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Sigma Zoom 28-70mm 1:2.8 SAF

Wie ich vor einigen Monaten berichtet habe, hatte ich ja für einige Zeit eine EOS 10s in meinem Besitz. Nachdem ich mit Testen und Bewerten fertig war, hatte ich die meinem Kunden bereits zurück gegeben, bevor ich mir das dazugehörige Sigma 28-70mm f/2.8 mal genauer angeschaut hatte. Und zwar habe ich mir erst die Erlaubnis eingeholt und dann einen passenden Schraubenzieher, um das Objektiv mal von seiner Bajonett-Seite zu öffnen und zu schauen, ob man denn da gar nichts mehr machen kann.


Wie man sieht, nach ein bisschen suchen nach dem Klappern fand ich dann auch schnell das verlorene Zahnrad der Blendensteuerung - siehe roten Kringel im zweiten Bild. Dieses hat, wie man dann in den nächsten Bildern vielleicht sehen kann, einen Riss an einer Seite und hält deswegen nur noch so mittelprächtig auf der dafür vorgesehenen Achse. Das wird wahrscheinlich auch der Grund gewesen sein, dass es abgesprungen und irgendwo in den Untiefen der Zoom-Mechanik verschwunden ist. Mit einer Pinzette konnte ich es jedenfalls heraus fischen.


Nachdem mir klar wurde, dass das so nicht mehr hält, habe ich erst mal für zwei, drei Tage immer mal wieder das Internet nach einem Ersatz durchforstet. Es gibt tatsächlich Anbieter, die einem ein neues Zahnrad in beliebiger Größe sägen können. Die habe ich mir dann mal gebookmarkt. Jedoch: Ich habe keine Schieblehre, mit der man die Dimensionen eines solchen Kleinteils tatsächlich präzise abmessen könnte. Mal ganz von der Zahnsteigung und sowas abgesehen. Wenn man dann solch ein Ersatzteil ordert, sollte es auch passen. Eines, das als passend für dieses Objektiv angeboten wird, habe ich jedenfalls nicht finden können.

So habe ich dann doch erst mal zum Plastkkleber gegriffen und den kleinen Riss mit einem dicken Blobb zugeklebt und dann das Zahnrad sanft in eine Zange eingespannt und den Riss so zu gedrückt. Erstaunlicher Weise hat das relativ gut geklappt: Überstehende Reste des Klebers habe ich mit der feinsten Feile, die ich finden konnte, entfernt. Danach habe ich es vorsichtig, damit der Riss nicht direkt wieder aufplatzt, so auf die Achse platziert, dass die Klebestelle möglichst niemals tatsächlich an dem anderen Zahnrad vorbei muss. Das geht, denn um die Blende von "ganz zu" auf "ganz auf" zu drehen, sind nur etwa 270° nötig. Mit einer Pinzette konnte ich jedenfalls so die Blende einwandfrei mit Hilfe des nächsten Zahnrads in der Reihe bewegen.


Bei nächster Gelegenheit habe ich dann die Passende EOS wieder beim Kunden eingesammelt und bin jetzt dabei, das Objektiv zu testen. Leider muss ich sagen, dass es trotz dieser Reparatur mindestens zwei große Probleme hat:

1.) Die vorderste Linsengruppe, die im Fokusring steckt, lässt sich mit diesem leider um gut zwei, drei Millimeter vor und zurück bewegen. Die Fixierung des Fokusrings ist somit nicht mehr gegeben, er schwebt sozusagen frei in seiner Fassung. Da ist wahrscheinlich auch irgendwas abgebrochen, wo ich so einfach aber von hinten nicht dran komme. Die Schrauben für den Fokusring sind wahrscheinlich irgendwo unter der Gummierung versteckt. Und selbst wenn ich mir zutrauen würde, das zu öffnen, ich habe nicht die nötige Ausrüstung, um die Linsengruppe wieder korrekt einzumessen. Die muss nämlich genau in der richtigen Entfernung justiert werden, damit man einerseits ein scharfes Bild auch bei Unendlich bekommt - so war mir das nämlich aufgefallen: Der Autofokus schlägt am Ende an, aber das Bild ist noch nicht scharf - andererseits muss sie vor allem wieder genau ganz gerade da rein, sonst hat das Bild nachher einen gewissen Astigmatismus. Als jahrelanger Brillenträger kann ich bestätigen, wie nervig bereits kleinste Abweichungen sein können. ;-)

Dieses Problem ist allerdings kein Deal Breaker: Man kann die Linsengruppe einfach wieder bis zum Anschlag in das Objektiv rein schieben. Dann fokussiert der Autofokus (oder der geneigte manuelle User) zwar ein kleines Stück vor der Unendlich-Markierung auf unendlich, aber solange das Bild scharf ist, wen kümmerts? Probleme kriegt man nur, sobald man ca. 20°-25° oder mehr nach unten fotografieren möchte, denn dann übernimmt die Schwerkraft und zieht einem immer wieder die relativ schweren Linsen nach vorne raus. Bei gewissen Abständen bekommt man so einfach kein scharfes Bild und ist gezwungen, auf manuellen Fokus zu wechseln und dann die Linsen vorne ungefähr so festzuhalten, wie man sie braucht. Für einen Bastler wie mich ist das vielleicht noch gerade so akzeptabel, aber jemand, der sich darauf verlassen will, dass man immer ein scharfes Bild erhält, wird spätestens jetzt raus sein.

2.) Eigentlich sind alle anderen Ringe, Abstände und Spiele auch mehr oder weniger dejustiert: Das Objektiv biegt sich unter dem eigenen Gewicht immer ein bisschen nach unten durch. Man ist also gezwungen, immer einen gewissen Druck von vorne nach hinten aufrecht zu erhalten, damit alles einigermaßen gerade bleibt. Gepaart mit dem Problem 1.) ist das nicht gut. Gar nicht gut. Eher schlecht, um es mal so offen zu sagen.

Ein Profi mit der richtigen Ausrüstung könnte das wahrscheinlich alles in einer Stunde erledigen, aber ich bin nur ein Semi-Profi und habe definitiv nicht die korrekten Tools. So bleibt leider nur als Fazit zu sagen: Kaputt! Was einigermaßen Schade ist: Ich habe jetzt ca 2/3 des Films durch die Kamera gespult und es ist ein recht praktisches Zoom. Ich bin ja nicht mehr so der Freund von Zoom-Objektiven, seit ich meine erste Festbrennweite gekauft habe. Aber mit f/2.8 ist das Ding recht lichtstark und bekommt vielleicht sogar sowas wie ein Bokeh hin.

Die größten Nachteile dieses Objektivs sind allerdings - neben den Defekten, die ich oben beschrieben habe - die Größe und das Gewicht. Mit einem Filterdurchmesser von 72mm ist das Ding riesig. Und lang ist es auch noch. Und mit seinen 13 Linsen (in 10 Gruppen) ist es schwer. 620g, um genau zu sein. Das Body wiegt ungefähr genau so viel, das heißt, wenn man sich die Kombination um den Hals hängt, ziehen einen gut 1,3 kg nach vorne. Hallo-ha!

Zur Build Quality kann ich nicht viel sagen, immerhin habe ich hier ein ziemlich in Mitleidenschaft gezogenes Exemplar. Grundsätzlich habe ich ja Probleme mit Objektiven, in denen so viel Elektronik steckt: Es gibt einen Motor für die Blende und einen für den Fokus, diverse Chips, die das ganze steuern, kann alles kaputt gehen und ist wahrscheinlich Unobtainium. Außerdem die ganze Mechanik, die da drin steckt, etwa die vielen kleine Zahnräder aus Plastik. Es ist ja eine Sache, wenn man ein handliches kleines 50mm in Vollplastik baut, aber so ein Monster hätte schon was stabileres verdient. Dann würde es aber bestimmt ein Kilo wiegen! Jedenfalls: Gepaart mit der Größe und dem Gewicht schräkt das die Lebensdauer doch sehr ein.

Meine abschließende Bewertung werde ich dann kundtun, wenn ich die Bilder aus der Entwicklung zurück habe. Die einschlägigen Seiten sind jedenfalls nur mäßig begeistert von der Bildqualität. Gut, das sind oft auch Leute dabei, die zu viel verlangen. Ich bin also mal gespannt, was am Ende rum kommt und ob bei den vielen Problemen, die ich oben beschrieben habe, überhaupt was Scharfes dabei ist! ;-)

Provisorische Reparatur: RMC Tokina 35-70mm 1:4

Nachdem ich ja schon bei Lieferung festgestellt hatte, dass das Tokina eine träge Blende hat, habe ich es relativ zügig auf gemacht und mal das Fett von den Blendenlamellen entfernt, das da nicht hin gehört. War ansich ziemlich sauig da drin, dieses Objektiv ist nicht gut behandelt worden. Ich mein, als ob das nicht schon von der Delle in dem Metall-Ring um die hinterste Linsengruppe ersichtlich gewesen wäre. Und all den anderen Problemen die das Teil so hat.

Leider hat eine reine Reinigung nicht viel bewirkt. Die Blende schnappte danach zwar wieder etwas flotter zu, aber noch immer zu langsam für meine Kameras, die bereits mit der Belichtung fertig waren, wenn die Blende noch gar nicht ganz geschlossen hatte. Daraufhin habe ich mir dann im Eisenbahn-Modellbau-Laden eine Tüte mit zwei Federn besorgt, die mir evtl. passend erschienen. Die habe ich dann versucht, letzte Woche Freitag auch direkt einzubauen.

Es stellte sich aber heraus, dass die zu lang sind und dementsprechend nicht genug Kraft haben, die Blende überhaupt zu zu ziehen. Hrmpf. Am Montag habe ich dann mal einfach etwas ganz Doofes gemacht und ein Stück Haushalsgummiband passend zu geschnitten und eingebaut: Geht, obwohl es etwas stramm sitzt.



So, und an dieser Stelle der Hinweis: JA, ICH WEISS, DASS DAS SCHEISSE IST! ;-) Das ist auch nur ein Provisorium, bis ich die passende Feder finde. Ich wollte eigentlich nur testen, ob mit mehr Zugkraft alles wieder so funktionieren würde, wie es gedacht war. Das Gummi bleibt da nicht drin, denn über kurz oder lang wird das reißen und/oder sich in gubbeligen Schlodder verwandeln, der dann alles verklebt, und/oder austrocknen und gar nicht mehr bewegen. Außerdem muss ich den Fokusringproblemen ja auch noch auf die Spur kommen, wofür ich die andere Seite des Objektivs auch noch auseinander nehmen muss, wobei ich es wahrscheinlich kaputt machen werde.

War übrigens gar nicht so einfach das Gummi da drin fest zu machen: Die eine Öse - das ist die für den Haken, der fest mit dem Objektiv verbunden ist - habe ich aus einer Tackernadel gebogen, für die andere Öse, die sich um den Blendenstift legt - also das Teil ist, das sich bewegt, wenn die Blende geöffnet oder geschlossen wird -, habe ich mit einer Nähnadel einen Faden durchs Gummi gezogen und zu einer Schlaufe geknotet. Gewusst wie! ;-)

Deshalb wollte ich es lieber jetzt erst mal bis zum Ende durch testen, damit ich ein paar Beispielbilder habe, bevor ich nachher gar nichts vorzuweisen habe. Da ich mir erstmal nicht sicher war, habe ich die D100 abgestaubt und damit getestet. Wenn die endgültig kaputt geht, ist es ja nur mittelschlimm. Deshalb als erstes mal eine Blendenserie von f/4 bis f/22 bei gleichbleibender Belichtungszeit, um zu testen, ob bei jedem Klick tatsächlich nur noch halb so viel Licht auf den Sensor fällt. Siehe da, es scheint, als wäre dem tatsächlich so:



Da die Chili-Pflanze so dekorativ da auf dem Tisch stand, habe ich die bei f/8 und 35, 50 und 75mm abgelichtet, wieder eigentlich nur, um die Funktion des Gummibands zu testen. Bei der Helligkeit, die wir am Montagmorgen hatten, kommt das knallige Rot richtig gut raus und die drei Bilder sehen eigentlich gar nicht so schlecht aus. Besser als der erste Test im letzten Artikel vermuten lässt.


Weil ich gerade dabei war, habe ich dann noch den Oregano und den Rosenast mitgenommen. Einfach nur, weil die beiden gerade da waren. Man sieht: Die Schärfentiefe ist eher gering im Vergleich zum Zoom-Nikkor, das noch mit der FE10 zusammen in der Kiste steckte.


Nachdem ich sicher war, dass diese Modifikation nicht meine D610 kaputt machen würde, habe ich das Objektiv dann da mal drauf geschraubt und ein paar Testbilder geschossen.

Angefangen habe ich dabei wieder mit der Chili, die ich ebenfalls wieder bei f/8 bei den drei obigen Brennweiten abgelichtet habe. Hier fällt auf, dass zu den Ecken hin die Blenden-Sechsecke immer eiförmiger werden. Liegt das an mir? Habe ich das Teil nicht wieder richtig zusammen gesetzt? Oder ist mir das im ersten Test nicht aufgefallen, weil das Licht so schlecht war, dass ich gar keine Sechsecke bekommen habe?


Danach habe ich bei 70mm eine kleine Blendenserie gemacht: f/4 - f/8 - f/16. Bereits bei Offenblende ist die Blume scharf und sie wird auch nicht wirklich viel schärfer - man beachte zB den Wassertropfen. Mit zunehmender Blendenzahl wird die Schärfentiefe jedoch deutlich größer, auch wenn sie nicht so stark ansteigt, wie ich es erwartet hätte.


Nachdem ich die verdrehten Sechsecke erstmal gesehen hatte, habe ich versucht, diesen Effekt extra zu provozieren: Ins Gegenlicht hinein den Fliederbüschel fotografiert, in dessen Hintergrund viel löchriges Laub hängt. Siehe da: Es sieht zwar bei Weitem nicht aus wie beim Helios, aber etwas Swirl bekommt man tatsächlich in die Bilder, wenn man es drauf anlegt. Interessant! Die weißen Blümchen zwischen den Brombeeren waren dann noch mal letzter Test, ob das mit dem Abblenden auch wirklich noch immer richtig funktioniert. Und es scheint so.


Fazit: Auch jetzt nicht das Beste, was man für sein Geld bekommen kann. Aber für ein altes Zoom-Objektiv eines Drittherstellers auf jeden Fall interessant, besonders auf Grund seiner festen Blendenöffnung über alle Brennweitenbereiche hinweg. Das Swirl kann man einerseits als Fehler sehen, andererseits als Herausforderung. ;-) Ob die beschriebenen Fehler grundsätzlich auf diese Objektive zutreffen oder nur bei meinem, vom Vorbesitzer misshandelten und von mir dann auch noch geöffnet und wieder zusammengesetzten Exemplar vorhanden sind, kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Es ist allerdings deutlich schwerer als das Zoom-Nikkor und hat sehr viel mehr vertrauenserweckendes Metall, sonst hätte es die von mir vermuteten Misshandlung wahrscheinlich auch bis jetzt gar nicht überlebt! ;-)

Für mich bedeutet das: Verkaufen? Behalten? Was kriege ich in diesem abgeranzten Zustand dafür? 'n Zehner? Vielleicht 20? Lohnt sich der Aufwand, da noch mal rein zu gehen und die anderen Fehler zu korrigieren? Wenn ich da noch einen Artikel draus bauen kann, bestimmt, aber werde ich das Teil danach jemals wieder benutzen? Fragen über Fragen, deren Beantwortung mir allerdings zZt nicht allzu viele Sorgen macht. Schließlich sehe ich dieses Objektiv eher als kostenlose Dreingabe zu der FE10, die ich eigentlich haben wollte.

RMC Tokina 35-70mm 1:4

Was war noch im Paket mit der FE10? Ein weiteres Zoom-Objektiv für Nikon-F-Bajonett: Ein RMC Tokina 35-70mm 1:4. Dieses hier ist allerdings nicht so gut erhalten wie das Kit-Nikkor, das ich gestern vorgestellt habe. Ich mein, von außen sieht es eigentlich ganz OK aus, wenn man mal von der Beule unten absieht, die ich erst mal wieder gerade gedängelt habe.


Es hat aber noch ein paar andere Probleme: Offenbar hat es auf größte Blendenöffung aufgezogen jahrelang herum gelegen, die Feder ist scheinbar etwas ausgeleiert. Scheint ein Problem bei Tokina zu sein, denn das gleiche Problem habe ich ja mit dem 35-70 für die Olympus. Entweder das, oder es liegt am vielen Öl auf den Blendenlamellen. Ich habe die Kamera jetzt auf 1s Spiegelvorauslösung gestellt, dann hat die Blende genug Zeit zu reagieren. Ohne bekomme ich bei jeder Blende außer offen überbelichtete Bilder. Zudem schlägt der Zoomring "unten" schon etwas vor 35mm und "oben" auch vor den 70mm an. Werde also so oder so nicht drum herum kommen, das mal auf zu machen.

Außerdem stimmt da was mit dem Fokus-Ring nicht: Die Unendlich-Einstellung erreiche ich bereits bei ca. 2,20 Meter, alles darüber hinaus ist schon wieder unscharf. Hat hier vielleicht jemand dran rum gespielt, um mit einem Adapter auf einer Nicht-Nikon damit arbeiten zu können? Kann aber eigentlich nicht sein, denn der minimale Fokus von 60cm stimmt, also zumindest ungefähr. Hatte das Teil vielleicht schon mal jemand offen und hat es wieder falsch zusammen gesetzt? Ich habe keine Ahnung...

Aber trotzdem, hier ein paar Test-Fotos: Der Vorteil an durchgängig f/4 ist, dass ich zumindest schon mal nicht nachrechnen muss, was denn jetzt die effektive Blende ist, wenn ich am Zoom-Ring drehe. Offenblende ist eben durchgängig f/4. Das ist jetzt im Weitwinkel-Bereich nicht so viel schlechter als die f/3,5 des besagten Nikkors, bei 50mm ist es etwa gleich und im Zoom ist es sogar eine halbe Blende besser. Das ändert aber nichts daran, dass die Bildqualität hier auch eher auf der fragwürdigen Seite ist.


In den drei Kuhweid-Bildern sieht man bei jeder Zoom-Stufe, dass die Ecken dunkler sind als die Mitte, am Wenigsten noch bei 70mm. Die Schärfe hingegen ist erfreulich gut, obwohl der Fokusring seltsam ist. Wie man sieht, ich habe diese Testbilder auch am gleichen Tag und bei gleichem grauen Himmel gemacht wie die für das Nikkor. Sogar die Schnecke saß trotz ihrer unglaublichen Geschwindigkeit noch mehr oder weniger an der gleichen Stelle! ;-) Im direkten Vergleich gefallen mir die Farben beim Tokina etwas besser. Die Rose ist bei f/8 und dementsprechend scharf, hat dafür aber irgendwie einen grauen Schleier im Hintergrund; hier gefiel mir das Nikon-Objektiv besser.


Mit der Lilie habe ich dann noch einen weiteren Zoom-Test bei nahen Entfernungen gemacht, um mal zu sehen, wie es da so bei f/8 aus sieht. Im Weitwinkel-Bereich kaum noch Abschattungen in Richtung der Ecken und auch praktisch keine Verzerrungen. Die Naheinstellgrenze ist mir etwas zu weit weg. Ich müsste tatsächlich mal nachmessen, ob das tatsächlich 0,6 Meter sind oder ob der Fokusring nicht doch falsch montiert ist.


Und zum Schluss noch mal die Canna mit einer Blenden-Serie: f/4 - f/5,6 - f/8 - f/11 - f/16 - f/22. Hier ist f/4 durchaus benutzbar und gibt auch noch ein kleines bisschen Bokeh. Eine Blende mehr und ich habe den Eindruck, das Objektiv wird kaum noch schärfer.


Normalerweise gibt es am Ende immer ein Fazit, aber heute spare ich mir das erst mal, bis ich zumindest die Probleme mit der Blende gefixt habe. Den dazu passenden Eintrag gibt es bereits morgen, denn ich muss die ganzen auf Halde produzierten Artikel jetzt langsam mal los werden! ;-) Nur soviel vorweg: Ein Provisorium, dass zwar funktioniert, aber so sicher nicht bleiben kann!

Nikon Zoom-Nikkor 35-70mm 1:3.5-4.8

Hier nun wie versprochen ein eigener Artikel zum Nikon Zoom-Nikkor 35-70mm 1:3.5-4.8, von dem ich annehme, dass es sich um das Kit-Objektiv der Nikon FE10 handelt, die ich gestern vorgestellt habe. Ehrlich gesagt, bin ich mir mittlerweile sogar sehr sicher, dass dieses Objektiv ebenfalls von Cosina gebaut wurde - mehrere Quellen im Internet behaupten das, die können ja jetzt nicht alle voneinander abgeschrieben haben; außerdem würde das die allgemeine Abbildungs-Qualität dieses Teils erklären sowie die Verarbeitung. Das Einzige, was mich ein bisschen stutzig macht, ist die Tatsache, dass Nikon es in diesem Falle erlaubt haben muss, dass das Wort "Nikkor" da drauf gedruckt wurde, das eigentlich für hochwertige Objektive reserviert ist. Ich mein, die haben so 10, 15 Jahre vorher nicht mal auf ihre Series E Linsen Nikkor drauf geschrieben, weil sie Angst hatten, dass das den Wert der Marke beschädigen könnte, aber dann das hier? Jedes E-Serien-Objektiv, das ich bisher in der Hand hatte, macht von der Verarbeitungsqualität her einen besseren Eindruck!

Denn wie schon erwähnt, ist dieses Objektiv extrem leicht - so leicht, dass ich tatsächlich Angst habe, das Teil zu feste anzufassen, wenn ich es auf die Kamera schraube. Bei der FE10 geht das noch, denn die wiegt ja auch so gut wie nichts, aber auf den Digitalen, die wahrscheinlich das Zehnfache an Masse daher bringen, ist doch ein gewisses Ungleichgewicht zu bewundern. Von den AI oder AI-S Zooms, die Nikon in diesem Brennweiten-Bereich verkauft hat, ist es außerdem das langsamste: Es gibt ein minimal schnelleres f/3,3-4,5 - das auch keine so guten Noten bekommt, wenn man auf den einschlägigen Seiten danach sucht - sowie eines mit durchgängig f/3.5, das am Ende des Zoom-Bereiches als gut eine Blende flotter unterwegs ist. Ob es für AI auch schon das f/2,8 gab, kann ich im Internet nicht genau nachvollziehen; soweit ich das sehen kann, gab es das nur als AF-S. Ein Katalog mit allen Nikkors wäre schon mal schön zu besitzen...

Das alles würde ich aber verkraften, wenn die optische Leistung entsprechend gut wäre, weswegen ich im Garten mal ein paar Test-Bilder damit gemacht habe. Natürlich kann man da jetzt auch keine Wunder erwarten, schließlich handelt es sich um ein relativ lichtschwaches Kit-Objektiv. Aber trotzdem war ich überrascht, dass die Bilder durchaus brauchbar sind, wenn man nicht zu genau hinschaut. (An den Tag war es allerdings etwas bedeckt draußen; mit mehr Licht wären die Fotos wahrscheinlich besser geworden.)


Die ersten beiden Bilder testen die Offenblende bei unterschiedlichen Entfernungen aber vollem Zoom: Das faulige Obst ist trotz Minimalfokus recht scharf und das auch über einen recht großen Schärfentiefe-Bereich. Bei effektiv f/4,8 wundert letzteres allerdings auch nicht allzu sehr. Ich erkenne hier relativ wenig Verzeichnung, die ist wahrscheinlich durch das Hineinzoomen an den Rändern abgeschnitten worden. Beim Bild von der Kuhweid' hingegen sieht man im hellen, eigentlich eintönig grauen Himmel für ein Bild bei Maximal-Zoom durchaus heftige Vignettierungen in den Ecken. So richtig scharf sind die auch nicht: In der Mitte ist die Hecke relativ scharf und je weiter man zu den Ecken kommt, desto dunkler und unschärfer wird sie.

Als nächstes haben wir einen kleine Bokeh-Test, für den ich die gleiche Blüte einmal bei 35mm und einmal bei 70mm fotografiert habe. Bei beiden Bildern habe ich um eine Blendenstufe abgeblendet, um auf die Entfernung auch sicher die Blüte scharf zu haben. Das erste Bild ist also bei f/4,8 entstanden, das zweite bei f/5,6. Insbesondere bei dem 70mm-Bild sieht man deutlich, dass die Ecken sehr viel schärfer sind als bei der Kuhweide. Ich würde sagen, dieses Objektiv ist nicht auf Unendlich ausgelegt, sondern eher für nähere Objekte. Im gezoomten Foto ist das Bokeh sogar einigermaßen brauchbar, nicht zu unruhig, über alle Entfernungen relativ weich. Könnte allerdings gerne etwas pastelliger sein. Gleiches gilt im Prinzip auch für das Foto bei 35mm, hier sind die Abschattungen an den Ecken allerdings sehr viel sichtbarer. Diese werden beim Hineinzoomen also offenbar weggeschnitten. Auch ist noch deutlich mehr Randunschärfe wahrnehmbar. Ich denke also, für komplett scharfe Bilder wären zwei Blendenstufen abblenden das Minimum.



Natürlich kann man Randunschärfe und Vignettierung auch gezielt einsetzen: Als nächstes habe ich zB diese Schnecke genau ins Zentrum genommen, wo sie die maximale Schärfe erreicht, und dann einfach mal bei Offenblende rein gezoomt. So sind drei Bilder entstanden: 35mm f/3,5, 50mm f/4, 70mm f/4,8. Neue Erkenntnisse gewinnen wir aus diesen Bildern nicht, nur einen Eindruck davon, wie die unterschiedlichen Brennweiten sich insgesamt so machen. Und ich muss sagen: All diese Mängel, die ich bisher beschrieben habe, so heftig sie auch sein mögen, sind im Real Life eigentlich kaum wahrnehmbar, wenn man nicht gerade danach sucht.

Deswegen folgen jetzt auch mal einfach drei Schnappschüsse (bei 70mm) ohne größeren technischen Hintergrund, außer dass ich die Blende mal ziemlich weit zu gedreht habe; also, für meine Verhältnisse schon extrem weit: Die ersten zwei Mal auf f/8 und das letzte mit Lilie sogar auf f/11.


Gegen das Licht erhält man hinter dem fliederartigen Büschel sehr hübsche Sechsecke, die durchweg bis in alle Ecken auch sechseckig bleiben, also nicht ge-swirl-t sind. Zwischen den einzelnen Blüten kann man gut noch die Spinnweben erkennen, die Schärfe ist hier also OK. Ähnlich sieht es bei der Rose aus: So weit abgeblendet ist sie gestochen scharf; das geht allerdings ein bisschen auf die Kosten des Bokehs, was auf diese Entfernung aber noch immer gerade so befriedigend ist. Bei der Lilie habe ich es dann mit f/11 etwas übertrieben und ich habe den Eindruck, die Schärfe in der Mitte lässt hier bereits wieder etwas nach. (Ist jetzt im auf 1920px herunter gerechneten Bild nicht wirklich wahrnehmbar, aber im Original schon.)

Da ich gerade damit beschäftigt war, die Blenden durchzutesten, habe ich die Lilie auch gleich mal bei 35mm ins Visier genommen. Die Werte von rechts nach links und oben nach unten: f/3,5 - f/5,6 - f/8 - f/11 - f/16 - f/22. In den ersten beiden lässt sich ein ganz leichtes, subtiles Drehen der Unschärfe um den Mittelpunkt erkennen. f/8 sieht hier glaube ich tatsächlich am Besten aus und liefert die wenigsten Fehler. Interessant finde ich, dass die Bilder langsam vom bläulichen in den rötlichen Bereich verschoben werden. Liegt's am automatischen Weißabgleich oder tatsächlich am Glas?


Zuletzt noch mal das gleiche Procedere mit einem anderen Motiv bei 70mm. Hier sind die Werte wie folgt: f/4,8 - f/5,6 - f/8 - f/11 - f/16 - f/22 - f/32. Das Ergebnis ist ähnlich: Kein Swirl mehr bei den ersten beiden Blendenstufen, da wir hier nur in die Mitte des Bildekreises hinein sehen. Die Vignettierung ist auch weniger. Würde man mich fragen, würde ich auch hier glaube ich zu dem Bild bei f/8 tendieren. Scheint mir am ausgewogensten zu sein.


Fazit: Nicht das Beste, was man unter dem Namen Nikkor zu kaufen kriegt. Als leichte und einigermaßen kompakte Alternative zu mehreren Festbrennweiten gerade noch so erlaubt. Die plastik-lastige Verarbeitung macht mir allerdings Sorgen, auch wenn alle wichtigen Teile weiterhin aus Metall gearbeitet sind. Es gibt definitiv bessere Zooms auf dem Gebraucht-Markt, die auch nicht entscheidend mehr kosten, insbesondere bei den namhafteren Drittherstellern. Es gibt allerdings auch schlechtere, also Vorsicht! ;-) Es ist wirklich erstaunlich, dass Nikon damals den "guten" Nikkor-Namen dafür hergegeben hat. Das Ding ist jetzt nicht direkt Schrott, immerhin macht es Bilder, und diese Bilder sind auch nicht unter aller Kritik. Aber es hat doch gewisse Schwächen, die man von einem Nikkor - auch einem Zoom-Nikkor - eigentlich nicht erwartet.

Für mich persönlich ist es ein Sammlerstück: Einzeln würde ich dafür vielleicht 10, 20 Euro kriegen, das ist den Aufwand kaum wert. Aber da ich es anhand der Seriennummer genau dieser FE10 zuordnen kann, ist es doch irgendwie wieder was Besonderes. Ich werde es also behalten: Als besseren Kamerabody-Bajonettdeckel. ;-)

Nikon FE10

Wiedermal habe ich zugeschlagen, als ein interessantes Päckchen Nikon-Technik vorbei kam. In diesem hier war eine einigermaßen gut erhaltene FE10 drin. Ich bin mir nicht sicher, aber ich gehe davon aus, dass das Zoom-Nikkor, das da vorne drauf klemmt, das passende Kit-Objektiv ist, da es bis auf die erste Stelle die gleiche Seriennummer hat.


Die Rückwand war sehr matschig, wie das bei diesen alten Gummierungen nun mal leider öfter so ist. Mit etwas Alkohol habe ich die oberste Schicht abgerubbelt, jetzt kann man sie wieder anfassen, ohne dass man fest klebt. Dafür ist der Glanz dann leider auch weg und das Ganze sieht etwas matt aus. Egal, Hauptsache, man kann das gute Stück benutzen.

Es handelt sich im Nikons letzte semi-manuelle Kamera: Fokussiert wird völlig manuell, nur mit Hilfe eines Schnittbild-Suchers, aber es ist ein Belichtungsmesser eingebaut und man kann einen Automatik-Modus benutzen, der die passende Zeit zur gewählten Blende vorgibt. (Zeitautomatik.) Nur die FM10, die gar keine Automatik hatte, wurde länger verkauft, wenn es um diese Art von Back-To-Basics-Kameras geht.

Der Witz ist: Das Teil wurde von Cosina im Auftrag von Nikon gebaut. Zumindest behauptet das das Internet. Verkauft wurde sie bis seit Mitte der 1990er und bis in die frühen 2000er. Ich habe keine Ahnung, von wann dieses Modell stammt. Angeblich waren diese günstigen und mehr oder weniger manuellen Kameras eigentlich für den Dritte-Welt- und Schwellenländer-Markt gedacht, aber gerade die FE10 und die FM10 haben eine gewisse Anhängerschaft in den Industrieländern gefunden, eben weil sie so back-to-basics sind.

Nachdem ich sie etwas länger benutzt habe - habe bereits zwei Filme damit verschossen - kann ich das auch durchaus nachvollziehen: Mit der schnellsten Belichtungszeit von 1/2000s ist sie sehr flott unterwegs, im Automatik-Modus kann sie bis zu 8s lang belichten, auch wenn man manuell am Rad nur bis zu 1s einstellen kann. Außerdem gibt es eine Abblendtaste, die ich bei so manch anderer günstigen Kamera schwer vermisse. Und oben drauf gibt es - für die eher künstlerisch veranlagten Fotografen - sogar die Möglichkeit, vor dem Betätigen des Spann-Hebels die Transportrolle auszukuppel, was Doppel- und Mehrfach-Belichtungen möglich macht. Der Sucher ist auch schön hell und vor allem ist die Mattscheibe riesig: Wenn ich die Brille auf habe und nicht mit dem Auge bis direkt ans Okular ran kann, sehe ich gar nicht alles. Der Schnittbildsucher ist auch einigermaßen präzise, aber auch da ist das größte Problem meine immer schlimmer werdende Blindheit.


Natürlich ist nicht alles nur eitel Sonnenschein: Z.B. braucht man leider immer geladene Batterien (2x LR44 tun es hervorragend), denn ohne löst sie nicht aus. Der Verschluss ist nämlich elektronisch gesteuert. Andererseits halten die Batterien wahrscheinlich eine halbe Ewigkeit, wenn man sie vor der Lagerung der Kamera immer brav wieder aus der Halterung nimmt. Andere Negativ-Punkte sind die insgesamt etwas plastik-lastige Verarbeitung: Hier wurde tatsächlich an allem gespart, außer Bajonett und Verschluss ist hier glaube ich alles aus Plastik. Ach ja, und wenn es Abends langsam etwas dunkler wird, kann man zwar hervorragend die Belichtungszeit-Anzeige-LEDs sehen, die leuchten schließlich, aber die Skala daneben liegt im Dunklen. Das kommt sogar schon teilweise in dunkleren Ecken tagsüber vor. Ist jetzt kein Beinbruch, andere Kameras, die diese Technik verwenden, haben ähnliche Probleme. Aber ich wollte es erwähnt haben.

Was das (Kit?) Objektiv angeht, frage ich mich, ob das überhaupt von Nikon gebaut wurde, oder ob das auch eine Aufragsfertigung ist. Würde ja Sinn machen, wenn das auch von Cosina stammen würde. Es steht allerdings tatsächlich "Zoom-NIKKOR" drauf. Jedenfalls wiegt es gefühlt weniger als mein 135mm E Objektiv und besteht wahrscheinlich auch zu 90% aus Plastik, wenn man das Glas mal raus rechnet. Aber es funktioniert. Mehr zum Objektiv später in einem separaten Artikel.

Apropos, was Objektive angeht: Sämtliche meiner AI, AI-S, AF (-D, -S, -whatever) Objektive funktionieren; letztere natürlich nur manuell, aber das ist ja logisch. (Das G ohne Blendenring scheidet natürlich aus.) Wobei ich glaube, dass der Schnittbildsucher mit den AF-Objektiven ein gaaaanz kleines Bisschen daneben liegt, also wirklich nur minimal. Zumindest sah das auf dem ersten Film so aus, der zweite ist noch auf dem Weg in die Entwicklung. (Wer aufmerksam mit liest, weiß jetzt, dass es sich dabei um den Kodak Gold 200 handelt, den ich zum Trekdinner in den Rheinauen verschossen habe.)

Mit im Paket war auch neben dem Zoom noch eine schwarze Ledertasche, aber die muss ich erst mal gründlich lüften, die müffelt etwas; die hat wohl jemand mit Glasreiniger-Spray abgewischt. (Zusätzlich war da noch mehr drin, aber das gehört auch in einen eigenen Artikel.)


Fazit: Sehr spannende Kamera. Einerseits modern, kaum 20 Jahre alt, das ist bei meiner Sammlung ja wirklich noch jung. Erstaunlich, dass man meine D100 ungefähr zeitgleich kaufen konnte! Andererseits komplett manuell benutzbar, wenn man mal vom Zwang zu Batterien absieht. Mit dem Kit-Objektiv ist diese Kamera zudem so leicht, dass man glatt vergessen könnte, dass man sie überhaupt dabei hat. Allerdings habe ich mich mittlerweile so an Festbrennweiten gewöhnt, dass ich eher das 50mm E drauf mache und vielleicht noch zusätzlich das 135er und irgendeines der Weitwinkel mitnehmen würde. Insgesamt hat es mir jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, mit dieser Kamera Bilder zu schießen!