieder auseinander geflitscht ist, aber das ist eine persönliche Vorliebe. Das Internet sagt, man soll die Feder vorher wieder einhaken. Ich war da zu sehr Körperkevin für! ;-))


An dieser Stelle drehe ich das gute Stück um und entferne den Bajonett-Ring. Denn um zwischen die Linsen der hinteren Linsengruppe zu kommen, muss ich diese leider auch auseinander nehmen. Das ganze hintere Bauteil lässt sich auch hier ziemlich problemlos und mit wenig Gewalteinwirkung heraus drehen. Nur für das trennen der beiden Teile brauchte ich etwas mehr Kraft, weil es so klein in meinen riesigen Flossen daher kommt. Mir fehlte da ein ein bisschen die Hebelwirkung. Aber dann kann man auch endlich dazwischen putzen. Leider sind nicht alle tropfenförmigen Schmutzstellen weg gegangen, denn ich musste leider feststellen, dass auch die Verkittung der hintersten beiden Linsen ein bisschen gelitten hat. Nicht allzu schlimm, das wird wahrscheinlich nur in direkten Gegenlicht-Fotos sichtbar werden, schade ist es aber trotzdem und mindert den Wert ein bisschen. (Nicht, dass ich vor hatte, das Objektiv wieder zu verhökern. Das kommt in die Sammlung, passt es doch hervorragend zu den analogen Nikons, die ich habe.)

Nachdem ich den hinteren Teil des Objektives dann wieder zusammengesetzt hatte, war es Zeit, sich um die Blendenlamellen zu kümmern. Der Alkohol drohte nämlich, komplett zu verdampfen und ich war auch schon ein kleines bisschen beschickert! ;-) Da der Schmutz leider auch zwischen Lamellen und Ring klebte und sich nicht so richtig mit dem Alkoholbad entfernen ließ, habe ich dann in den sauren Apfel gebissen und die Lamellen einzeln gereinigt. Auch wenn das bedeutet, dass ich danach ein Puzzle lösen musste, was ja nicht so mein Ding ist. Deswegen versuche ich das im Allgemeinen ja zu vermeiden. Ging aber. Nach dem dritten Versuch hatte ich die nötige Übung! ;-) (Vielleicht sollte ich mich jetzt mal an das 50/1.7 Minolta ran wagen, das ich ja durch ein "neues" ersetzt hatte, als es billig auf dem Flohmarkt vorbei kam.)


Nachdem ich die Blendenlamellen wieder in die entsprechenden Löcher eingesetzt und den Gegenspieler wieder drauf gesetzt hatte, stand ich vor dem Problem, das ich oben bereits angesprochen hatte: Wie zum Ficus setz ich das wieder ein, ohne, dass es auseinander fällt? Und dabei das Loch für den Steuerpinn auch treffe?! Mit einigem Hin und Her und einem Fehlversuch, nachdem ich das ganze Puzzle noch mal lösen durfte, habe ich es dann aber hin bekommen. Dann noch schnell die Feder wieder eingehängt und getestet, wo die Schrauben hin gehören. Die geben nämlich vor, wie weit die Blende sich öffnen lässt. Ich hatte da zwar vorher Markierungen angebracht, aber Isopropyl löst ja auch sowas wieder auf. Habe Pi mal Daumen die Stellung gewählt, die mir sinnvoll erschien - die Bilder, die ich danach zum Test gemacht habe, sahen jetzt auch nicht groß über oder unter aus. Scheint also einigermaßen zu stimmen, was ich da fabriziert habe.

Dann die vordere Linsengruppe wieder einschrauben, gefolgt vom Filtergewindetubus: Zack, fertig! Die ganze Operation hat vielleicht so eine Stunde gedauert. Schätze ich mal. Joah, wenn der Profi das macht, kostet das halt einen Hunni! Kann ich auch verstehen, denn man muss sich da schon zu trauen, sowas auseinander und wieder zusammen zu setzen. Aber: Wie bereits gesagt, dieses Objektiv war ziemlich problemlos. Als Nikon das damals konzipiert hat, haben sie die Wartung direkt mit eingeplant.


Und zum Schluss hier noch ein Bild vom Endergebnis auf meiner alten D100. Mit der habe ich ein paar Testbilder gemacht, bevor ich es auf die D800 los gelassen habe. War aber nicht nötig, alles ist gut, alles geht. Aus den Testbildern aus dem Garten mache ich gleich noch einen weiteren Artikel; dieser hier ist eh schon so lang. ;-)