Skip to content

Schwarz-weiß und analog, Teil 35: Kassel - Herkules

Navigation: Teil 30, Teil 31, Teil 32, Teil 33, Teil 34, >>Teil 35<<, Teil 36

Habe ich doch letztes Mal glatt einen schwarz-weißen Artikel veröffentlicht, der noch gar nicht dran war. Das kommt davon, wenn man so viele auf Halde produziert, dass man den Überblick verliert. Aber egal, heute, an diesem faulen Sonntag, ist mir das Wetter draußen eh zu kalt und irgendwie auch zu bedeckt gewesen, um raus zu gehen und neue Fotos zu machen, also kommt jetzt die Nummer 35 (nach der Nummer 38 letztens). Zur Orientierung: Hier sind wir noch in Kassel. Insofern war das vielleicht auch mal eine willkommene Abwechslung, dass völlig unterbewusst ich ein bisschen Siegburg dazwischen geschoben habe, oder? ;-)

Von all den schwarz-weißen Fotos aus Kassel und Umgebung sind heute die dran, die ich oben beim Herkules gemacht habe. Die Lichtverhältnisse waren schwierig einzuschätzen: Viel Sonne, viel Licht, aber auch einige Wolken und daher viel Schatten, und über der Stadt war es diesig. Alles etwas viel für die arme kleine Selen-Fotozelle, die mir an der Zenit die Belichtung berechnen soll. Am Ende habe ich mich für f/4 entschieden, was vielleicht noch ein bisschen über war; eine oder gar zwei Blenden mehr wären bei 1/500s sicher noch drin gewesen. OK, der Film ist gutmütig und so habe ich relativ viel Struktur im Wald links und rechts, aber der Hintergrund ist doch schon sehr ausgewaschen - wie gesagt, es war im Kasseler Talkessel etwas diesig. Das Schloss unten am Fuße des Berges ist leider auch ein bisschen weit weg mit dem normalen Helios. Vielleicht hätte ich das 135er nehmen sollen und mich ein bisschen weiter weg stellen sollen, sodass ich trotzdem noch die (überhaupt nicht künstlichen) Felsen links und rechts mit drauf habe? Naja, jetzt ist es zu spät, das Bild ist halt so wie es ist. ;-)


Das zweite Bild ist mit den gleichen Werten aufgenommen, und somit auch nicht wirklich besser. Es wird von der Reflexion ziemlich genau in Bildmitte dominiert, so stark, dass man glatt denken könnte, dass das das war, was ich eigentlich fotografieren wollte. Nee, eigentlich ging es um das andere schlossartige Gebäude im Wald, knapp darunter im Foto. Fail. ;-)

Wenn f/4 vorher schon zu weit offen war, frage ich mich, warum ich beim folgenden Bild mal wieder gar nicht daran gedacht habe, die Blende wieder zu zu drehen. Die muss ja eigentlich mindestens bei f/4 gestanden haben, ich hätte nach dem Scharfstellen nur wieder zurück drehen müssen. Das ist der Nachteil bei diesen alten Kameras: Man wird von modernen Geräten doch etwas verwöhnt, dass man nur am Blendenring drehen muss und die Kamera beim Auslösen die gewählte Blende automatisch einstellt. Doppelter Fail! ;-) Ich mein, in Hochkant ist das Bild grundsätzlich besser als das allererste heute, aber auch mit nachträglichem digitalen Pull war da nicht mehr viel zu machen; bei drei bis vier Blendenstufen zu weit offen ist dann wirklich nicht mehr viel heraus zu holen. Andererseits bekommt es dadurch auch einen krasseren Look, der mich ein wenig an ausgebleichte Aufnahmen aus der Frühzeit der Fotografie erinnert, als Filme schon als empfindlich galten, wenn sie mit einem f/8-Objektiv ohne Stativ belichtet werden konnten! ;-)


Dreht man sich an dieser Stelle einmal um 180° und schaut nach oben, guckt einen der Herkules an. Der ist mit f/4 und 1/500s relativ gut belichtet; wie man sieht, es war gerade etwas wolkiger. Trotz der Tatsache, dass ich die Kamera ja fast senkrecht nach oben gehalten habe, kann man sehr viele Details am Sockel erkennen, die Statue selber kommt gegen die weißen Wolken relativ gut raus und trotzdem hat auch der Himmel noch Struktur. Technisch also auf jeden Fall schon mal besser als alle vorherigen drei Bilder.


Die gleichen Einstellungen waren auch hervorragend dafür geeignet, dem Herkules auf den Popo zu fotografieren, wobei mir motivmäßig dieses Bild tatsächlich besser gefällt. OK, reißt jetzt weder mich noch den Halbgott selber direkt vom Sockel. Aber immerhin hat das Auge was anzuschauen. Der Bildausschnitt wäre allerdings besser gewesen, wenn ich ihn weiter nach rechts an den Rand geholt hätte glaube ich, dass er mehr verträumt in die Wolken starrt. Dafür hätte ich dann noch ein bisschen höher hinaus gemusst, aber die Plattform oben ist irgendwie immer zu, wenn ich hier bin. Machen die eigentlich überhaupt mal auf? Oder liegt das jetzt an Corona?

Das beste Bild heute, also zumindest meiner unbescheidenen Meinung nach, ist das, das ich bis zuletzt aufgehoben habe: Pan, wie er auf seiner Flöte flötet. Bei f/2 sind Vorder- und Hintergrund schon ein ganz kleines bisschen unscharf. Könnte noch mehr sein, aber dafür ist das Helios nicht gebaut. (Eines Tages, wenn ich mit meiner "Kunst" so viel Geld verdient habe, dass ich nicht mehr weiß, wo ich noch meinen dritten Geldspeicher hin stellen soll, kaufe ich mir mal so ein schönes Jupiter 9; das kann auf f/2 und bei 85mm sollte es auch mehr Bokeh produzieren. Aber leider sind die guten Kopien dieses Objektivs ja so gut wie unbezahlbar. Besonders, weil ich es gerne in M39 für die Rangefinder hätte - meines Wissens nach gibt es M39 zu M42 Zwischenringe, sodass man das dann auf beidem nutzen könnte.) So muss ich damit leben, was ich habe, und dafür ist es ganz gut geworden, finde ich.


So, und das war's dann auch schon wieder. Einen Eintrag aus der näheren Umgebung von Kassel gibt es jetzt noch in der Pipeline: Die Helfensteine. Die sind dann beim nächsten Mal dran. Wenn ich nicht wieder die Reihenfolge durcheinander bringe! ;-)

Schwarz-weiß und analog, Teil 38: Siegburg

Film: Fomapan 100 (#5), Kamera: Zenit ET
Navigation: Teil 37, >>Teil 38<<, Teil 39, Teil 40, Teil 41, Teil 42

Corona heißt, dass ich - während ich drauf warte, dass ich die Person, die ich beim Arzt abgesetzt habe, wieder einsammeln darf, weil ich nicht mit ins Wartezimmer darf - mich ein wenig in Siegburg umschaue. Viel Neues zu entdecken gibt es ja nicht unbedingt, deswegen habe ich mich dieses Mal unter Anderem an einigen, etwas ungewöhnlicheren, alltäglicheren Motiven versucht. Alle Bilder sind mit dem Helios 44-2 gemacht.

Das fängt mit dem Kassenautomat am Ausgang der Tiefgarage gegenüber vom TÜV an. Mit der richtigen Belichtung (1/500s, f/2) konnte ich hier die schummrige Stimmung glaube ich ganz gut einfangen. Viele gerade Linien, ein Fluchtpunkt, die Welt draußen vor den Fenstern ist gerade unscharf, dass man den leuchtenden Werbeschriftzug für "(Hör)geräte" erahnen kann. "Wenn möglich bitte passend zahlen!" - ein Lebensmotto: Am Ende stehen wir alle an der großen Kasse, dann wird abgerechnet. ;-)


Draußen an der Apotheke hängen die Geranien und blühten wie verrückt, ihr Rot ein krasser Kontrast zur geweißelten Wand im Hintergrund. Dahinter, unscharf, ein Fenster, der Einblick in eine andere, eine private Welt. (Mir wurde kürzlich gesagt, ich müsse meine Kunst besser verkaufen, deswegen versuche ich es ja mal mit hohlen Phrasen. ;-)) Bei f/4 reichten hier vor der weißen Wand wieder 1/500s gerade so.

Voraus das Kinogebäude rechts, dann die Straße, links Wohn- und Geschäftsgebäude. Moderne Architektur, strenge gerade Linien, darüber ein grau verhangener Himmel, der bei 1/500s und f/5.6 gerade noch Strukturen aufweist. Bäume, die -vergeblich - auf einen Regenschauer hoffen. Die Müllabfuhr, ein Haltestellen-Schild. Keine Menschen, postapokalyptisch. (OK, ich hab die Covidioten unten einfach nicht mit ins Bild genommen; trotzdem war das der Eindruck, den ich erwecken wollte.)


Die Fahnen am Amtsgericht hängen derweil nicht ganz schlaff herab, ein leichter Luftzug bewegt ihre untere Kante. Dahinter die Kirche, die aus den Baumwipfeln hervorragt, gekreuzt vom Baukran. Und am unteren Rand, eine Telefonsäule. Bei f/5.6 und 1/500s sowie auf Unendlich gestellt ist das Bild gerade so scharf, wie das Helios nur kann.

Auf dem Markt grüßt wie immer Victoria von der Siegessäule herab, mit dem Lorbeerkranz in der einen Hand, einem Palmwedel (?) in der anderen. Aber die Göttin ist wankelmütig, gewährt mal dem Einen, mal dem Anderen den Sieg. Ich hoffe, dass es am Ende nicht das Virus sein wird. ;-) (f/4, 1/500s)


Schließlich stehen hinter dem Rathaus (oder davor?) noch Hans und Grete und halten Hände. Bezeichnender Weise schauen beide in völlig unterschiedliche Richtungen: Er scheint voraus zu schreiten, vielleicht schon das Knusperhäuschen im Auge, sie beinahe hinterher zu ziehen, während sie einen Blick zurück wirft auf das, was sie zurück lassen. Da ist aber nur ein Graffiti auf dem Garagentor gegenüber. (Hatte ich schon mal erwähnt, dass Siegburg seltsam ist: Das Rathaus, ein Gebäude, das eine gewisse Repräsentanz ausstrahlen sollte, steht irgendwo in der zweiten Reihe, statt am Marktplatz, wo das Leben brummt.) (f/4, 1/500s.)

Nächstes Mal gibt es Fotos, die rund um Lanzenbach entstanden sind.

Schwarz-weiß und analog, Teil 37: Kurparkintermezzo

Film: Fomapan 100 (#5), Kamera: Zenit ET
Navigation: >>Teil 37<<, Teil 38, Teil 39, Teil 40, Teil 41, Teil 42

Endlich sind wir auf dem Film an der Stelle angekommen, da ich Kassel für's Erste den Rücken gekehrt habe. Allerdings ist dies hier ein sehr kurzer Eintrag, nur zwei Fotos, die ich Im Hennefer Kurpark aufgenommen habe. Warum habe ich nicht mehr Bilder gemacht? Gute Frage, ich erinnere mich mittlerweile nicht mehr, das ist schon dreieinhalb Monate her.

Auf dem ersten sehen wir, dass ich mal wieder irgendein Gemüse vor die Linse bekommen habe. Sieht ein wenig nach Schafgarbe oder sowas aus. Zufällig saß auch gerade eine fleißige Biene auf den Blüten, die bei f/2,8 erstaunlich scharf geworden ist, obwohl die Tierchen sich ja ständig in Bewegung befinden. Immerhin war bei 1/500s die Belichtungszeit so kurz, dass es definitiv keine Bewegungsunschärfe gibt; sämtliche vorhandene Unschärfe ist also mal wieder darauf zurück zu führen, dass ich sehr, sehr kurzsichtig bin und ein Autofokus teilweise sehr hilfreich wäre. Oder zumindest eine bessere Mattscheibe als in der alten Zenit. Die einsetzende Altersweitsichtigkeit hilft auch nicht wirklich... Aber egal, auch mit leichter Unschärfe ist es eigentlich ein ganz nettes Bild geworden. Im Gegenteil, ich finde, das gibt dem ganzen eine weiche, nicht so brutal scharfe Stimmung.


Das zweite Bild habe ich unter einer der Parkbänke beim Siegfried geschossen. Da hatte ein Kind wohl offenbar ein Spielzeugauto verloren, das habe ich mir nicht entgehen lassen. Sieht aus wie so ein Teil aus einem Ü-Ei. Leider hat das Blau im schwarz-weiß-Bild ungefähr den gleichen Grauton bekommen wie der Hintergrund. Ich hatte mit mehr Kontrast gerechnet. Ansonsten kann man gut sehen, wie dünn die Fokusebene bei f/2 und minimaler Entfernung tatsächlich ist. Ebenfalls ein ganz nettes Bild, in dem nur die Wasserflecken etwas stören.

Dass es jetzt nur zwei Bilder gab, ist ja irgendwie blöd, aber ich wollte jetzt nicht zu sehr die Themen und Tage mischen. Im nächsten Eintrag geht es nach Siegburg, da hätten diese beiden Bilder auch nicht wirklich rein gepasst, und in die vorherigen aus Kassel schon gar nicht. Ansonsten verspreche ich, mich mal etwas zu beeilen mit der Veröffentlichung der s/w-Bilder, die ich noch in der Pipeline habe. Ich weiß, das verspreche ich jetzt schon seit Wochen, aber mir schwebt vor, dass es doch gerne mal zwei Einträge die Woche sein dürfen.