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Schwarz-weiß und analog, Teil 106: Über den Berg nach Niederpleis

Film: Fomapan 100 #23, Kamera: Nikon F50, Juni 2021

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Heute der letzte Teil des Films, den ich mit der Nikon F50 verschossen habe. Dieses Mal war ich mit dem Rad unterwegs und bin den Hausberg rauf, um auf der anderen Seite ins Pleistal runter zu fahren. War eine der längeren Touren, die ich im Juni gemacht habe.

Den Anfang macht heute diese große Baggerschaufel, die ich den Berg hoch gesehen habe. (Nikkor AF-S 50mm G, 1/2000s, f/2,8.) Wie schon bei letzten Eintrag festgestellt, macht das hoch moderne 50mm auf dieser billigen Kamera aus den 1990ern einen verdammt guten Eindruck. Es gefällt mir auch hier fast besser als an der Digitalen, wo es manchmal etwas steril wirkt. Bei der relativ weit geöffneten Blende habe ich jedenfalls schön viel Unschärfe im Hintergrund erzielt, während die Schaufel selber so scharf ist, wie sie es nur sein kann. Etwas hell vielleicht, aber es war auch ein sehr sonniger Tag, insofern stimmt das schon. Und wie immer etwas schief, aber das liegt auch mit daran, dass der Berghang nicht wirklich gerade ist. ;-)

Weiter oben habe ich dann das Pferd mit den Locken getroffen. (Nikkor AI 35mm, 1/1000s, f/4.) Ich nehme an, dass das vorher mal wieder Zöpfchen geflochten hatte und daher dieses sehr interessanten Style in der Mähne hatte. ;-) Das 35mm macht hier jedenfalls ebenso einen brillanten Eindruck, wie es das schon am ersten Test-Tag gemacht hatte. Auch mein manuelles Messen, das ich hier ja machen muss, scheint funktioniert zu haben. Bei dem strahlenden Wetter ist diese hier von mir gewählte Belichtung ja praktisch fast äquivalent zu Sunny Sixteen. Die Schärfe ist außerdem spot on, der Pferdekopf ist richtig scharf und mehr oder weniger perfekt, während der Hintergrund selbst bei dieser kleinen Brennweite noch ausreichend unscharf ist. Der Stacheldrahtzaun gib dem Bild zusätzliche Perspektive. Gutes Bild.


Danach bin ich dann offensichtlich weiter in den Hexenwald, wo ich erst mal diese beschädigte Bank im Schatten fotografiert habe - wobei aber auch die sehr hell geworden ist. (Nikkor AI 35mm, 1/250s, f/2.) Kann mich nicht erinnern, wie ich hier gemessen habe, wahrscheinlich mit der Digitalen. Trotzdem macht das 35er hier wieder einen sehr guten Eindruck. Ich glaube, das mag auch gerne s/w-Film. Und die Offenblende gibt der ganzen Szene eine gewisse Weichheit, die mir unglaublich gut gefällt.

Von hier dann die steile Straße runter und unten an der Bahn entlang, bis der Weg hinter der Autobahnbrücke den Knick macht. Dort stand dieses riesige Benz-Landmaschinen-Dings an der Straße rum, das ich versucht habe, Weitwinklig aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu nehmen. (Nikkor AF 20mm, 1/125s, f/5,6.) Leider ist es etwas schief geworden. Das macht den von mir erhofften Eindruck leider etwas kaputt. Der Schatten, den ich auf jeden Fall mit im Bild haben wollte, ist aber trotzdem sehr gut geworden und lässt einen das Ausmaß dieses Gerätes zumindest erahnen. Perspektivisch hätte ich ein wenig weiter nach links gehen sollen und dann den Mercedes-Stern mittig halbieren müssen. Vielleicht. Weiß nicht. Hätte ich mal testen müssen. Weitwinkel sind schwierig! ;-)

Im Wald jenseits der Pleistalstraße stehen glaube ich mehrere dieser Unterstände herum, die wir auf dem nächsten Bild zu sehen bekommen. (Nikkor AF 20mm, 1/60s, f/4.) Hier hat das Experiment mit dem Weitwinkel sehr viel besser funktioniert, auch wenn das Bild ebenfalls bei Weitem nicht gerade ausgerichtet ist. Stört mich hier aber weniger. Der Blick wird eh viel mehr darauf gelenkt, wie das extreme Weitwinkel hier aus den rechten Winkeln etwas ganz anderes macht! Mein Hirn sagt mir: Alle Winkel, die wir hier sehen, sollten die gleichen sein, wie es sich für Rechtecke nun mal gehört, aber die Augen sagen mir was ganz anderes! Das löst erstaunliche Effekte in meiner Wahrnehmung aus. Insofern: Eines der verstörenderen Bilder, die ich in letzter Zeit gemacht habe.


Weil ich noch mal Lust darauf hatte, bin ich dann den Berg hoch zu der Stelle, an der man den guten Blick auf das Schloss Birlinghoven hat. (Nikkor AI 35mm, 1/2000s, f/4.) Eines dieser typischen Fotos, die ich immer und immer wieder mache, weil das Licht immer anders ist, die Stimmung immer besonders und vor allem weil ich immer unterschiedliche Ausrüstung benutze. Sollte noch viel öfter hier vorbei kommen, denn das Schloss ist immer wieder sehenswert. Auch wenn es in diesem Bild ebenfalls nicht ganz gerade steht. Hat jemand schon das Thema dieses Eintrages erkannt? :-D

An der gleichen Stelle steht auch diese seltsame Sonnenuhr, von der ich noch immer annehme, dass man damit überhaupt gar nichts messen kann, vor allem, weil sie eigentlich immer im Schatten steht! ;-) (Nikkor AI 35mm, 1/500s, f/2.) Auch das ist ein Motiv, dass ich immer wieder fotografiere, und jedes Mal ist das Ergebnis besonders. An diesem hellen Sommertag ist es das Bokeh im Hintergrund, das mich besonders fasziniert. Leider ist das eigentliche Motiv etwas kontrastarm und sticht trotzdem nicht so stark hervor, wie ich es mit wünschen würde. Hm, ich hätte vielleicht etwas von meinem Trinkwasser opfern sollen, um das Teil nass zu machen, dann wäre es dunkler geworden...

Das Bild, auf das ich besonders stolz bin - weshalb es auch diese riesigen Ausmaße im Artikel einnimmt -, folgt als nächstes: Die Schnecke am Baum! (Nikkor AI 200mm, 1/250s, f/4.) Die Belichtungsmessung war hier kein Problem, denn ich habe das exakt gleiche Bild auch mit der Digitalen gemacht! Da hat mir die Punktmessung auf das Schneckenhaus die perfekte Belichtung vorgegeben. In s/w und auf Film gefällt es mir jedoch glaube ich noch fast besser! Definitiv das beste Bild auf der Rolle: Die Struktur der Rinde, die leicht in der Sonne glänzenden Spinnweben-Fäden, das kaum wahrnehmbare Bokeh im Hintergrund... Perfekt.


Aber irgendwann muss man ja auch mal wieder heim fahren und auf dem Weg habe ich dann mal wieder die St. Martinus Kirche an der Autobahn in Niederpleis fotografiert. (Nikkor AF-S 50mm G, 1/1500s, f/5,6.) Hier komme ich ja öfter vorbei und fotografiere diese kleine Kirche eigentlich viel zu selten. Leider steht sie auch sehr eingerahmt von modernen Häusern, das macht das Motiv leider etwas kauptt, aber an diesem sonnigen Tag habe ich mich, wie man sieht, mehr auf den Himmel über der Kirche konzentriert.


Aus der Nähe sieht die Kirche jedoch sehr viel interessanter aus. (Nikkor AI 35mm, 1/500s, f/5,6.) Mit dem Friedhof im Vordergrund und dem kleinen Wäldchen dahinter macht die so richtig was her, finde ich. Leider auch etwas schief. Man merkt, dieser Kamera fehlen vielleicht ein paar Striche im Sucher.

Auf dem Heimweg bin ich dann auch an der üblichen Stelle am Siegwehr vorbei gekommen, wo diese Melonenschale herum lag und vor sich hin gammelte. (Nikkor AF-S 50mm G, 1/500s, f/5,6.) Sieht schon ziemlich außerirdisch aus, selbst ohne Farbe. Als ich den Film gegen das Licht gehalten habe, hab ich erstmal nicht kapiert, was das darstellen sollte. ;-) Interessante Nahaufnahme, jedenfalls.

An der gleichen Stelle habe ich dann noch das Mühlengrabeneinlaufwehr mit genommen. (Nikkor AI 200mm, 1/500s, f/5,6.) Auch ein sehr interessantes Bild, mit dem hell-schäumenden Wasserfall davor und dem dunklen Baumdickicht dahinter. Auch dieses Bild gefällt mit ziemlich gut.


Und weil am Ende noch ein Bild über war, habe ich das Windspiel im Garten noch mal wieder fotografiert. (Nikon Lens Series E 135mm, 1/180s, f/4.) Krasses Bokeh im Hintergrund, schöne Highlights, krasse Schärfe, viel Kontrast: Gefällt mir gut. Nicht so schön ist der Bildausschnitt, hatte was tiefer zielen sollen. Aber insgesamt trotzdem ganz gut, dafür dass es sich um diese nervige Klingelingspielerei handelt! ;-)

Nächstes Mal: Öhm, ich hab gerade keine Ahnung, die s/w-Pipeline ist tatsächlich mal wieder leer. Aber es kommen demnächst mal Farbfotos aus der Rheinaue, das kann ich sagen! Die sind während des Juli-Trekdinners entstanden und auch ganz nett geworden.

Schwarz-weiß und analog, Teil 105: Hennef Stadt

Film: Fomapan 100 #23, Kamera: Nikon F50, Juni 2021

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Wieder ein Tag, an dem ich zu nichts gekommen bin und ich deswegen einen Eintrag aus der Pipeline hole, der schon seit Längerem fertig herum liegt und auch nicht frischer wird. Immerhin hat es heute praktisch den ganzen Tag geregnet, insofern habe ich auch nicht viel verpasst.

Das Besondere am heutigen Eintrag ist die Tatsache, dass ich nur das Nikkor AF-S 50mm G auf der F50 hatte. Das heißt: Alle Bilder sind mit der sehr kurzen und gewöhnungsbedürftigen Fokusskala manuell scharf gestellt, aber im Gegenzug bekommen wir das modernste und wahrscheinlich auch schärfste Glas, das ich in meinem Arsenal habe. Und ich kann auch mal was anderes als Offenblende mit diesem Objektiv auf Film testen.

Fangen wir also an mit der Figur mit Herz, die am Ende der Talstraße auf den Sichtschutz hinterm Zaun gemalt ist. (1/500s, f/4.) Das mit der Schärfe sieht man hier bereits auf den ersten Blick: Die einzelnen Gewebefäden sind so scharf, dass sie ruhig noch doppelt oder dreimal so weit weg sein könnten und sie würden trotzdem noch aufgelöst werden. Der Kontrast bei diesem von hinten beleuchteten Motiv ist auch extrem gut, ich hatte nämlich so meine Zweifel, dass dieser relativ geringe Kontrast der Figur überhaupt nachher auf dem Film zu erkennen wäre. Und die Kamera hat auch brav eine sehr gut passende Belichtung zu meinen vorgewählten f/4 raus gesucht. Insgesamt ein erstaunlich gutes Bild, dafür dass da eigentlich nichts drauf ist, was irgendwie interessant wäre.


Ähnlich sieht es mit dem Batterrieraum hinterm Bahnhof aus. (1/250s, f/4.) Wenn ich es nicht wieder verbockt hätte und die Kamera ein wenig gerade gehalten hätte, würden wir hier nur gerade, scharfe und extrem kontrastreiche Linien sehen. Der Foma-Film kann mit diesem Objektiv tatsächlich mal zeigen, wie scharf er sein kann! Die Kombination dieses hochmodernen Objektivs mit dieser doch relativ billigen und alten Kamera, die nicht mal den Autofokus-Motor steuern kann, ist schon erstaunlich. Da könnte man fast zu einem dieser seltsamen Zeitgenossen werden, die immer behaupten, dass es praktisch nur aufs Glas und kaum auf das verwendete Body ankommt. Was ich aber persönlich eher aus diesen Bildern lese: Das 50mm G, das mir auf der D610 manchmal etwas zu steril und überkorrigiert wirkt, gefällt mir mit s/w-Film tatsächlich fast besser! Die klaren, scharfen Kontraste, die Sterilität ohne sichtbare Fehler, das gibt gerade solchen Beton-Architektur-Bildern etwas, was ich bei den anderen Objektiven noch nicht so gesehen habe. Das 50mm E-Serien-Objektiv kommt dem glaube ich am nächsten, vor allem wegen der Brennweite.

Dann man ein ganz verrückter Test: Die Flasche oben auf dem Kreuz auf dem Marktplatz. (1/2000s (Hi), f/2.) Habe hier extra die Blende fast ganz auf gelassen und so die Überbelichtung in Kauf genommen, um den Baum im Hintergrund unscharf zu bekommen. Dadurch ist das eigentliche Motiv auch etwas unscharf, aber das liegt wahrscheinlich eher daran, dass ich es nicht ganz genau getroffen habe. Das Ergebnis dieses Experiments sieht witzig aus und zeigt mir zugleich, dass die minimale Belichtungszeit, die die Kamera unterstützt, tatsächlich auch funktioniert! ;-)


Die Straße runter neben dem Sportgeschäft habe ich dann noch einen Jesus am Kreuz gefunden und fotografiert. (1/500s, f/2,8.) Gut, der ist jetzt nicht wirklich neu, der war auch schon mal hier im Blog, aber das ist schon etwas länger her und aus einem ganz anderen Winkel. Heute ist er ein bisschen dunkel geraten, der Belichtungsmesser hat sich zu sehr auf den hellen Himmel konzentriert. Erkennbar sind die Details im Dunkeln trotzdem noch immer. Insgesamt gefällt mir auch hier die Kombination aus Objektiv und Kamera ganz gut.

Auf dem Heimweg habe ich dann noch durch den Zaun hindurch - deswegen der etwas lasche Kontrast und der helle Streifen rechts - die ausgemusterten Gehwägelchen und Rollstühle fotografiert, die da vor sich hin gammeln. (1/2000s, f/2.) Frage mich, ob die wirklich alle kaputt sind oder ob die nur keiner mehr haben will, dass die da den Elementen ausgesetzt vor sich hin rotten. Als Motiv machen sie sich aber recht gut. Auch hier, in dieser eher schwierigen Belichtungssituation, muss ich sagen, hat die Kamera eigentlich relativ gut reagiert. Der fehlende Kontrast ist halt durch die Zaun-Streben bedingt, da kann die auch nicht viel machen.


Ganz zum Schluss dann noch das Boot vor der Werkshalle in Geisbach. Etwas schief, aber dafür sehr scharf und sehr Kontrastreich, mit hübschen Reflexionen an der Seite. Wenn es gerade wäre, wäre es ein sehr gutes Bild. So ist es auch nicht schlecht, aber ich müsste mir das Original mal her nehmen und ein bisschen dran drehen. ;-)

Kurzes Fazit: Das 300€ Nikkor AF-S 50mm G funktioniert - bis auf den fehlenden Autofokus - ganz hervorragend an einer alten, 20€ Nikon F50! ;-) Den fehlenden Autofokus habe ich weniger vermisst, als ich gedacht hätte; selbst mit dem etwas unterentwickelten Fokusring des 50mm G konnte ich eigentlich alles scharf stellen. Und dadurch, dass beide Partner dieser seltsamen Allianz praktisch komplett aus Plastik bestehen, sind sie zusammen eigentlich der perfekte Begleiter beim Radfahren, was das Gewicht angeht. Von der Stoßfestigkeit hätte ich auf die Dauer allerdings meine Zweifel! ;-)

Nächstes Mal: 13 Bilder von der Fahrradtour übern Berg nach Niederpleis und zurück durchs Siegtal.

Schwarz-weiß und analog, Teil 104: Hofen

Film: Fomapan 100 #23, Kamera: Nikon F50, Juni 2021

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Der heutige Artikel, den ich schon vor einiger Zeit verfasst habe und mir jetzt ganz gelegen kommt, weil ich den ganzen Tag in der Ferne unterwegs war, ist ein bisschen kürzer als dieser Einleitungssatz. ;-) Nur fünf Fotos, die ich bei unserem Spaziergang das Rosental hoch bis zur Abzweigung nach und dann in Hofen selber gemacht habe. Außerdem sind alle Bilder außer dem allerersten mit dem Tamron-Zoom entstanden; offensichtlich war ich zu faul, die Objektive ständig durch zu shufflen. ;-)

Auf dem ersten erkennen wir den leicht verwackelten Baumpilz mit Namen "Chicken of the Woods". (Sigma 28mm, 1/30s, f/1,8.) Also, eigentlich nicht verwackelt, nur ein bisschen aus der Fokusebene heraus bewegt, als ich die Kamera in den Winkel gedreht habe, den ich haben wollte. Bei dieser kurzen Distanz und der weit offenen Blende macht ja jedes Millimeterchen schon einen riesigen Unterschied. Da hätte ich dann doch ein Stativ gebraucht. Oder den 400er Film, den ich letztens so erfolgreich getestet habe. Gut, ich hätte dieses Bild auch eine Blende unterbelichten können und der Pilz wäre wahrscheinlich sogar besser raus gekommen, weil so der Hintergrund etwas sehr hell geworden ist. Aber ob das gereicht hätte?


Bild zwei zeigt und den dicken Bullen auf der Weide oben am Ende des Weges nach Hofen. (Tamron 28-80mm bei 80mm, 1/90s, f/5,6.) Ausnahmsweise guckt tatsächlich mal wer in die Kamera. Hier wäre allerdings eine längere Brennweite von Vorteil gewesen, so kann man den ja gerade noch so erkennen, zumindest in der herunter gerechneten Version für's Internet. Im Original-Scan für mein Archiv ist das schon noch einiges raus zu holen, und mit einem anständigen Scanner *hint, hint* könnte man aus den Negativen sicher noch 8k oder so raus holen. Was ich durchaus erstaunlich finde, denn wenn ich mir das mal als Abzug vorstelle, könnte man da tatsächlich Postergröße mit drucken. Und das von einem stinkigen 35mm Negativ?

Aber eigentlich wollte ich ja was über die Kamera schreiben, weshalb ich mal lieber zu besseren Bildern komme, bei denen ich nicht so viel von der Tatsache ablenken muss, dass nicht alles Gold ist, was ich aus der glänzenden Negativ-Tüte hole. ;-) Da wäre zum Beispiele dieser von der goldenen Abendsonne angestrahlte Pferdekopf, von dem ich sagen muss, dass er mir ganz hervorragend gelungen ist. (Tamron 28-80mm bei 35mm, 1/350s, f/3,5.) Sogar das Tamron-Zoom hat mal richtig gut mit gespielt: Bei der Entfernung, Brennweite und Blende ist das Bokeh im Hintergrund tatsächlich richtig gut, und trotzdem ist das Pferd selber schön scharf und kontrastreich geworden.Da ich darauf verzichtet habe, ganz an den unteren Rand des Zoom-Bereiches zu gehen, habe ich auch keine Vignettierung oder Schärfeverluste an den Ecken, diese wurden einfach weg gezoomt. Das Ergebnis ist ein richtig gut aussehendes Pferd, das vielleicht ein ganz kleines bisschen schärfer sein könnte.


Beim nächsten Pferd habe ich das wieder versucht, aber in dem Moment, als ich den Auslöser betätigt habe, hat es vor mir den Kopf gesenkt. (Tamron 28-80mm bei 35mm, ca. 1/250s, f/5,6.) So habe ich immerhin wild bewegte Mähnenhaare. Habe hier zudem ein bisschen abgeblendet, um mehr Pferd scharf zu bekommen, außerdem erschien mir das so hart an der Sonne sinnvoll. Was mich dran erinnert: Auf keinem der Bilder habe ich bisher, egal wie sehr ich in die Sonne fotografiert habe, irgendwelche größeren Flares oder Ghosts gesehen. Das ist bei einem Zoom mit seinen vielen Linsen doch eher ungewöhnlich! Jedenfalls: Nicht das perfekte Bild, aber durchaus interessant. Scchade, dass die Schnauze unten praktisch komplett weg geschnitten ist...

Zuletzt ein paar hinterstrahlte Stiefmütterchen. (Tamron 28-80mm bei 65mm, ca. 1/90s, f/5,6.) Hier mal wieder ein Bild bei minimaler Fokusdistanz: Die Blumen und Blätter sind sehr scharf, der Stein dahinter geht bereits ein bisschen in Richtung Unschärfe, während das Fachwerk im Hintergrund schon sehr unscharf ist. Leider nicht die schönste Unschärfe; ich habe den Eindruck, dass mir dieses Objektiv am Besten bei den weiten, aber nicht ganz weiten Brennweiten gefällt. So im Bereich zwischen 35 und 50mm. Von der Belichtung her ist das Bild OK, die Kamera hat hier keine zu großen Fehler gemacht. Besser gefallen hätte mit eine Blende schneller, dann wären die Blumen sicher besser raus gekommen, aber die Kamera hat halt nur eine mittenbetonte Messung und keine Spotmessung. Dafür ist es eigentlich ganz OK.

Nächstes Mal: Sechs Bilder aus Hennef.

Schwarz-weiß und analog, Teil 103: Bödingen und Umgebung

Film: Fomapan 100 #23, Kamera: Nikon F50, Juni 2021

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Wie ich ja bereits vor einiger Zeit berichtet hatte, war in einem der Überraschungs-Pakete eine Nikon F50 mit drin, die ich nach der provisorischen Reparatur auch erst mal ausgiebig testen musste. Nachdem ich jetzt den Film zurück bekommen habe, bin ich tatsächlich einigermaßen begeistert, was für gute Bilder die macht! OK, natürlich habe ich da das gleiche gute Nikon-Glas dran geschraubt wie an meine F601, die ich sonst benutze, oder auch die Digitalkameras, von daher ist das eher nicht so verwunderlich. Aber andererseits ist die F50 nun wirklich das kleinste Einsteiger-SLR-Modell der 1990er gewesen, als Nikon nun wirklich nicht mehr das Beste vom Besten verbaut hat.

Mit dabei war auch gleichzeitig ein Tamron AF Aspherical 28-80mm 1:3.5-5.6 77D, das ich bei der Gelegenheit auch gleich noch mal mit getestet habe, obwohl ich das ja schon auf den Digitalen gemacht hatte. Ist ja immer gut zu wissen, wie sich so ein kleines handliches Zoom im s/w-Analogen verhält, besonders weil die F50 so klein und handlich ist, dass man sie gut als Zweitkamera mit sich rum schleppen kann.

Wobei mir auffällt, dass ich gar nicht aufgeschrieben habe, in welchem Modus ich die Bilder jeweils gemacht habe. Ich kann aber noch sagen, dass ich fröhlich zwischen den vier Grundbetriebsarten hin und her gewechselt habe, also Programm-, Zeit- und Blendenautomatik ausgiebig getestet habe, und die AI-Objektive funktionieren ja eh nur im manuellen Modus.

Insgesamt hat dieser Film vier Einträge ergeben, von denen der erste glaube ich direkt die meisten Bilder beinhaltet, nämlich 14 Stück. Das liegt daran, dass wir an dem Tag, als ich den Foma 100 in die Kamera eingespannt hatte, nach Bödingen hoch gefahren sind zu einem kleinen Abendspaziergang bei bestem Licht. Da konnte ich mich schwer zurück halten. ;-)

Das erste Bild ist daher auch kurz hinter dem Wanderparkplatz entstanden und zeigt den Telefonleitungsmasten mit seinen diversen Wanderwegwegweiserschildern. (Sigma High Speed Wide 28mm, 1/250s, f/4.) Hier habe ich direkt als erstes mal das einzige Fremdhersteller-Objektiv, dass ich meistens noch immer mit mir rum schleppe, auf der Kamera getestet. Auf der Digitalen hat das ja eine leichte Kurzsichtigkeit, die ich bisher auf der F601 noch nie bemerkt habe. Und so auch hier bei der F50: Das Bild ist einwandfrei scharf. Muss also an dem Autofokus-Sensor in meiner D610 liegen... Hm. Was das Foto angeht: Gut belichtet und guter Bildausschnitt. Und ausnahmsweise sogar mal gerade, was mit der Mattscheibe der F50 gar nicht so leicht ist, weil die keine Linien enthält, wie ich es von meinen anderen Nikons gewohnt bin.

Beim zweiten Bild habe ich dann mal das Tamron-Zoom an dem verfallenen Gebäude um die Ecke getestet. (Tamron 28-80mm, bei 28mm, 1/350s, f/4.) Und ich muss sagen, das Ergebnis gefällt mir auf s/w eigentlich ganz gut: Die Abschattungen und Verzerrungen in den Ecken, die ich bei meinem Digital-Review so zu bemängeln hatte, geben dem Foto den entsprechenden Retro-Charm. Der mittlere Bereich ist sehr scharf und sowohl Vorder- als auch Hintergrund haben ausreichend Unschärfe, um sich vom Gebäude abzusetzen. Schönes Foto.



Als nächstes folgt das blöde Schaf, das genau in dem Moment, als ich auf den Auslöser drücke, den Kopf schütteln muss. (Tamron 28-80mm, bei 80mm, 1/90s, f/5,6.) OK, so habe ich mal ein etwas ungewöhnlicheres Bild erhalten. So einen Schafskopf sieht man ja auch nicht alle Tage von der Unterseite. Mein Test des Tamron bei dieser Brennweite und Entfernung wird dadurch jedoch ein bisschen konterkariert. ;-) Durch die schnelle Bewegung ist da nämlich viel mehr Unschärfe drin, als ich es gewollt hätte. Am Hals hoch kann man nämlich gut jedes einzelne Härchen erkennen, während die Schlabberohren total verwischt sind. Naja, OK, nicht total, aber doch schon so, dass es auffällt. Dafür gibt es im Hintergrund tatsächlich brauchbares Bokeh. Wie schon beim digitalen Test fällt auf, dass es praktisch keinerlei Abschattungen an den Ecken gibt, die sind durchs Zoomen abgeschnitten worden. Die Kamera hat auch hier eine brauchbare Belichtung hin bekommen.

Im Dunklen Wald habe ich dann mal Wurzelwerk und Moose mit dem Weitwinkel weit offen fotografiert. (Sigma 28mm, 1/20s, f/1,8.) Einfach um zu testen, was die Kamera bei solchen Lichtverhältnissen macht. Das Ergebnis ist nicht schlecht, aber vielleicht etwas zu ausgewogen belichtet. Ein halbe bis ganze Blende langsamer hätte es tatsächlich auch getan. Ansonsten hat sie sich hier ganz ordentlich geschlagen. Und die Offenblenden-Effekte des Sigma geben diesem Foto schon irgendwie sehr interessante Hintergrund-Phänomene! ;-)

Zeit, mal ein AI-Objektiv zu testen, und zwar an diesem hübschen Pferd, das da im Tal auf uns gewartet hat. (Nikkor 200mm AI, 1/250s, f/4.) Für die Belichtungsmessung hatte ich zwei bis drei Möglichkeiten, die ich abwechselnd benutzt habe: Hatte ich eh gerade ein AF-Objektiv auf der F50, habe ich einfach mit diesem die Szene ausgemessen; hatte ich hingegen ein AI drauf, habe ich mit der Digitalen gemessen; Oder ich habe teilweise auch einfach geraten, wenn die Szene nicht zu kompliziert war. (Einen einzelnen Belichtungsmesser könnte ich auch mal brauchen.) Das Ergebnis ist jedenfalls ein perfekt belichtetes Pferd mit sehr schön sanftem Bokeh im Hintergrund. Das 200mm Nikkor macht immer wieder erstaunlich schöne Fotos. Und in diesem Fall kann ich zusätzlich noch berichten: AI-Objektive funktionieren auch an einer F50, auch wenn es vielleicht etwas umständlich ist, die Belichtung anderweitig zu raten.


Das kleine Pumpenhäuschen ein paar Meter weiter habe ich dann mal ganz mutig gegen das Licht mit dem "richtigen" Weitwinkel abgelichtet. (Nikkor 20mm AF, 1/250s, f/4.) Bei einer Blende abgeblendet macht das schon relativ wenige Schatten in den Ecken, aber gerade genug, dass es mir noch gefällt. (Ich bin da ja anders als viele andere Leute: Kleine optische Fehler geben den Bildern Charakter. Meine Meinung.) Bleibt festzuhalten: Auch dieses Objektiv funktioniert perfekt an der F50. Warum sollte es auch nicht? Die ist schließlich für AF-Objektive gebaut worden.

Dann war es mal an der Zeit, das einzige Objektiv, das ich bisher nicht anständig an einer analogen Kamera testen konnte, zu benutzen: Das Nikkor 50mm G. Blöd nur, dass ich es hier bei der Ruine eines dieser Pilgerwegs-Häuschen auf Grund des vielen Schattens trotzdem weit offen benutzen musste, denn das geht theoretisch ja auch an der F601. (Nikkor AF-S 50mm G, 1/30s, f/1,8.) Der Nachteil ist: Ich muss es manuell fokussieren, was bei der kurzen Fokusskala und der etwas eigenwilligen Art und Weise, wie sich der Fokusring drehen lässt - immer mit etwas Spiel nach rechts und links, bevor der tatsächlich mal was macht - nicht ganz einfach ist, besonders bei Offenblende. Aber hier habe ich doch recht gut den passenden Punkt gefunden. (Kleines Wortspielchen: Die F50 zeigt zwar kein > oder < an, damit man weiß, in welche Richtung man drehen muss, aber einen Punkt, wenn man richtig liegt, schon.) Insgesamt ist dieses Bild jedenfalls sehr schln stimmungsvoll geworden und ich kann mich nicht beschweren. Experiment gelungen!

Welches hatte ich noch nicht? Das 85er. Die vielleicht nicht ganz so perfekte Gelegenheit bot sich beim eingewucherten Tränke-Anhänger. (Nikkor AF 85mm, 1/90s, f/2,8.) Es war dann nämlich doch schon etwas dunkel und hier vor allem auch noch schattig, und ich habe mich wohl zu viel bewegt: Das ganze ist ein bisschen bewegungsunscharf. Sieht aus, als hätte ich gezittert, dabei war es doch gar nicht so kalt! ;-) Naja, das Wichtigste ist: Auch dieses Objektiv funktioniert an der F50, die Belichtungsmessung ist OK, das Bild ist ansonsten auch ganz nett geworden, nur halt leider etwas zittrig. Mein Fehler.

Und dann war es an der Zeit, das Objektiv zu testen, weshalb ich dieses besagte Paket überhaupt ersteigert hatte: Das 35mm. Leider ist das erste Bild, das ich damit gemacht habe - der Weg, den wir gerade gekommen waren mit einer weiteren Pilgerstätte -, etwas unscharf. (Nikkor 35mm AI, 1/125s, f/2,8.) Liegt wahrscheinlich an meiner Blindheit einerseits und andererseits daran, dass ich vielleicht doch zwei, drei Blenden abblenden hätte sollen; Belichtungszeit war schließlich noch genug vorhanden. Auch mein Fehler.


Weiter den Berg hoch habe ich dann diese Schaufelsammlung fotografiert und mir gedacht, dass ich dafür eigentlich auch noch mal das mitgelieferte Zoom benutzen kann. (Tamron 28-80mm bei 28mm, 1/180s, f/3,5.) Wieder sieht man gut die Abschottungen in den Ecken, aber insgesamt ist das Bild eigentlich genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Schaufeln könnten untenrum etwas schärfer sein, ich habe mich da wohl zu sehr auf diesen Behälter im Hintergrund konzentriert. Ach ja, und dass das so schief ist, liegt ausnahmsweise nicht nur an mir: Der Hang war tatsächlich so. ;-)

Da hier oben sehr viel mehr Licht war als unten im Tal, habe ich das mal zum Anlass genommen, die Blende etwas weiter zu zu drehen, als ich diesen Bagger und seine Schwester, die Raupe - ist das überhaupt eine, wenn die gar keine Kette hat? -, mit genommen habe. (Tamron 28-80mm bei 28mm, 1/180s, f/5,6.) Die Vignetierung geht davon allerdings nicht wirklich weg. Hier wollte ich vor allem testen, wie die Kamera mit krassen Hell-Dunkel-Gegensätzen umgeht. Wie man sieht, sie versucht ihr Bestes, dieses Dilemma aufzulösen: Man kann sowohl im Himmel noch Wolken erkennen als auch die Details in in den dunkleren Bereichen unter den Fahrzeugen. Irgendwann kommt das Filmmaterial natürlich an seine Grenzen, aber insgesamt hat sie doch ein gutes Ergebnis abgeliefert. Natürlich hätte sich der Fotograf hier eigentlich für eines von beiden entscheiden sollen: Entweder Vordergrund korrekt belichtet oder Silhouette. Aber die Automatik macht hier das Beste, was sie kann.

Auch das Bild von der kleinen Backsteinkapelle habe ich dann noch mit dem Tamron gemacht. (Tamron 28-80mm bei ca 45mm, 1/45s, f/5,6.) Hätte etwas weiter nach links zielen sollen, aber ansonsten ein ganz gutes Bild, finde ich. Die Hell-Dunkel-Gegensätze waren hier nicht ganz so schlimm wie im Bild zuvor, was man an einem allgemein etwas besser ausgeleuchten Ergebnis sehen kann. Nettes, etwas schiefes Bild. Technisch aber einwandfrei, die F50 hat hier gut gearbeitet.


Dann habe ich mich noch um 180° gedreht und hinter mir das Gebäude fotografiert, dessen Fenster mich unheimlich an unsere alte Turnhalle an der Schule erinnert hat! (Tamron 28-80mm bei ca 40mm, 1/90s, f/5,6.) Die Häuser rechts stören etwas, aber wie immer gilt: Die Leute reagieren komisch, wenn ich mit der Abrissbirne komme! ;-) Auch hier stimmt die Belichtung ziemlich genau, was kein Wunder ist, denn mit diesem Objektiv gemachte Bilder habe ich ja jetzt bereits diverse hier eingestellt, die alle soweit OK waren. Ich nehme an, dass diese Kamera damals in den 90ern tatsächlich mit diesem Objektiv verkauft wurde und wahrscheinlich niemals was anderes zu Gesicht bekommen hat, bis ich angefangen habe, alles drauf zu schrauben, was nicht bei drei auf den Bäumen ist! ;-)

Ganz am Ende fiel mir dann plötzlich auf, dass ich ja das 135er noch gar nicht getestet hatte; da traf es sich gut, dass wir auf dem Rückweg zum Auto noch dieses Pferd trafen. (Nikon Lens Series E 135mm, 1/180s, f/4.) Sehr gutes Bild geworden! Wenn man den linken Rand ignoriert, da habe ich beim Zuschneiden wohl Scheiße gebaut! Ups! ;-) Auch hier musste ich mit anderen Mitteln die Belichtung bestimmen, aber ich weiß nicht mehr wie. Ich glaube, ich habe hier tatsächlich geraten, die Lichtverhältnisse hatten sich ja nicht entscheidend geändert seit den letzten Bildern. Cooles Foto jedenfalls.

Ein erstes kleines Fazit: Dafür, dass die F50 im Prinzip das günstigste war, was man in der Mitte der 1990er mit dem Namen Nikon kaufen konnte, wenn man eine SLR haben wollte, macht die richtig gute Fotos. Die Kompatibilität ist gut, wenn auch mit Einschränkungen bei alten AI- oder den hochmodernen G-Objektiven. Größtes Manko: Das viele Plastik und der bei meinem Exemplar dadurch abgebrochene Schiebeschalter für den Dummy-Modus. (...den aber eh keiner wirklich braucht, da alle Motivprogramme auch so erreichbar sind, so man die denn unbedingt benutzen wollte.)

Nächstes Mal: Zu Fuß über den Hausberg nach Hofen. Ein sehr kurzer Eintrag, aber trotzdem spannend. ;-)

Nikon F50

Da war ja noch dieses Paket, mit dem ich das 35mm Nikkor f/2 bekommen hatte. Mit in dem Paket war diese wunderschöne (hust) Nikon F50. Das war Mitte der 1990er sowas wie das kleinste Einsteigermodell, das es von Nikon gab. Das heißt nicht, dass sie - auf dem Papier zumindest - nicht ganz OK ist. Aber als erstes mal ein paar Beauty Shots:


Wie man sieht: Nikon hat hier wirklich sehr gespart. Das ganze Teil wiegt gefühlt ein Drittel meiner ein paar Jahre älteren F601. Die liegt mehr so in der Liga der EOS, die ich letztens hier vorgestellt habe, was das Gewicht angeht. Auch vom Funktionsumfang her ist sie ähnlich: Es gibt da diesen Drehschalter links - der bei dieser allerdings kaputt ist, dazu mehr später -, mit dem man die Kamera in den Dummy-Modus schalten kann. Dann stehen nur noch die Motiv-Programme zur Verfügung. Ist ein bisschen doppelt gemoppelt, denn im "Advanced"-Modus sind die Programme trotzdem benutzbar. Gut, muss man zwei Tasten mehr dafür drücken, aber das ist jetzt auch nicht sooo kompliziert.[1]

Was die Qualität der Konstruktion angeht: Hust, hust! Nikon ist eigentlich ja für recht stabile Kameras bekannt. Diese hier gehört ganz sicher nicht dazu. Alles Plastik. Der Bajonett-Anschluss ist immerhin aus Metall, das ist ein Lichtblick. Und es macht die Kamera schön leicht, wenn man darauf steht. Aber nach 25 Jahren ist das ganze dann doch ein bisschen, sagen wir mal, etwas abgenutzt. Wie gesagt, der Schalter für den Simple Mode ist abgebrochen, sobald ich ihn auf Advanced stellen wollte. Wahrscheinlich hat der Vorbesitzer den niemals benutzt und da steckte er ein bisschen fest und *snap* war er ab. Habe dann die Schrauben raus gezogen, um ihn zu reparieren, und bei dieser Gelegenheit kam mir der An-Schalter auch in Einzelteilen entgegen. Upsi! ;-)

Habe die Einzelteile des An-Schalters dann einfach mit Sekundenkleber zusammengesetzt. Das Gleiche habe ich mit dem Drehschalter versucht, aber da der so ungleichmäßig abgebrochen war, hat das nicht funktioniert. Da ich den simplen Modus eh nicht brauche, habe ich den Rest vom Drehschalter ins Gehäuse geklebt, damit kein Dreck durchs Loch kommt, und den Rest vom Schalter einfach weg gelassen; wenn der Kontakt offen ist, defaultet das Ding nämlich in den Advanced Mode, in dem man ja - wie bereits bemerkt - auch die Motivprogramme finden kann, wenn man das wirklich möchte.


Was die Bedienung angeht: Nikon ist ja nicht unbedingt für eine übersichtliche Benutzerführung bekannt, aber hier haben sie sich selber übertroffen. Also, im negativen Sinn. Weil ein Drehrad wahrscheinlich zu teuer war, muss man Blende und Zeit über Tasten einstellen. Jeder Tastendruck wechselt zwischen halben Blendenstufen, wenn man also von f/2 auf f/8 wechseln möchte, muss man acht Mal die Aufwärtstaste drücken, die dann zwei oder drei mal nicht reagiert und Sie wissen, worauf ich hinaus will, oder? Ist eher nicht so optimal.[2]

Immerhin: Die Kamera kann tatsächlich mit meinem Nikkor 50mm AF-S G zusammenarbeiten. Yay! Ich mein, das Ding ist ja genau so plastik-lastig wie die Kamera. A match made in marketing! ;-) Also, ich hoffe es, der Film da drin ist ja noch nicht entwickelt. Aber die Blende lässt sich steuern und das denke ich ist erstmal die Hauptsache. Dafür muss ich allerdings die AI-Objektive alle im manuellen Betrieb einstellen: Auch die Zeitautomatik funktioniert nicht, weil mit nicht-AF-Objektiven auch keine Belichtungsmessung durchgeführt werden kann. Die Kamera hat keinen dafür nötigen Blendenring-Sensor-Dings, sie weiß also nicht, welche Blende am Objektiv eingestellt ist.

Aber immerhin kann die Kamera manuelle Belichtung! Manche billige Einsteiger-SLR aus dieser Zeit konnte ja nur die Vollautomatik. Bisher habe ich allerdings noch keine Möglichkeit gefunden, auf eine andere Belichtungsmessung einzustellen; offenbar kann die nur das übliche 40/60-mittenbetont. Reicht auch, alles andere stelle ich dann halt manuell ein.[3]

Fazit: Als Einsteiger-Kamera ganz OK. Damals hat sie - laut Internet - 650 DM (unter Berücksichtigung der Inflation wären das heute ca. 500 Euro) gekostet. Sie war also etwas billiger als meine (ältere) F601, hat aber auch entsprechend weniger Build Quality und zielt eher auf den Einsteiger in den SLR-Markt. Dafür hat sie aber die Möglichkeit, auch komplett manuell bedient zu werden, bot somit also vielleicht auch einen Einstieg in die etwas ernsthaftere Fotografie. Diese Kamera, die ich hier vorstelle, scheint in ihrem Leben auch schon einiges mitgemacht zu haben und funktioniert noch immer, so schlecht kann die Qualität also auch nicht sein, zumindest die der Teile, die wirklich wichtig sind, wie Verschluss und Elektronik. Dass nach einem Vierteljahrhundert das Plastik nicht mehr das Beste ist, ist logisch. Das ist aber ein grundsätzliches Problem der 1990er und nicht unbedingt nur bei dieser Kamera so. Zusammen mit dem Tamron-Objektiv, das ich dazu bekommen habe, ist sie sehr, sehr leicht und dementsprechend auch einfach mal eben so mitzunehmen. Ich bin jedenfalls mal auf die Bilder gespannt, die am Ende aus der Entwicklung kommen, besonders die, die ich mit meinen Festbrennweiten gemacht habe. Wenn die OK sind, kann man sie vielleicht sogar auch heute noch als Einsteigermodell für die Analogfotografie empfehlen, vor allem, weil man sie praktisch geschenkt bekommt. Ich mein, die hier war ja mehr oder weniger eine Dreingabe zu dem Objektiv, das ich aus diesem Konvolut eigentlich haben wollte. Mal sehen, ob ich sie am Ende weiter verkaufe oder selber benutze. Ich bin mit meiner F601 eigentlich ganz zufrieden, und da ich nur ein G-Objektiv habe, für das ich auch einen Ersatz habe, auf das ich also nicht wirklich angewiesen bin, macht es eigentlich mehr Sinn, sie weiterzugeben an jemanden, der sie mehr benutzen würde als ich.

So, und eigentlich wollte ich ja noch was zum Tamron-Objektiv schreiben, aber da der Artikel jetzt schon so lang ist, kommt das in einem zweiten Artikel! ;-)

Edit 12.6.: Intelligent ist auch, die Betriebsanleitung durchzulesen, nachdem man den Film komplett durch belichtet hat. Das Studium dieses Dokuments hat mich zu folgenden kleinen Fußnoten veranlasst:

[1]: Nicht nur das: Im Advaned Mode sind sogar mehr Motiv-Programme verfügbar als im Simple Mode. Dabei sind auch welche, die vielleicht sogar interessant sein könnten wie zB ein Nachtmodus. Man kann über eine Memory-Funktion auch bestimmte Einstellungen festlegen, die man durch einen langen Druck auf die Menü-Taste aufrufen kann. So viel Intelligenz hätte ich gar nicht erwartet. In diesem Menü versteckt sich auch eine gezielte Über-/Unterbelichtung und mehr.

[2]: Wenn man die auf/ab-Tasten lange drückt, kann man schneller durch die einzelnen Blendenstufen und Belichtungszeiten scrollen. Das ist besser, als jedes Mal einzeln die Tasten antippen zu müssen. Aber ein Drehrad (oder besser gleich zwei) wären sehr viel handlicher.

[3]: Mit AF-Objektiven wird immer Matrix-Messung betrieben, mit AF-D sogar 3D-Matrix-Messung. Im AI-Manuell-Modus geht wie gesagt gar nichts. Was beim 50mm AF-S G passiert, steht nicht in der Anleitung, aber ich nehme an, dass das die gleichen Features unterstützt wie ein AF-D. Schön wäre hier eine Spotmessung, die braucht man ja doch hin und wieder (oder auch häufiger).