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Bonn im Schneegestöber (Trekdinner)

Am Samstag war Trekdinner und wir waren mal wieder ein bisschen früher in der Stadt, um noch ein bisschen sinnlos Geld zu verpulvern, solange man noch was dafür bekommt. Scheint ja so, dass wenn man dem Ami das Öl nicht freiwillig gibt, kommt er mit Hubschraubern und Kriegsschiffen, um einen wegen Drogenhandels anzuklagen. Falls man nicht vorher aus irgendeinem Fenster fällt. Ach nee, das war der andere Typ. Aber ähnliches Prinzip. Wir sind also wieder 1950 oder so, da wo die Konservativen ja mit aller Macht wieder hin wollen. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich hatte derweil statt der M14 die Minolta im Anschlag und habe scharf geschossen: Das Tokina AT-X hatte ich ja letztens in Mondorf schon zum Test dabei, da waren aber noch so ca. 9 Bilder am Ende des Films frei, sodass ich die mit geschleppt habe. Im Vergleich zu der kleinen Alpha 7 mit dem 50er, mit der ich 95% der Bilder in diesem Artikel gemacht habe, handelt es sich ja wirklich um einen Klotz! Kaum zu glauben, dass Kameras mal so schwer waren. Aber das ist noch gute, japanische Vorkriegsware! Da ist noch echtes Metall drin verbaut! Nicht dieser Plastik-Scheiß wie heute! ;-)


Da ich, solange es noch einigermaßen hell war, also mit der Dynax 7Xi beschäftigt war, sind die ersten digitalen Bilder bereits bei schlechtem Licht gemacht. Schnell war die Sonne dann auch ganz weg, sodass ich viel mit weit offener Blende und/oder automatischem ISO gearbeitet habe. Besonders bei den Bildern von den Obstständen, wenn es schnell gehen musste. Weil, man will ja nicht zu auffällig sein und die Protagonisten in ihrem natürlichen Habitat stören. ;-) Und dann kam ein Schneegestöber nach dem Anderen und brach über Bonn herein. Auf der Brücke über den Rhein hatte es ja schon kräftig gezogen, aber unterwegs hat es dann so geblasen, dass ich selbst in meinen dicken Merrell, die ich schon extra wegen des Wetters an hatte, kalte Zehen bekommen habe. Und davon, dass ich besser die lange Unterwäsche angezogen hätte, fangen wir gar nicht erst an. Ist aber immer so blöd, wenn man in die Läden geht, da ist es dann nämlich immer zu warm!


Ansonsten hängt in der ganzen Stadt noch die Weihnachtsbeleuchtung rum. Das macht aber auch nicht viel, denn der Weihnachtsmarkt (in klein) ist ja auch noch präsent, wie man auf den folgenden Bildern sehen kann. Finde ich persönlich ja etwas seltsam.

Und dann ist da noch der Kaufhof. Galeria. Wie auch immer das jetzt heißt. Rumpf-Warenhauskette. Irgendwie so. Die machen jedenfalls Werbung für Winterausverkauf, sodass wir da auf der Suche nach Schuhen auch mal rein geschaut haben. Also eigentlich mehr so in den Outdoor-Sportladen im anderen Block, aber da kann man ja durch diesen Glasgang von der einen auf die andere Seite wechseln und so gleich auf beiden Seiten dem hemmungslosen Konsum frönen. Jaja, schön wär's, wenn die ja mal was in unseren Größen, Farben und Formen hätten! Die guten Klamotten sind ja immer schon weg. Und überhaupt: Die Sohlen an den Outdoor-Schuhen werden auch immer wabbliger. Der Typ im Dings meinte, das kommt, weil die immer leichter würden, weil die Leute die ja nicht mehr im Wald anziehen würden, sondern immer mehr in der Stadt! Ja, danke auch für nichts, ich hätte gerne trotzdem gute Schuhe mit stabiler Sohle, die nicht in 5 Minuten abgelaufen ist! (Doch wieder mehr Auto fahren statt zu Fuß gehen, Öl wird ja jetzt billiger und unendlich! Hohohaha!) :-/


Nachdem wir dann alle sinnvollen und auch die weniger sinnvollen Methoden Geld auszugeben durch hatten, sind wir kurz vor dem Bahnhof noch in den Lego-Store rein. Die sind mir ja immer unheimlich, da stehen mehrere Angestellte direkt hinter der Tür! Und begrüßen einen! Ja, nee, das ist... seltsam! Macht mir als deutschem Servicewüsten-Aficionado einfach nur Angst! Die nordisch-dänische Philosophie ist da anders, ähnlich IKEA. (Immer diese Ausländer, die das deutsche Stadtbild verändern wollen! Schlimm! Schlimm, schlimm! :-D ;-)) Da haben wir jedenfalls auch nur die 1701-D angestarrt, aber nichts gekauft.


Dann Trekdinnerm, wofür wir auf die andere Seite des Bahnhofs mussten. Da stand auch einer der Bahnbediensteten an der Tür und hielt uns eben jene auf. Noch ein Herzinfarkt! Sagt man da danke? Ich bin total verwirrt! ;-) Hinterm Bahnhof haben wir uns dann im Mandala den Magen vegan (DiE GrÜnEn!!!1) voll geschlagen. War lecker. Werde allerdings beim nächsten Mal schon wieder vergessen haben, was das beste Essen da ist. Und billig ist es auch nicht! Ich glaube, ich sollte mal eine der Bowls versuchen. Die mit Udon, vielleicht. Wobei die Fusion-Tappas schon geil sind. Aber eben auch teuer...


Da wir das Auto aber in Beuel stehen hatten, sind wir dann zusammen mit J einmal quer durch die Stadt und ich habe noch ein paar Nachtimpressionen eingefangen. Muss man ja dokumentieren, für kommende Generationen, wenn hier alles in Schutt und Asche liegt, weil wir ja nicht genug "Meinungsfreiheit" aber zu viel Öl haben. Und überhaupt viel zu woke sind! Schlimm! Schlimm, schlimm! :-/ Ich frühstücke jetzt erst mal was, solang noch was im Kühlschrank ist...

Men Nefer

Um wenigstens noch eines der vier Spiele vorzustellen, das wir uns gegenseitig zu Weihnachten geschenkt haben: Hier ist ein kleiner Überblick über Men-Nefer. (Oder Mennefer oder Men Nefer oder unter was für Namen man das noch im Internet findet.) Men-Nefer ist die altägyptische Version des griechischen Namens für Memphis. (Das war ein Satz, der viel komplizierter war, als er hätte sein müssen. Will sagen: Das eine ist das andere und umgekehrt. "===", wie der Informatiker in mir sagen würde.) Was ist Memphis? Das altägyptische religiöse Zentrum am Nil, einst Hauptstadt Unterägyptens, heute um die Ecke von Kairo und Gizeh, da wo die Pyramiden stehen. Was ist Men-Nefer? Ein Brettspiel, in dem man Mumien einbalsamiert, Sphinxen (Sphingen? So hab ich das jedenfalls mal gelernt?) meißelt und Priesterinnen Opfergaben im Tempel darbringen lässt. Also total mein Thema: Worker Placement vom Feinsten und das im alten Ägypten der Pharaonen! Was will man mehr?


Die Aufschrift "Experte" auf dem Karton ist dabei Programm: Um den Aufbau durchzuziehen, haben wir mal eben so knapp zwei, zweieinhalb Stunden gebraucht. Also, da hatten wir noch nichts gespielt, nur die Steine aufs Brett gestellt und dann noch die Betriebsanleitung durchgelesen. Also nichts für einen schnellen Einstieg. Keine Angst: Im zweiten und dritten Spiel geht das dann natürlich sehr viel schneller, wenn man nur noch hin und wieder in die Details schauen muss. Während die erste Partie noch gut anderthalb bis zwei Stunden gebraucht hat, haben wir die zweite in gut einer Stunde durchgezogen. Da habe ich allerdings auch haushoch verloren, während ich die erste evtl. knapp gewonnen (oder unentschieden gespielt) hatte (wir wissen es leider nicht ganz so genau, weil wir kleinere Abrechnungsfehler gemacht haben).

Wie funktioniert das Spiel jetzt im Detail? Man spielt drei Mal den Jahreszyklus des alten ägyptischen Kalenders durch: Zur Überschwemmungszeit des Nils wird ausgesät, dann werden die ganzen Arbeiten erledigt (die eigentliche Spielphase) und schließlich wird geerntet und aufgeräumt. Die Überschwemmung im ersten Durchgang wird allerdings übersprungen und durch den Aufbau des Plans ersetzt, der einen mit Startressourcen versorgt. In der Aktionsphase kann man drei mal drei Aktionen durchführen: Man kann seine Lehrlinge in das Lebenshaus schicken, um dort zu lernen und die Aktionen durchzuführen, die man am Anfang (in Form von Aktionsplättchen) zugeteilt bekommen hat. (Jeder Lehrling hat eine solches Aktionsplättchen.) Dies führt in der zweiten Sorte von Aktion dazu, dass die Spieler sich spezialisieren und dadurch bestimmte sekundäre Aktionen zu triggern. Oder man füllt seine Aktionstafeln wieder auf, die die Lehrlinge dann in der nächsten (großen) Runde (Zeitalter genannt) durchführen können. (Je weiter oben aus der Aktionsplättchenauslage man sich eines nimmt, desto teurer wird es, aber desto besser sind auch die Aktionen, die man dadurch zusätzlich ausführen kann, welche am Rand der Auslage markiert sind!) Klingt komplizierter, als es ist. Die Bedienungsanleitung erklärt die einzelnen Aktionen, die Ikonographie und die dadurch getriggerten sekundären Aktionen sehr detailliert und mit Beispielen, sowie einigen kleinen Einschüben, die einem das reale Leben im alten Ägypten näher bringen.


Die sekundären Aktionen enthalten diverse verschiedene Möglichkeiten: Man kann mit seinen Booten den Nil hinauf fahren und in den angrenzenden Städten Handelsverträge einsammeln oder fischen (Nahrung ist eine der "Währungen" oder Ressourcen im Spiel). Man kann an der großen Pyramide arbeiten und dadurch des Pharaos Gunst erwerben oder an den drei kleinen Königinnenpyramiden, die einem durch ein ausgeklügeltes Wertungssystem Punkte bringen. Man kann, wie gesagt, ein Sphinx meißeln oder diese aufstellen, wodurch man verschiedenste weitere Boni abgreifen kann. Genau so kann man eine Mumie in ihren Sarkophag legen und diesen dann schließlich in einer Mastaba bestatten, um direkte Vorteile abzugreifen und des Weiteren ebenfalls wieder in der Rundenwertung Punkte mitzunehmen. Schließlich kann man Waren erwerben und durch die Priesterin in den Tempel bringen lassen, wo sie der Stadtgottheit dargebracht werden. Oder man kann Papyri sammeln und an seinem Totenbuch schreiben. Das alles tut man hauptsächlich, um beim Wiegen von Herz und Maat im Jenseits nicht von Amet gefressen zu werden - spricht: Die hart erarbeiteten Punkte wieder abgeben zu müssen. Es gilt also, auf der Duat-Leiste Herz und Feder möglichst schnell aneinander vorbei bewegt zu bekommen, um stattdessen zusätzliche Punkte zu bekommen!

Ja. Ist kompliziert. Auf den ersten Blick ist das Spiel durchaus überwältigend. Aber je länger man spielt, desto interessanter wird es. Falsche Entscheidungen werden relativ zügig bestraft, aber trotzdem hat man immer auch die Chance, sich wieder aus einer scheinbar ausweglosen Situation, in die man sich selber oder der Gegner einen hinein manövriert hat, zu befreien. Das und die vielen Entscheidungsmöglichkeiten machen das Spiel abwechslungsreich und interessant: Spezialisiert man sich auf eine bestimmte Aktionsart? Oder sollte man alle Fähigkeiten ähnlich weit ausbauen? Wo verstecken die wertvollsten Boni? Macht einem der Gegner einen Strich durch die Rechnung, weil er/sie/es den besten Platz belegt, einem die schönste Votivgabe vor der Nase weg schnappt?


Für jemanden wie mich, der mal ein Semester lang Archäologie, Früh und Vorgeschichte und Ägyptologie gehört hat, bevor er in die Informatik gegangen ist, ist dieses Spiel wie gemacht! Es gibt tatsächlich einige Parallelen zu den realen alten Ägyptern und deren Glaubensystem, natürlich aufgehübscht und spieletauglich verpackt. Aber ich glaube, dass es durchaus das Interesse an dem Thema wecken oder neu entfachen kann. Es ist jetzt nicht auf absolute Authentizität ausgelegt, sondern verpackt Geschichte in ein komplexes und überaus ansprechend gestaltetes Spiel. Für kleine Kinder ist es definitiv zu strategisch - wobei man sich da durchaus überraschen lassen kann, wie weit vorausschauend auch jüngere Blagen planen können -, aber für Jugendliche ab dem Teenager-Alter sollte das Spiel durchaus geeignet sein. Wenn man sie denn mal für zwei Stunden von Fortnite und Social Media weggeschleppt bekommt. Und es lohnt sich meiner Meinung nach, denn sich in alte Kulturen zu versetzen, eröffnet einem neue Horizonte und lässt einen auch die Gegenwart besser verstehen.

Wie man sehen kann, hat mir Men-Nefer sehr gut gefallen. Es steht ganz weit oben auf meiner Liste an Spielen, die ich spiele, nicht um sie unbedingt zu gewinnen - obwohl das natürliche immer das Ziel ist -, sondern einfach weil sie Spaß machen und das richtige Level an Herausforderung bieten. Dazu sei aber nochmals gesagt: Es wird sicher Menschen geben, denen das Spiel zu kompliziert ist, die sich nicht auf so viel Vorbereitung und eine steile Lernkurve einlassen wollen. Das ist durchaus legitim. Aber wer eine Herausforderung sucht, dazu ein antikes Setting mag und die liebevoll gestalteten Spielsteine zu schätzen weiß, kann hier, denke ich, bedenkenlos zugreifen. Selten hat mich ein Spiel direkt am Anfang so in seinen Bann gezogen.

Siegburger Mittelaltermarkt Anfang Dezember

7.12.: Wie lange schiebe ich diesen Eintrag jetzt schon vor mir her?! Ohje, ich mache einfach zu viele Fotos. Dabei wollte ich doch im Dezember, wenn das Wetter schlecht ist, tatsächlich noch mal ein paar Fotos machen. Also, so mit dem Vergrößerer auf Papier! Bin ich auch noch nicht zu gekommen. No rest for the wicked.

Heute jedenfalls endlich die Bilder vom Mittelaltermarkt in Siegburg, als wir da mit dem Rumpf-Trekdinner waren. Also, zu dritt! Hrmpf! Die Beteiligung war auch schon mal höher! Naja egal, die Stadt ist trotzdem da, die Motive sind alle vorhanden, da kann ich dann auch mal wieder overboard gehen, während die anderen sich im Thalia vergnügen. ;-) Hatte einerseits die F90x dabei, weil da noch Film drin war, zum anderen habe ich das 28-70/2,8 auf die D800 gemacht, weil das einfach ein geiles Objektiv ist, und diverse Winkel des Marktes aufgenommen, die ich sonst so nicht hatte.


Echt jetzt, ich sollte dieses "kleine" (drei Tonnen schwere) Zoom öfter mal verwenden, genauso wie ich die D800 mal wieder häufiger verwenden sollte. Das Zoom steht nämlich den Festbrennweiten, die ich habe, kaum nach und die Nikon macht eh die besten Bilder, stelle ich immer wieder fest. Die Kombi wiegt nur leider so viel, dass ich in der letzten Zeit halt häufig die Sony gegriffen habe. Selbst die Canon ist ein bisschen ins Hintertreffen geraten, was aber hauptsächlich dran liegt, dass ich zu wenig Rad fahre. (Mit dem kaputten Knie jetzt zZt eh völlig unmöglich.)

Egal, zurück zum Markt: Vorbei an Entenangeln und lachenden Buddhas habe ich so ziemlich alles fotografiert, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Weil ich es kann. Bzw weil ich den Film voll haben wollte, bevor die Sonne richtig untergeht, was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich auch bei der Digitalen viel zu oft auf den Auslöser gedrückt habe.


Wie immer hat es mir auch die Viktoria auf der Siegessäule angetan gehabt. Nebenbei war auch noch normaler Wochenmarkt, sodass ich auch noch die Gelegenheit hatte, ein paar Paletten mitzunehmen. Und Drachen sind auch immer gut. Der Engel im Krippenspiel, der die Kinder animieren sollte, war übrigens sehr enthusiastisch in seiner Rolle. So viel Overacting habe ich seit William Shatner nicht mehr gesehen! ;-) (Wenn schon keine Sau zum Trekdinner erscheint, muss ich es wenigstens auf diese Art ein bisschen trekkig machen! :-D) Un ansonste sinn de Lück am luure, op de Eier, op de Prumme, op de Muhre. Wobei es um diese Jahreszeit eher weniger Pflaumen gibt. (Nebenbei ist auch kein Karneval. Sind eigentlich alle Lieder für die fünfte Jahreszeit so ein bisschen... mit unterschwelliger sexueller Belästigung verbunden? Ja.)


Ich weiß auch, weshalb die da diese Pestmasken verkaufen: Wenn die Schausteller und die Musiker am Ende über einen Monat in ihren Trachten und vor allem den Fellen gesteckt haben, braucht man schon was, um den "Duft" zu verbessern! :-D Aber die haben echt gut lauten Lärm gemacht, top notch, gefiel mir. Der Tele-Bereich des Zooms war da natürlich viel zu kurz, aber die D800 hat ja genug Megapixel für ein kleines bisschen Crop.

Und dann ging auch schon die Sonne unter, recht spektakulär sogar. Halb 5 ist aber auch irgendwie keine Zeit dafür. Wird langsam mal wieder Zeit für weniger depressiven Sommer. Frühling würde mir ja schon reichen! Mehr Licht auf jeden Fall. Ich fühle mich ein bisschen melancholisch...


Am Ende gingen wir, als die Fackeljongleure kamen. Statt weiter auf Leute zu warten, die nicht kamen, haben wir uns zu Hause lieber noch mal die Hobbits angeschaut und wie man die am Besten nach Isengard schleppt, bzw den Ring in den Berg wirft. Gegessen hatten wir ja auch schon was, so einen Hanfdöner. Leider ohne THC, somit hat auch das meine winterliche Stimmung nicht weiter aufgeheitert. ;-)

Advent bei C - Je ne regrette rien

Gestern hatte C ihren alljährlichen Advents-Kaffee, der mal wieder in eine Keks- und Spiele-Orgie ausgeartet ist! ;-) Aber wir bereuen nichts! Selbst die Affäre mit der Seekuh nicht! :-D

Vielleicht sollte ich das erklären: Nachdem wir uns alle ein Spezi hinter die Binde gegossen hatten, die Weihnachtsmänner geköpft waren und wir die spekulativen Anlageformen sowie die Domina-Steine sicher verwahrt wussten, haben wir eine Runde Deep Regrets gespielt. Zu fünft ist das schon ein Erlebnis. Ein zugegebenermaßen chaotisches Erlebnis, aber auf jeden Fall ein Erlebnis! Mit Spaß! Und Spannung! Und ein Spiel ist es ja sowieso! (Man merkt, ich bin noch immer ganz aufgekratzt!)


Worum geht es in dem Spiel? Ja, also: Die Seemänner fahren raus auf See und fangen Fische. Manche sind genießbar - andere sind der unaussprechliche Horror aus der Tiefsee! Da gibt es Würfel, die aussehen wie kleine Bojen oder Schwimmer für Netze oder Angeln, welche bestimmen, wie viel Fisch man sich in dieser Runde leisten kann. Kann man sich den Fisch aus der Auslage, den man gerade an der Angel hat, nicht leisten, muss man sich Beifang nehmen. Das sind Karten, auf denen man kleine Boni oder sowas findet, aber manchmal halt auch einfach nur nutzlosen Seetang. Angelt man frischen Fisch, ist meist alles in Ordnung. Angelt man verdorbenen Fisch, muss man eine Reue-Karte ziehen. Denn nichts bereut man so wie den Tag, an denen man so ein Seeungeheuer aus dem Meer gezogen hat. Je mehr Reue-Karten, desto höher das Wahnsinns-Level, desto mehr Würfel kann man mit auf See nehmen, desto verrückter wird die Endabrechnung. Denn wer am Ende den maximalen Wahnsinn hat, verliert sein wertvollstes Stück aus der Fisch-Ausstellung!

Am nächsten Tag - und ja, das fühlt sich bei fünf Leuten tatsächlich schon bald so an, als wäre das am nächsten Tag - fährt man jedenfalls in den Hafen, so man denn die Lust dazu verspürt, und verkauft seine Fische. Frische Fische bringen frisches Geld, verdorbene Fische bringen zusätzlich weitere Reue und Wahnsinn! Dann kann man das Geld in weitere Würfel investieren oder sich Ausrüstung kaufen: Vorräte (Sofort-Aktionen) oder Angelruten und Angelrollen, die einem das Fischen erleichtern. Dann geht es irgendwann wieder hinaus auf See und das Ganze fängt von vorne an. Je tiefer man fischt, desto wertvoller, verdorbener und schrecklicher werden die Monstrositäten, die man an Deck zieht.


Insgesamt ein sehr kurzweiliges Spiel, auch wenn wir aufgrund fehlender Spielerfahrung und der Unfähigkeit, der Anleitung zu folgen, nicht ganz Regelkonform gespielt haben, was ein, zwei, drei Inkonsistenzen erklärt, die wir unterwegs entdeckt zu haben meinten. Wenn sich einige Spieler im Hafen befinden, die anderen aber auf See, dann wird es manchmal etwas langweilig für die im Hafen, vor allem wenn die Hochseefischer zwischenzeitlich ihre kleinen Fische essen, um ihre Würfel aus der Ablage wieder zu aktivieren, um größere Fische zu fangen. Immerhin können Spieler, die gepasst haben, jede Runde, in der sie übersprungen werden, umsonst eine Beifangkarte abgreifen oder eine ihrer Reuekarten schreddern.

Wir hatten auf jeden Fall Spaß damit, auch wenn wir uns am Ende nicht so ganz sicher waren, wer eigentlich gewonnen hatte, bis wir nicht die große, finale Fischabrechnung durchgeführt hatten. Wir lagen dann doch alle sehr nah beieinander und der J hat nur verloren, weil er so Wahnsinnig war, dass er seinen Schleimwurm nicht ausstellen konnte. Dafür hatte er auf einer seiner Reue-Karten zwischenzeitlich Sex mit der Seekuh gehabt, was er allerdings nur so mittel bereut hat. ;-) (Da, ich sag doch, dass ich das mit der Seekuh noch erklären würde! Ich musste halt ein bisschen ausholen! :-D)


Den Rest des Abends - also nach 4 Stunden spielen, weil wir (wie gesagt) an manchen Stellen die Anleitung nicht richtig verstanden hatten und deswegen manchmal in eigentlich unnötige Diskussionen verwickelt wurden - haben wir dann mit LIeferdienst-Essen und Klönen verbracht. Weil, ist ja auch wichtig. Waren dann schon um kurz nach 12 wieder zu Hause, was aber auch nötig war, denn ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten. Also, zumindest nicht auf dem linken, nachdem ich mir ja letzten Mittwoch das Knie so blau gefallen habe, dass ich es kaum bewegen konnte. (Das nur am Rande, ich will euch ja nicht alle langweilen mit meinen fruchtbaren (furchtbaren?) Versuchen in Selbstverstümmelung.)

Feuersäule über Lanzenbach

Da hatten wir uns gerade hin gesetzt, um noch schnell eine kurze Partie mit den Starship Captains zu spielen, da geht so kurz vor 22 Uhr draußen die Sirene los, erst hier um die Ecke, dann aber auch unten in der Stadt und schließlich auch oben auf dem Berg in Söven. Kann man ja recht gut hören, wo der Alarm her kommt, das schallt hier ja je nachdem entsprechend das Tal entlang. Draußen laute Stimmen, Rufe, Hundegebell. Sirenen, Blaulicht folgen. Wir gucken zum Fenster raus und hinter Nachbars Hecke ist der Himmel hell erleuchtet, feuerrot, orange, blau, lila! Ich denke: "Mist, die Nachbarn haben ihre Feuerschale nicht unter Kontrolle!" Renn raus und stell das Auto von der Straße weg, vielleicht muss ja die Feuerwehr durch! Kommt J von oben zurück und meint: "Nein, das ist unten im Dorf!" (So kann man sich in der Nacht mit Entfernungen täuschen.) Zu dem Zeitpunkt fängt es dann auch langsam an, nach verbranntem Dachstuhl zu riechen. Nachalarmierung, irgendwo, noch ein oder zwei Dörfer weiter, geht die Sirene auch noch los! Derweil der Blick von der Veranda ungefähr so:


Heilige Feuersbrunst, Batman! Das Dorf steht in Flammen! Mit dem Tele sieht man die Flammen langsam die Hauswand hoch klettern und das Dach in Flammen setzen! Feuerwehr gefühlt aus allen Richtungen, Krankenwagen! Weiter laute Stimmen, jetzt über Funk und Megaphon! Wenn man das so sieht, weiß ich auch, weshalb früher Feuer die größte Angst der Leute war, als es noch keine organisierte Feuerwehr gab und Häuser zum größten Teil aus Holz waren, noch vor Pest und Cholera: Da brennt in einer Nacht durchaus mal eine mittelgroße Siedlung nieder!

Und mit dabei die Urangst vor dem Feuer, der Instinkt zur Flucht, der Respekt vor der Naturgewalt steigt in mir auf, als ich da den Feuerschein im Tal sehe, die Rauchsäule, hell erleuchtet von Blaulicht und Feuergewalt, hoch, hoch, höher als die umliegenden Berge, stiebende Funken, verwirbelt im Luftsog, getragen von der Hitze in der feuchtkalten Nacht. Erschreckend! Furchteinflößend in seiner Ästhetik! Hephaistos am Amboss! Logi und Glöd tanzen in die ansonsten finstere Nacht hinein! Und die Gedanken bei den Leuten, die da wohnen: Sind sie alle raus gekommen? Hoffentlich sind sie alle raus gekommen!... (Ja, scheinbar sind alle raus gekommen, berichten heute verschiedene Zeitungen.) Schlimm! Ganz schlimm!