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Mit dem Micro-NIKKOR 55mm 1:3.5 im Kurpark

21.6.: Und so bin ich dann am Sonntag mal eben in den Kurpark gefahren und habe dort das "neue" Micro-NIKKOR 55mm 1:3.5 getestet. Habe mir gedacht: Da gibt es doch sicher einerseits Blüten und Gedöns, was man aus der Nähe ablichten will, andererseits auch die Chance auf Enten und andere komische Vögel. Außerdem ist es da schattig, einigermaßen zumindest, sodass mich die Hitze nicht ganz so im Griff hat. Nicht, dass morgens um die Zeit schon große Hitze gewesen wäre, aber auf dem Rückweg merkte ich das schon deutlich. (Auf was für eine seltsame Uhrzeit ist meine D800 eigentlich eingestellt? Oder kann dieses Exif-Plugin das hier nicht richtig dekodieren? Ach, das zeigt GMT statt CEST an. Sollte man dem Autor mal sagen!)


Jedenfalls haben wir hier direkt mal ein paar Beispielbilder: Das Blattwerk an den Bäumen habe ich viel zu weit offen fotografiert, außerdem bewegte sich das im leichten Wind viel zu sehr, als dass ich es präzise hätte scharfstellen können. Also eher so naja. Die Bilder auf mittlere und weitere Entfernung sind da nicht so sehr von betroffen und machen auf den ersten Blick schon mal einen guten Eindruck. f/3,5 ist ja nun auch nicht besonders hell, da erwartet man schon entsprechende Schärfe. Und die bekommt man auch problemlos geliefert. In der unteren Reihe sind alle mit einer Blende zwischen f/4 und f/8 gemacht und ich sehe schärfetechnisch keine Unterschiede. Das Objektiv ist von Anfang an scharf, selbst weit offen. Da lässt sich nichts dran deuteln. Verzerrungen und Vignettierungen sehe ich auch keine. Die Abbildung ist einfach perfekt. Schon fast zu perfekt, denn ich vermisse fast schon ein bisschen den üblichen vintage look alter Optiken aus dieser Zeit. Die Farben in diesen Beispielen sind alle ein bisschen zu unbunt, als dass man was über das genaue Verhalten in diesem Bereich sagen könnte, da kommen unten bessere. Nun macht die D800 als solche ja sowieso eher gedecktere Farben als zB die Canon oder die Sony. (Ich sag immer: Nikon hat es gar nicht nötig, den Kontrast künstlich durch irgendwelche Tricksereien in die Höhe zu treiben! ;-))

Einen besseren Eindruck von Farben und Abbildungsleistung auf kurze und Makro-Distanzen bekommt man dann in den folgenden Bildern, die jeweils am Anfang und Ende der Reihe stehen: Das lilane Verdampfergedöns-Fläschchen kommt recht naturgetreu rüber. Immerhin lag es im Schatten und ist demnach sowieso ein bisschen gedämpfter er. Bei den einzelnen Blüten am Ende kann das Makro dann mal so richtig zeigen, was es kann: Wenn man nicht verwackelt und die Blende weit genug schließt, sind die Ergebnisse so messerscharf, dass man sich schneidet. Und das ist nicht nur in dieser herunter gerechneten Web-Version der Fall: Auch im originalen, 36MP großen Bild habe ich den Eindruck, dass die schärfe jenseits der Pixelebene noch weiter geht! Kann ich natürlich nur vermuten, aber ich glaube, auch eine größere 850 mit ihren 45 MP hätte da schon noch Probleme, eine unscharfe Stelle zu finden. Vielleicht bei den gigantischen Sensoren der neuen Z-Kameras, da könnte ich mir vorstellen, dass es evtl ein bisschen sichtbar würde, das physikalische Limit. Aber solange ich es nicht gesehen habe... ;-)


Das Kneippbecken mit seinen recht scharfen und abrupten Übergängen zwischen überhell und etwas unter (am Geländer) wäre mein Test gewesen, was CA angeht. Nur sehe ich keins. Der Test hat also nichts gebracht. Vielleicht habe ich zu weit abgeblendet, f/8 ist ja schon recht viel, auch für ein Objektiv, dass erst bei f/3,5 anfängt. Dass es sich auch für "normale" Fotografie eignet, zeigt es jedoch recht eindrucksvoll und das lässt mich hoffen, dass die im "erweiterten Eintrag" folgenden Bilder ebenso knackig scharf und fehlerfrei daher kommen wie diese hier. Also: KLICK! "Mit dem Micro-NIKKOR 55mm 1:3.5 im Kurpark" vollständig lesen

Micro-NIKKOR 55mm 1:3.5

Auf dem Flohmarkt am 20.6. habe ich mir mal wieder eine Kleinigkeit gegönnt. Eigentlich hatte ich ja extra kein Geld mit genommen, damit ich auch keins ausgeben kann, aber leider nehmen die meiste Leute ja heutzutage auch PayPal, Wero, hastenichgesehen. Und so habe ich mal eben schnell 40€ and den Herrn am Stand nebenan überwiesen, der dem eigentlichen Verkäufer dann Bares in die Hand gegeben hat, und ich habe dieses wunderschöne, wenn auch mit leichten Lackschäden daher kommende Micro-NIKKOR 55mm 1:3.5 mitgenommen. Danach suchte ich ja tatsächlich schon was länger, aber bisher waren mir die (mindestens doppelt so hohen) Preise bei eBay nicht genehm. Ich sortiere das Teil also mal wieder in die Kategorie "Schnäppchen" ein, wenn auch bei den eher hochpreisigen!

Außer ein paar Abplatzern im Lack und einem etwas länger nicht benutzten Fokus (der deshalb ein bisschen ungleichmäßig steif daher kommt, was sich aber mit der Benutzung wieder legt) ist es aber völlig in Ordnung. Die Optik ist klar, keine Pilze, kaum Staub, keine Kratzer vom Putzen. Es mag nicht das best erhaltenste Exemplar sein, aber es funktioniert einwandfrei. Hier ein paar Beauty Shots, die ich noch in den Rheinauen gemacht habe:


Mit dem Zoom glüht es in der hellen Sonne ein bisschen, aber man bekommt schon einen recht guten Eindruck davon. Warum habe ich nach diesem eher unscheinbaren Objektiv schon seit etwa einem Jahr oder gar länger Ausschau gehalten? Nun, das Internet ist sich ziemlich einig, dass es eines der besten Makros der 1970er ist. (Seine Vorfahren mit non-AI-F-Mount reichen ja bis an den Anfang der 1960er zurück; dieses hier ist aber ein recht spätes Modell mit AI-Anschluss, wahrscheinlich 1978-79.) Es soll bestechend scharf sein bei allen Entfernungen, mit 1:2 bietet es eine schon fast extreme Vergrößerung (den passenden Zwischenring für 1:1 habe ich ja auch im Arsenal), soll aber gleichzeitig auch im "normalen" Einsatz als Allround-Normalbrennweite ganz gut sein. Das einzig Negative ist die eher geringe Öffnung von f/3,5, aber da ich ja eh meist meine Bilder bei f/4 mache, ist das auch nur so ein bisschen schlecht.

Was es kann, habe ich gleich da im Rosengarten mal ausprobiert. Zu beachten ist, dass hier zwei Adapter zum Einsatz kamen: Auf den Viltrox EF-E Adapter habe ich den F-EF-Adapter aufgesetzt und darauf das Objektiv. Das funktioniert erstaunlich gut, außer dass ich es zuerst falsch angesetzt hatte und es beinahe nicht wieder abbekommen hätte. Die Sony macht gute Fotos, aber über Focus Peaking habe ich mich ja schon öfter mal beschwert. Außerdem ist der Blendenhebel am F-Adapter doof. Mir ist nachher erst eingefallen, dass ich den bei einem Objektiv mit Blendenring ja gar nicht benutzen muss! Mööp! Ich dumm! (Liegt an der Hitze, da ist das mit dem Denken so eine Sache.)


Sehr hübsche Rosenbilder jedenfalls. Das lässt mich hoffen, dass die Fotos, die ich mit einer echten Nikon machen werde, mindestens genauso gut sind. Auch das Übersichtsbild über den Flohmarkt verspricht gutes: Auch bei normaler Brennweite ist das Ding scharf und praktisch frei von Verzerrungen. Erstaunlich! Das Objektiv war damals ja eher so der Einstieg in die Makro-Fotografie; es gab da deutlich teurere Optionen. Und es ist erstaunlich gut gealtert: Auch auf der Sony macht es typische Nikon-Farben, auch abgeblendet hat es ein schönes, sanftes Bokeh. Und bei einem Makro ist es schon wichtig, dass man es wirklich weit abblenden kann: f/32 ist hier die kleinste Öffnung. Dann überwiegt zwar deutlich die Brechung aufgrund der Welleneigenschaft, aber man bekommt schon eine recht große Schärfeebene. Bevor so moderne Dinge wie Focus Stacking erfunden wurden, war das die einzige Art und Weise, möglichst viel Tiefe ins Bild zu bekommen.

Zu Hause im Garten habe ich dann auch noch ein paar Beauty Shots gemacht. Auffallend ist, dass die Frontlinse so weit zurück versetzt im Tubus ist. Ich nehme an, damit schattet das Objektiv schon von sich aus einiges an möglichen Flares ab. (Auch wenn ich bei meinem Test am folgenden Tag keine größeren Gegenlichtprobleme feststellen konnte, kann das im Studio mit vielen Lampen schon ganz anders aussehen.) Außerdem rotiert der Fokusring zwar aber der Tubus fährt unrotierend aus. Scheinbar ist der Fokus auch auf einer doppelten Schnecke gelagert: Der Ring bewegt sich nach vorne, das Frontelement aber noch mehr. So wird wahrscheinlich für optische Fehler korrigiert, die bei bestimmten Entfernungen auftreten. (Hey, ich bin halt auch kein Optikexperte! Ich kann nur nachquatschen, was ich mir hobbymäßig angelesen habe! ;-))


Jedenfalls: Noch ein Schnäppchen! Zwar eins, das nicht ganz so günstig ist, aber trotzdem eins, das ich länger schon auf meiner Liste hatte und jetzt abhaken kann. Wie der Eindruck beim Einsatz auf meiner D800 war, erfahrt ihr im Folgeeintrag. Aber so viel sei gesagt: Ein Objektiv, das von seiner grundlegenden Konstruktion über ein halbes Jahrhundert alt ist, hat definitiv nicht so unglaublich scharf und genial vielseitig zu sein! Ich weiß nicht, welche schwarze Magie die Nikon-Konstrukteure damals verwendet haben, aber! Wer die Gelegenheit hat, das Ding zu verwenden, sollte es auf jeden Fall mal testen. Das neuere f/2,8 soll ja noch einen Tacken schärfer sein, aber ich frage mich, wie das gehen soll! Bei der D800 mit ihren 36 MP habe ich echt Probleme, das Ding perfekt scharf zu stellen, man sieht sofort, wenn der Fokus daneben gelegen hat, weil es einfach so unglaublich messerscharf ist. Ein Stativ und Windstille sind eigentlich Grundvoraussetzung für den Einsatz als Makro! Darüber hinaus hat es aber auch tatsächlich die versprochene Vielseitigkeit, was ich echt erstaunlich finde. Aber ich nehme zu viel vorweg! ;-)

Nikon D610

Leser, die schon ein bisschen länger meinem Blog folgen, werden sich dran erinnern, dass ich vor all den anderen digitalen Kameras, die ich in letzter Zeit mehr oder weniger regelmäßig benutze, eine Nikon D610 hatte, an der irgendwann im Mai 2023 der Blendenaktuator zum zweiten Mal gestorben ist. Mit 110k Auslösungen ist sie aber noch nicht so alt gewesen, dass ich sie zum alten Eisen geben wollte, also habe ich sie einschicken lassen, womit der ganze Stress erst so richtig angefangen hat. Ich will euch die ganze Geschichte nicht noch mal erzählen, aber irgendwo auf dem Transport hat entweder DHL oder einer bei Nikon in Düsseldorf mit dem Paket rum gekegelt und das ganze Gehäuse kaputt gemacht. Daraufhin hat die Versicherung jetzt so lange rum gekackt, dass sie das nicht bezahlen will, dass Nikon mittlerweile sagt, dass sie keine Ersatzteile mehr haben und keinen Service mehr für diese Kamera anbieten, also Arschkarte. Ich hab sie dann am Montag (15.6.) endlich wieder zurück bekommen. Drei Jahre! Drei verf*ckte Jahre! Man man man man man! Wenn ich nicht zwischendurch die D800 beschafft hätte und die Sony A7 und die Canon 700D von D, ich hätte echt die Pest am Arsch!


Jedenfalls. Der Plan ist jetzt, dass ich die im Kostenvoranschlag aufgelisteten Teile irgendwo im Internet besorge und mich mal selber daran begebe. Denn grundsätzlich funktioniert alles noch. Das kaputte Gehäuse ist ja eigentlich auch nur ein kosmetisches Problem, auslösen und Bilder macht sie auch mit Rissen und Spalten im Plastik. Ich weiß zwar nicht, ob ich das kann, aber ich habe schon so viele andere (analoge) Kameras von innen gesehen, wie schwer kann das sein? (Possible Spoiler: Sehr?)


Ich bin jedenfalls noch immer ziemlich angepisst, dass die das kaputt gemacht haben und keine der Versicherungen der Meinung war, dass sie da mal was dran machen wollen würden. Weil, wofür hat man eigentlich einen versicherten Versand gekauft, als Paket und mit extra Porto, wenn DHL dann meint, "nö, nicht korrekt dokumentiert, zahlen wir nicht"? Und die Haftpflicht vom Fotoladen das dann so lange mit denen ausdiskutiert, bis Nikon auch keine Böcke mehr hat. Wenn ich ja mehr auf Krawall wäre, müsste ich mir eigentlich einen Anwalt suchen und irgendwen verklagen! Nur leider ist der Streitwert auch nicht wirklich so hoch, dass sich das lohnen würde. Aber einfach aus Prinzip! Müsste mal meine Rechtschutzversicherung anfragen, ob die das übernehmen würde...


Aber ich bin ja nicht auf Krawall. Ooooom! Der Fotomensch kann nichts dafür, der hatte die Kamera damals ordnungsgemäß verpackt, das habe ich gesehen, und der geht mit den Sachen, die man ihm anvertraut, auch vorsichtig um. Der Fehler lag eindeutig irgendwo auf dem Transportweg. Alles Scheiße, jedenfalls.

Egal. Vielleicht lasse ich es auch ganz mit der Reparatur und schau mal, ob ich irgendwann, wenn ich mal wieder zu Geld gekommen bin, einen gebrauchten Ersatz bekomme. Die D610 ist ja doch recht häufig bei eBlöd zu finden. Ist nur irgendwie schade drum. Ich habe diese Kamera schließlich heiß und innig geliebt...

Parallele Filmentwicklung am Montag

Nachdem ich gestern im Kurpark mal endlich den Orwo-Film voll gemacht habe, den ich schon auf dem TR-Meeting vor mittlerweile drei oder vier Wochen in die Nikkormat geladen hatte, war heute Entwicklertag. Das bedeutet aber auch, dass ich erst mal ausknobeln musste, wie lange ich den NP100 wohl in Fomadon P einlegen muss, damit ich nachher Bilder raus bekomme. Weil: Zu der Kombination habe ich keine Anleitung gefunden. Also habe ich geschaut, für welche Entwickler es Zeiten gibt und aus denen heraus interpoliert, wie lange ich wohl für das Foma-Zeugs brauchen würde. Als Bezugspunkt habe ich dafür den Kentmere 100 benutzt, den ich ja auch schon seit Mai hier rum stehen habe und der auch mal endlich entwickelt werden wollte.

In den MassiveDevCharts habe ich für den Orwo Angaben für HC110 (5 Minuten), Rodinal (9 Minuten) und XT3 (5:30 Minuten) gefunden. Die entsprechenden Zeiten für Kentmere 100 sind 8, 15 bzw. 8 Minuten. Daraus habe ich mal einen Faktor von 1,6 geschätzt, die 11 Minuten, die ich den also normalerweise in P einlege dividiert und bin auf ~6:30 gekommen. Da das Wasser heute einerseits mal wieder mit 21°C aus der Leitung kam, das Fomadon P andererseits aber auch schon ein bisschen älter und benutzter ist, habe ich die 6:30 einfach mal so übernommen. Das Ergebnis ist... OKish, könnte aber dunkler, kontrastiger sein. Ich würde ihn beim nächsten Mal 7 oder gar 7:30 Minuten ziehen lassen. Genaueres kann ich sagen, wenn ich den Film gescannt habe. (Das wird bei dieser Hitze nicht allzu schnell passieren, da oben im Büro verdampft man zZt.)


Da die beiden Filme völlig unterschiedlich drauf sind, habe ich sie in zwei verschiedenen Töpfen gekocht. Im kleinen Jobo hatte ich den Kentmere und im großen Patterson den Wolfen. (Da konnte ich entsprechend mehr Entwickler einfüllen, die Lösung war also entsprechend stärker gepuffert.) (Der Wolfen hat sich auf der einen Spule geweigert. Ich hoffe, ich hab ihn nicht allzu sehr verkratzt. Im zweiten Versuch auf der zweiten Spule ging es problemlos.) Dann habe ich die beiden außerdem noch mit einem Versatz von 30 Sekunden gestartet, zuerst den Kentmere, weil der ja eh länger muss, dann den Orwo Wolfen NP100. Werde ich glaube ich aber nicht noch mal machen: Zwei Töpfe gleichzeitig bewachen, das ist schon ein kleines bisschen stressig. Vor allem gegen Ende, wenn man drei Sachen gleichzeitig im Auge behalten muss: Der eine Film entwickelt noch, während man beim anderen schon gewässert hat und dabei ist, den Fixierer einzufüllen. So viele Stoppuhren habe ich gar nicht! ;-)


Andererseits ist das Ergebnis ganz gut geworden, zumindest wenn man es nass unter der Dusche fotografiert. Der Kentmere ist ein bisschen dunkler geworden als sonst, aber das ist OK. Ich mag ja Kontrast gerne. Der Orwo ist ein bisschen dünner, aber durchaus benutzbar. Ich denke, für den ersten Test war das ganz gut so. Jetzt muss ich mich nur noch mal dazu durchringen, einen zweiten davon käuflich zu erwerben. Da der mittlerweile 10-13 Euro kostet, wird auch das nicht allzu schnell passieren. Wobei ich ja eh demnächst mal neuen Film bestellen müsste. Ich hab echt einen Verbrauch, kaum zu glauben! Jedenfalls wird sich auch das entscheiden, wenn ich diesen hier gescannt habe und ich sehen kann, ob sich der doppelte Preis tatsächlich lohnt.

Agfa Silette L (1956) mit Color-Solinar 1:2,8/50 und Compur Rapid

In der Kiste, die ich vom letzten Tomb Raider Meeting mit nach Hause gebracht habe, war auch noch ein anderes kleines Schätzchen: Eine Agfa Silette L (soweit ich das dem Netz entnehmen kann in der Ausführung von 1956) mit einem (für die Zeit und diese Art von Kamera) recht lichtstarken Color-Solinar 1:2,8/50 und einem schnellen Compur Rapid Verschluss. Insgesamt eine sehr spannende Kombination, die - wenn die Datierung stimmt - dieses Jahr 70 Jahre alt wird! Und Spoiler: Sie funktioniert! Und sieht darüber hinaus auch noch schick aus!


Was hier direkt ins Auge fällt, ist der Lichtmesser vorne am Gerät. Hier handelt es sich um einen passiven (also nicht batteriebetriebenen) Messer, der oben auf dem Top Deck der Kamera ein kleine Nadel hin und her pendeln lässt. Ich nehme an, da drin steckt eine gute alte Selen-Fotozelle. So viele von den Dingern sind mit den Jahren kaputt gegangen, weil die Leute die Kamera nicht wieder in die Schutztasche gesteckt haben und die andauernde Belichtung der Fotozelle diese hat über Maßen altern lassen. Nicht so hier: Die Nadel schlägt recht zuverlässig aus, sowohl im offenen wie im geschlossenen Zustand. Hier kann man dann über ein Drehrad einen Zeiger einstellen, bis dieser mit der Nadel übereinstimmt, und dann die EV ablesen, welche man wiederum auf die Blende übertragen kann. Blenden- und Zeit-Ring sind miteinander gekoppelt, sodass man - wenn man einmal die korrekte Belichtung eingestellt hat - nur noch an einem der Ringe drehen muss, um die verschiedenen Kombinationen durchgehen zu können. Clever.

Das einzige Problem, das diese Kamera hatte, als ich sie bekommen habe: Der Fokus-Ring steckte fest und nur mit ganz sanfter Gewalt ließ er sich ein bisschen zwischen Unendlich und 10m bewegen. Ich habe mein übliches Allheilmittel benutzt, um den Dreck da drin ein bisschen aufzulösen: Kontaktreinigerspray! Das hat mir in solchen Fällen noch immer gute Dienste erwiesen. Auch so hier. Leider kann ich nicht erkennen, ob sich an der Fokussierung tatsächlich etwas ändert, wenn ich jetzt am Ring drehe. Es könnte also sein, dass der aus anderen Grünend als den allgemeine Alterungserscheinungen feststeckte: Vielleicht hat die Kamera mal einen Schlag auf die Nase gekriegt. Bei anderen Sucherkameras dieses Alters bin ich das gewöhnt, dass das Frontelement raus und rein geschraubt wird, aber hier tut sich nichts. Vielleicht muss ich doch mal rein schauen...


Aber ansonsten macht diese Kamera einen Eindruck wie neu. Als wäre sie noch nie aus der Verpackung genommen worden. Alle mechanischen Teile wie der Spannhebel und der Verschluss funktionieren zufriedenstellend nach all der Jahrzehnten - ob die Zeiten noch richtig laufen, kann ich natürlich nur raten, aber zumindest die schnellen scheinen zu tun, was dran steht. Auch das kleine Bild-Zählwerk am Spannhebel funktioniert. Der Verschluss ist übrigens die "bessere" Version mit 1/500s als Minimalgeschwindigkeit. Andere, die ich im Netz gefunden habe, enden bei 1/250s oder 1/300s. Die haben außerdem meist eine Brennweite 45mm statt der 50mm wie diese hier. Ob das jetzt eine besondere Version ist, weiß ich auch nicht; in den 1950ern war es ja Gang und Gäbe, das zu verbauen, was gerade in der Fabrik verfügbar war. Die Linsen unterscheiden sich alle untereinander ja nur minimal, es handelt sich eh meist um einfach Tripplets, die ungefähr die gleichen Eigenschaften haben. Es würde mich zB nicht wundern, wenn der Sucher immer den gleichen Ausschnitt zeigen würde, egal ob ein 45er oder ein 50er verbaut wurde.

Bleibt also eigentlich nur, das gute Stück mal mit einem Film zu testen. Aber ich glaube, so langsam muss ich mal neue bestellen, der Kühlschrank ist so leer! Ich habe auf dem Meeting jetzt mal den ostdeutschen Wolfen verschossen, den ich vor zwei, drei Jahren gekauft, aber nie benutzt habe. Der ist nämlich auch mittlerweile abgelaufen, während die Kentmeres alle alle sind. Fomas habe ich auch nur noch ein paar. Das wird wieder teuer! ;-) Zum Glück hab ich noch genug Entwickler rumliegen!