Skip to content

Schwarz-weiß und analog, Teil 115: Rott

Film: Fompan 400 #3, Kamera: Carena SX-300, Juli 2021

Navigation: 115, 116, 117, 118

Nach den eher primitiven Bildern, die die Exa auf Grund ihres 1960er-Jahre-Designs gemacht hat, kommen wir heute zu etwas im Vergleich hoch Modernem: Einer ganzen Reihe Fotos, die ich mit der Carena SX-300 gemacht habe, die ich beim Aufräumen im schwiegerelterlichen Keller gefunden hatte. Mit dabei waren drei Objektive, die ich hier ja auch schon vorgestellt hatte, alle drei von Drittherstellern. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, wie man auch an den Fotos unten erkennen kann; aber seit dem Scan bin ich auf der Suche nach einem günstigen und lichtstarken originalen Minolta 50mm oder etwas Ähnlichem, einfach nur, um den Unterschied beurteilen zu können. Ebenso hatte ich ja schon erwähnt, dass es sich bei der Kamera um einen chinesischen Lizenznachbau der Minolta X-300 handelt, einer ziemlich guten Kamera für die 1980er. Da sind die Dritthersteller-Objektive vielleicht sogar ganz passend. Meine Probleme habe ich halt hauptsächlich damit, dass es sich vorwiegend um einigermaßen lichtschwache Zooms handelt.

Aber genug Vorrede, auf zu den Fotos: Die Pferde auf der Weide geben immer ein gutes erstes Motiv her. (Beroflex 80-200mm bei 200mm, 1/250s, f/5,6.) Ich bin mir nicht sicher, ob der hellere Streifen auf der linken Seite von einem Lichtleck der Kamera herrührt oder in der Entwicklung entstanden ist. Vielleicht ist das auch beim Einlegen oder Herausnehmen des Films passiert, denn in den folgenden Fotos ist kein heller Streifen an dieser Stelle zu sehen. Keine Ahnung. Was die Leistung der Kombination Kamera/Optik angeht, kann man hier bereits erste Schlüsse ziehen: Das Objektiv ist auch bei vollem Zoom ausreichend scharf. Es war im Juli sehr hell und dementsprechend kontrastreich ist das Bild ausgefallen. Der ISO-400-Film war vielleicht sogar etwas übertrieben, aber man weiß ja nie, in welche Belichtungssituationen man kommt - dieses Bild wäre mit dem Tele-Zoom zum Beispiel nicht mit einem 100er Film möglich gewesen, denn f/5,6 als Offenblende ist nun wirklich nicht so prickelnd und ich hätte somit bei der Belichtungszeit auch keinen Spielraum mehr gehabt. Die Belichtung selber ist sehr gut, finde ich; da hat die Kamera direkt mal gezeigt, wie sie mit solchen Situationen umgeht: Dunkle Wälder, mittlere Wiesen, tiefblauer Himmel mit vereinzelten Wölkchen, strahlend weiße Häuser in der Ferne und die Folie am linken Rand. Sieht brauchbar aus.


Beim zweiten Bild habe ich mich mal etwas verrenkt und die Warnung vor den spielenden Kindern aus einem eher ungewöhnlichen Winkel fotografiert. (Beroflex 28mm, 1/500s, f/11.) Für meine Verhältnisse ein ziemlich seltenes Foto mit weit geschlossener Blende, um die ganze Figur scharf zu bekommen, was auch sehr gut geklappt hat. Ich hatte erwartet, dass das Bild etwas weicher würde durch das starke Abblenden, aber dem scheint nicht so zu sein. Außerdem sehe ich keine Vignettierung in den Ecken, was wahrscheinlich ebenfalls durch die hohe Blendenzahl bedingt ist; wie das bei weiter offenen Blenden ist, werden wir weiter unten noch sehen. Vom Motiv her: Schon mal ein vielversprechender Anfang für diese Filmrolle! Sieht schon ziemlich cool aus!

Vom Berg sind wir an diesem Nachmittag hinunter ins Tal und unterwegs habe ich dann diese flusige Blume fotografiert, um das dritte Objektiv im Bunde zu testen. (Exakta 35-70mm bei ca 40mm, 1/250s, ca f/6,3.) Wie immer bei Zoom-Objektiven, bei die keine durchgängig einheitliches Öffnungsverhältnis haben, ist es nicht ganz einfach herauszufinden, was denn jetzt die tatsächliche Blendenzahl eigentlich gewesen ist, als man den Auslöser gedrückt hat. Moderne Kameras schreiben wenigstens einen ungefähren Wert in die Exif-Daten, aber analog kann ich auch nur raten! ;-) Jedenfalls erhalten wir auf diese Entfernung ein erstaunlich gut aussehendes Bokeh bei gleichzeitig sehr schöner Schärfe im Vordergrund. Der Kontrast gefällt mit auch ganz gut. Von den günstigen Normalzooms der 1980er scheint dieses also eines der besseren zu sein. Verzerrungen und Abschattungen in den Ecken halten sich auch in Grenzen. Und obendrein ist es ein ganz nettes Foto geworden.

Jenseits der Hügel schaut der Kirchturm heraus und ich habe das zum Anlass genommen, ohne Objektivwechsel drauf zu halten und zu schauen, was bei maximalem Zoom passiert. (Exakta 35-70mm bei 70mm, unbekannte Zeit, ca f/4,8.) Die Belichtungszeit muss hier irgendwo um die 1/250s gelegen haben, ich hab's mir mal wieder nicht aufgeschrieben - passiert schon mal. Die Vordergrundunschärfe in den Blättern links ist eher nicht so schön, dafür gefällt mir die Wolkenstruktur im Himmel sehr gut. Sieht regelrecht bedrohlich aus! (Das Wetter wurde zwar gegen Abend immer schlechter, aber so schlimm, wie es hier aussieht, war es eigentlich gar nicht.) Insgesamt ist das Bild aber etwas zu weich geraten: Offenblende ist also eher nicht zu empfehlen, was bei dem sowieso schon schlechten Lichtwert ein zusätzliches Manko ist. Aber das kennt man ja von diesen günstigen Zooms, da muss man immer sehr vorsichtig sein, die machen meist erst anständige Bilder, wenn man sie um ein oder zwei Blendenstufen runter dreht.


Ich finde, das Tele-Zoom macht da einen besseren Eindruck, erstaunlicher Weise: Der Ölberg in der Ferne jenseits von Ästen und Wiese ist scharf genug, dass man den Sendemast auf seiner Spitze sehr gut erkennen kann. (Beroflex 80-200mm bei ca 135mm, 1/500s, f/5,6.) OK, die Lichtstärke dieses Objektivs ist ansich schon mal ziemlich sch...lecht. Aber das Ergebnis sind auch beim zweiten Versuch durchaus brauchbar. Auch hier gefallen mir die dramatischen Wolken sehr gut.

Aber unzweifelhaft kann man mal wieder feststellen, dass die Festbrennweite die schärfsten Bilder produziert: Der Jesus an seinem Kreuz ist - was die Schärfe angeht - ziemlich perfekt für die Umstände. (Beroflex 28mm, 1/30s, f/2,8.) Trotz viel Schatten und der daraus resultierenden Offenblende habe ich an diesem Bild eigentlich nichts auszusetzen. Schöne Schattenzeichnung und auch der Film spielt gut mit, gibt die relativ helle Bildmitte gut wieder, während die einzelnen Blätter noch nicht im Schwarz absaufen. Bestes Bild bis hier hin!

Blendet man dann um eine Stufe ab und hat genug Licht, bewegt man sich direkt noch mal in einer ganz andern Klasse. (Beroflex 28mm, 1/1000s, f/4.) Habe hier auf die Latten am vorderen Ende des Anhängers gezielt, die praktisch die maximal erreichbare Schärfe aufweisen. Typisch für ein Weitwinkel wie dieses 28mm nimmt die Schärfe auch nicht merklich ab, je weiter man den Anhänger entlang schaut. Erst bei Baum, Schrott und Container im Hintergrund kann man evtl. etwas Unschärfe erkennen, und der Horizont ist dann tatsächlich verschwommen. Trotz allem sind die Wolkenfetzen noch immer sehr strukturreich. Insgesamt ein sehr stimmiges und gutes Foto mit viel Kontrast.


Um ein bisschen Unschärfe zu provozieren, habe ich den Bagger im darauf folgenden Foto mit Offenblende mitgenommen. (Beroflex 28mm, 1/1000s, f/2,8.) Noch ein sehr schön gelungenes Bild, in dem mir die Highlights an der Hydraulik im Hintergrund sehr gut gefallen. Hier kann man auch tatsächlich mal die Abschattungen zu den Ecken hin wahrnehmen und entsprechend bewerten. Ich mag das ja, es gibt den Bildern einen gewissen Vintage-Look. Andere mögen das nicht so sehr, aber es hält sich auch ziemlich in Grenzen. Ebenso verhält es sich mit den Schärfe-Verlusten in den Ecken (beim FF links unten gut zu beobachten): Für ein Dritthersteller-Objektiv durchaus OK. Keine Ahnung, was das damals gekostet hat; ich nehme an, es war eines der günstigeren, aber auch nicht unbedingt das Billigste.

Das folgende Pferdeportrait habe ich dann wieder mit dem Tele-Zoom gemacht. (Beroflex 80-200mm bei ca 120mm, 1/125s, f/5,6.) Gefällt mir auch ziemlich gut: Die Strähnen sind einigermaßen scharf - besser wird es mit dem Objektiv wohl nicht - dafür ist die Hintergrundunschärfe durchaus brauchbar. Insgesamt ein nettes Bild, finde ich - mit den üblichen Einschränkungen, die immer für alte, günstige Tele-Zooms gelten. Was auch ein bisschen unfair ist: Fotos, die man damals mit einer Ausrüstung für den fortgeschrittenen Amateurbereich gemacht hat, waren auch nicht dafür gedacht, dass man sie bei Full-HD-Auflösung auf einem 24"-Monitor betrachtet. Abzüge in 15x10 cm waren normalerweise das Höchste der Gefühle, vielleicht mal hin und wieder eine "Poster"-Vergrößerung auf 30x15 cm. Da brauchte man keine Auflösung wie bei modernen Objektiven für Digitalkameras, bei denen man jedes Pixel zählen kann. In den letzten 40 Jahren hat sich auch in der optischen Technik einiges getan, man denke nur an die zwischenzeitlich stattgefundene digitale Revolution, die Linsenrechnungen und -simulationen so viel einfacher und präziser gemacht hat, oder die Entdeckung von hochbrechenden Materialien und verbesserten Beschichtungen.


Von solchen Entschuldigungen für die mäßige Abbildungsleistung von alter Technik zurück zu meinen Fotos und dieser Ziege, die der Meinung war, dass das Gras auf der anderen Seite des Zauns definitiv grüner ist. (Beroflex 80-200mm bei ca 80mm, 1/60s, f/5,6.) Das größte Problem bei diesen Tele-Zooms ist das viele Licht, das man braucht, um einigermaßen passende Belichtungszeiten hin zu bekommen. Hingegen ist die Schärfe bei Minimalbrennweite selbst auf diese Entfernung, die ziemlich nah am unteren Ende der Fokusskala lag, im Vergleich zu den anderen Bildern ziemlich gut. Nettes Foto.

Trotzdem, die schärfsten Bilder habe ich an jenem Tag mit der Festbrennweite gemacht, so auch diese kleine Ausstellung von Dingen, die man auf Zaunpfosten lagern kann: Alte Kindergummistiefel, Tassen und Blumentöpfe. (Beroflex 28mm, 1/30s, f/5,6.) Für zusätzliche Schärfe habe ich hier zwei Stufen abgeblendet, was sich scheinbar auch ausgezahlt hat: Das ganze Bild ist scharf. Die Verzerrungen in den Ecken halten sich auf jeden Fall besser in Grenzen als bei dem ganz billigen Travenar, das ich für M42 habe, sind aber noch wahrnehmbar. Insgesamt gefallen mir die Fotos mit diesem Objektiv trotzdem am Besten, sie bieten für meinen Geschmack genau die richtige Mischung aus moderner Schärfe - zumindest in der Mitte - und ganz leichter vintage-retro Unschärfe und Verzerrung zu den Kanten hin. Außerdem ist der Kontrast bisher in allen Bildern ziemlich Klasse gewesen.


Selbst bei dem im Schatten stehenden Stuhl ist genug Kontrast vorhanden. (Beroflex 28mm, 1/125s, f/2,8.) Da muss ich aber auch der Belichtungsmessung der Kamera noch mal ein Log aussprechen: Das ist keine einfache Situation gewesen. Dass das Motiv jetzt eher langweilig geraten ist, da kann beide nichts dafür, das lag am Fotografen, der nicht nah genug an den Stuhl ran gerobbt ist: Ein Meter mehr hätte wahrscheinlich eine ganz andere Wirkung erzielt.

Zurück den Berg hoch bietet sich ja immer wieder der Kirchturm an, vor allem, wenn unter so einem spektakulären Sonnenuntergang liegt. (Beroflex 28mm, 1/1000s, f/5,6.) Hier gibt es nicht viel zu sagen, außer: Scharf, kontrastreich, nur minimale Abschattungen in den Ecken, gute Belichtung. Gefällt mir.

Als wir dann näher kamen, habe ich das Normal-Zoom noch mal drauf geworfen und ein Vergleichsbild gemacht. (Exakta 35-70mm bei 70mm, 1/1000s, ca f/11.) Man sieht: Wenn man weit genug abblendet, wird es auch mit diesem Objektiv scharf und man erhält sogar einen brauchbaren sechstrahligen Sonnenstern. Tolle Wolkenstrukturen. Alles in Allem muss ich aber zu diesem Objektiv sagen, dass es wahrscheinlich das schlechteste oder zumindest am wenigsten nützlichste der drei ist. Deswegen, wie eingangs erwähnt, auch meine anhaltende Suche nach einem Nifty Fifty für Minolta-Bajonett. Bisher waren die mir nur alle zu teuer, dafür dass ich es nicht so wirklich brauchen würde...


Zuletzt und als Abschiedsgruß aus Rott: Der Kirchturm aus direkter Nähe. (Beroflex 28mm, 1/250s, f/4.) In der tiefstehenden Sonne kommt jeder einzelne Backstein so richtig zur Geltung. Sehr cooles Foto! Ebenfalls eines der Besten auf diesem Film. In den Wolken oben machen weder Abschattung noch Unschärfe groß etwas aus, am unteren Rand ist beides erstaunlich gut unter Kontrolle. Wieder kann ich nur sagen, das 28mm gefällt mir von den dreien am besten!

Erstes kleines Fazit: Sehr schöne Kamera! Warum hat die eigentlich so lange unbenutzt im Keller gelegen? Mit ein paar besseren Objektiven hätte die auch durchaus noch die 1990er mitmachen können, wenn man auf einen Autofokus verzichten kann. Das 28mm Beroflex ist durchaus brauchbar, auf jeden Fall besser als das Travenar, das ich mal als direkten Vergleich heranziehen würde. Das 80-200mm Zoom ist OK, nur leider mit f/5,6 sehr lichtschwach. Wie man sieht, ich habe damit an diesem Tag nur Offenblendenbilder gemacht. Für das, was es ist, macht es aber auch durchschnittlich gute Bilder und liegt, denke ich, gleichauf mit meinem alten Exakta-Zoom für Nikon, das ich in den 1990ern benutzt habe. Das Exakta 35-70mm hat mir am wenigsten gefallen. Allerdings habe ich hier auch am wenigsten erwartet, sodass ich auch nicht unbedingt enttäuscht bin. In diesem Brennweitenbereich würde sich, denke ich, am ehesten ein Upgrade lohnen.

Nächstes Mal: Der Rhein bei Lülsdorf. Als ob wir den nicht auch schon (n+1)-mal gehabt hätten! ;-)

Schwarz-weiß und analog, Teil 114: Siebengebirge

Film: Fompan 100 #25, Kamera: EXA Ia, Juli 2021

Navigation: 113, 114

Heute der zweite Teil des Films, den ich mit der EXA Ia verschossen habe. Wie bereits beim letzten Mal angekündigt, hatte ich gegen Ende des Filmes Transportprobleme: Die Zähnchen an der Transportachse haben nicht mehr in die Lochung gegriffen, weil der Film offenbar zu feste aufgewickelt war und sich nicht aus der Patrone ziehen lassen wollte. Dadurch gibt es am entwickelten Film ein paar Stellen, an denen die Lochung gerissen ist. Das ist aber weit weniger problematisch, als die teilweise halb doppelt belichteten Bilder. Diese habe ich teilweise so zugeschnitten, dass die doppelt belichteten Stellen nicht mehr dran sind, teilweise habe ich es aber auch gelassen, um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie sowas aussieht.

Aber zuerst einmal kommen die Bilder, die mit dem restlichen Thema des Eintrags nichts zu tun haben: Bevor wir nämlich ins Siebengebirge gefahren sind, waren wir in Uckerath beim Drogeriemarkt, vor dessen Toren ich genau ein einziges Bild gemacht habe, nämlich von der alten Dampfmaschine. (1/125s, f/4.) Hinter dem großen Baum ist es einigermaßen schattig, sodass ich die Blende tatsächlich mal relativ weit öffnen konnte. Auf die Entfernung hält sich die Unschärfe im Hintergrund trotzdem schwer in Grenzen, nur die Bäume und das Gebäude am "Horizont" sind ein bisschen verschwommen. Die Dampfmaschine selber ist erstaunlich scharf; das Objektiv hat mich da ja schon mehrfach überrascht. Insgesamt ist das Bild hier im Schatten aber ziemlich kontrastarm.


Das zweite, nicht einsortierbare Bild, ist das letzte vom Film und zeigt den Nachbarskater auf der Veranda auf einem der Gartenstühle. (1/60s, f/4.) Leider ist er nicht ganz scharf und an der linken Seite sieht man ein Beispiel von Doppeltbelichtung. Fällt in dem Fall nicht so sehr auf, denn das Auge wandert ja automatisch zur Katze. ;-) Keine Ahnung, wie der sich auf den schräg gestellten Stühlen gehalten hat, eigentlich hätte er sofort nach vorne runter rutschen müssen.

Kommen wir nun aber zu den Bilder aus dem Siebengebirge: Geparkt hatten wir in Heisterbacher Rott vor der Kirche, von der ich auch direkt mal ein sehr schiefes Bild gemacht habe. (1/175s, f/11.) Wie man sehen kann, hier war es sehr viel heller als in Uckerath, die Sonne stand ja auch prall auf dem Kirchturm. Eigentlich ein ganz nettes Bild, wenn es nicht so schief wäre. Wieder stelle ich fest, dass die Kamera und dieses Objektiv sich ganz gut für Architektur eignet, da man sowieso zu hohen Blenden gezwungen wird. Kontrast in diesem Bild ist gut, Schärfe auf diese Entfernung sowieso.

Auch das Umspannhäuschen nebenan ist recht gut geworden. (1/175s, f/11.) Hier fällt es nicht ganz so auf, dass ich wieder die Kamera nicht gerade gehalten bekommen habe. Wie gesagt, Lichtschachtsucher machen es mir noch schwerer, habe ich den Eindruck.


Über die Hecke hinweg habe ich dann noch den Kirchturm von den Katholischen fotografiert. (1/175s, f/8.) Etwas langweilig, dieses Bild, gebe ich zu. Da macht der doppelt belichtete Rand links schon fast einen guten Eindruck! ;-) Auch hier wieder total schief. Schwamm drüber, kein besonderes Foto, an dem man nicht mal die Abbildungsleistung des Objektivs genauer begutachten könnte.

Etwas weiter den Berg hoch im Wohngebiet steht dann dieser Ersatz für ein Umspannhäuschen. (1/125s, f/11.) An diesem unscheinbaren Betonbau läuft man wahrscheinlich einfach vorbei, ohne ihn zu beachten. Ich jedoch nicht. Ich fand, die triste Schlichtheit, die Schatten und der Schmutz der Zeit auf dem strahlenden Beton waren ein Bild wert. Und tatsächlich ist es ganz interessant geworden. Tatsächlich habe ich die Kamera sogar fast mal gerade gehalten. Ganz interessantes Bild, auch wenn der doppelt belichtete Streifen links etwas blöd ist.


Ganz schlimm ist es mit der stellenweisen Doppeltbelichtung bei dem nächsten Bild geworden, das ich mal vorgezogen habe, weil ich es irgendwie anders hier nicht unter gekriegt habe: Das Boot hinter der Kneipe. (1/30, f/2,8.) Es handelt sich hier um das vorletzte Bild auf dem Film und es ist ganz schrecklich verstümmelt worden. Schade, denn hier hätte man sich mal das Offenblendenverhalten des Objektivs, gepaart mit einer langen Belichtung betrachten können. So sind die interessanten Ecken leider weg geschnitten. (Durch die starke Überbelichtung konnte ich auch vor dem Beschneiden in die Richtung keine Informationen gewinnen.) Immerhin lässt sich erahnen, dass weit offen die Schärfe auch in der Mitte nicht so berauschend ist. Kann natürlich auch daran liegen, dass ich vielleicht den Fokus nicht genau getroffen habe, aber das halte ich für eher unwahrscheinlich, denn das ganze Bild sieht sehr weich aus. Außerdem fehlt Kontrast, es war schon sehr spät und die Sonne bereits hinter den Bäumen verschwunden.

Aber weiter im Text: Aus dem Dorf hinaus ging es dann endlich in den Wald, vorbei an interessanten Felsformationen. (1/30s, f/4.) Hier war es auch bereits tagsüber sehr dunkel. So dunkel, dass ich mit dem ISO 100 Film eigentlich schon ein bisschen schlecht bedient war. Wobei man gegen dieses Bild nicht viel sagen kann: Die Flechten und Moose auf dem Fels kommen recht gut raus, obwohl es so dunkel war. Die Highlights, wo die Sonne durch das Blätterdach bricht und den nackten Stein anleuchtet, gefallen mir auch ganz gut. Außerdem habe ich es geschafft, die Kamera hochkant gerader zu halten als in Normalposition. Erstaunlich. Bei einer Blendenstufe abgeblendet sehe ich in den Ecken kaum bis keine Abschattung, ebenso keine wahrnehmbaren Verzerrungen. Das Objektiv schlägt sich also ganz gut.

Felsen sind hier übrigens das Thema des Tages. So auch auf dem folgenden Bild, bei dem das Motiv etwas mehr in der Sonne lag und demnach stärker angeleuchtet ist. (1/125s, f/4.) Sowohl die hellen als auch die dunklen Stellen sind ganz gut belichtet, selbst im Himmel kann man noch einen Verlauf erahnen. Auf diese Entfernung ist selbst bei f/4 praktisch alles scharf, wenn auch nicht so sehr, wie man das bei den größeren Blendenzahlen gesehen hat. Trotzdem denke ich, dass man durchaus mit der Leistung zufrieden sein kann. Zum Bild selber: Die felsige Struktur kommt ganz gut zur Geltung, finde ich. Dafür, dass es hier kein eigentliches Motiv gibt, ganz interessantes Foto.


Das im Gegenlicht liegende Rheintal ist hingegen leider nicht mehr zu erkennen, dafür ist das Licht- und Schattenspiel aber ganz hervorragend gelungen. (1/125s, f/11.) Liegt es an den wenigen Linsen in diesem Objektiv, dass ich selbst bei direktem Sonnenlicht keine Flares oder Ghosts sehe? Tolles Bild, jedenfalls, dass mir von allen bisher glaube ich am Besten gefällt.

Das Problem an diesem Tag war übrigens, wenn es um lange Belichtungszeiten geht, dass es einigermaßen windig war und alles etwas hin und her geschaukelt hat, was nicht fest verankert war. So zum Beispiel Blätter. Aber wie man sieht, muss das nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn so kann man durch Bewegungsunschärfe das nachbilden, was man mit dem Objektiv alleine sonst nicht so gut hin bekommt: Ein Fels in der Brandung von Ästen und Blättern. (1/30s, f/2,8.) Hier wäre ein Stativ und eine echte Langzeitbelichtung interessant gewesen. Hatte ich aber nicht. Immerhin sieht man hier die allgemeine Weichheit des Fotos bei Offenblende - diese ist also eigentlich nur für den Notfall nutzbar. Trotzdem, Abschattungen und Verzerrungen in den Ecken sehe ich auf den ersten Blich keine, und auch der zweite Blick mit der Lupe macht da kaum einen Unterschied.

Auch das zweite Bild enthält Bewegung, dieses Mal mehr im Vordergrund. (1/30s, f/4.) Durch die vielen Äste hindurch habe ich den Felsen leider nicht ganz scharf gestellt bekommen, da musste ich mehr raten als mir lieb war. Trotzdem ist die Stimmung in diesem Bild ganz gut getroffen: Tiefer Wald, grelle Sonne, Wind, leicht bedrohliches Feeling. Ganz OK geworden.


Wenn man dann jenseits des tiefen Waldes wieder mehr Licht zur Verfügung hat und die Blende wieder etwas weiter zu drehen kann, werden die Bilder auch direkt wieder schärfer. (1/175s, f/6,7.) Nach dem, was ich mit diesem Film an Erfahrung gesammelt habe, würde ich sagen: Offenbelnde nur im Notfall, f/4 hm naja, f/5,6 geht so langsam, f/8 und f/11 perfekt und bei f/16 geht es langsam wieder in die andere Richtung. Zum Motiv: Ganz OK.

Kommen wir nun zu den Bildern, die ich heftig beschneiden musste. Zum Beispiel die Hütte im Wald. (1/30s, f/2,8.) Auch hier sieht man wieder, das bei Offenblende alles etwas weich ist. Und schief. OK, da kann die Blendenwahl nichts dafür, aber es fällt doch auf. Wieder ein Bild aus der Kategorie "Schwamm Drüber".

Eher schade ist es da um den Nikolaus an der Nikolauskapelle, den ich auch schwer beschneiden musste. (1/30s, f/2,8.) Man kann kaum noch sehen, dass es sich hier eigentlich um ein hochkantes Bild gehandelt hat. Für Offenblende im Schatten ist der erstaunlich scharf geworden, oder zumindest wirkt er so - die weiter geschlossenen Bilder sind natürlich noch immer Größenordnungen davon entfernt, besonders wenn man in den Originalscan schaut. Trotzdem gefällt mir dieses Bild in seinem fast quadratischen Format ganz gut.


Ebenso geht es mir beim Spielplatz mit der Rutsche. (1/30s, f/2,8.) Auch wenn ich hier das, was ich eigentlich testen wollte, weg schneiden musste - das Verhalten bei Offenblende in den Ecken - handelt es sich doch im ein interessantes Bild. Es könnte eine Stufe heller sein, aber dann wäre es wahrscheinlich verwackelt worden. Obwohl ich das Gefühl habe, dass sich Kameras mit Lichtschacht besser verwackelungsfrei halten lassen. Zumindest habe ich hier diverse Bilder mit 1/30s gemacht, was bei einem 50mm Objektiv ja schon sehr hart an der Grenze ist. (Das Bild war übrigens nicht hochkant, ich musste nur leider so viel Doppelbelichtung an den Rändern wegschneiden, dass es beinahe so wirkt.) Was man trotzdem ncoh erkennen kann: Sehr weich, fast schon unscharf bei Offenblende, aber das hatten wir ja schon festgestellt.

Zum Schluss noch ein Bild vom Bärenklau gegen das Licht bei einer Entfernung und Blende, bei der man tatsächlich auch mal etwas Bokeh bekommt. (1/60s, f/4.) Auch wenn die Blüten nicht ganz im Fokus sind, so lohnt sich das Bild doch, denn die Blendensechsecke kommen hier richtig gut zur Geltung und werden zu den Rändern hin auch immer mehr lang gezogen. Insofern also trotz Unschärfe kein Totalverlust.


Zum Ausklang noch ein Foto vom Rheintal. (1/175s, f/11.) Wie man sieht, habe ich hier den doppelt belichteten rechten Rand noch mal extra nachbearbeitet und Helligkeit und Kontrast etwas angepasst. Hundertprozentig habe ich es nicht geschafft, aber doch so, dass man erahnen kann, wie das Bild eigentlich gedacht war. Toll jedenfalls der Dunst im Tal und die Sonne mit den Schleierwolken, und den Posttower kann man auch gerade noch so erahnen am glitzernden Band des Rheins. Schönes Foto.

Nächstes Mal: Mit dem nächsten Kellerfund, der Carena SX-300, und einem ISO 400 Film ins Nachbardorf. Soviel vorweg: Macht Klasse Fotos und ist sehr viel leichter zu bedienen als die heutige Kamera! ;-)

Blendenreinigung Minolta AF 50mm 1:1.7 (22)

Mir ist vorher noch nie so richtig klar gewesen, wie sehr die Minolta-AF- (und damit wohl auch die Sony-α-) den Nikon-AF-Objektiven ähneln: Kontakte und Chip für die "Intelligenz", ein Hebelchen für die Blendensteuerung und ein Schraub-Anschluss, um von der Kamera aus den Fokusring anzutreiben.

Aber von vorne: Vor bald zwei Jahren habe ich sehr, sehr günstig das im Titel erwähnte Minolta AF 50mm 1:1.7 (22) für das A-Bajonett erstanden, damit die Dynax 5 meines Hasens auch mal eine schön lichtstarke Festbrennweite hat. Was ich damals in meinem jugendlichen Leichtsinn offenbar vergessen habe zu überprüfen, war, ob die Blende sich auch anständig einstellen lässt. Einmal am Blendenhebel hin und her drehen hätte mir nämlich gezeigt: Nö. Da ist so viel Öl auf den Blendenlamellen, dass die Feder die nicht oder nicht schnell genug aufgezogen bekommt, um anständig belichtetet Bilder zu produzieren. So habe ich das jetzt erst gemerkt, als ich den Film gerade scannen wollte und feststellen musste, dass so ziemlich alle Bilder völlig überbelichtet sind, besonders die, die im Programmmodus gemacht wurden, der offensichtlich große Blendenzahlen bevorzugt. Hrmpf.


Also mal wieder zu meinem loyalen Schraubenzieher-Kit gegriffen und flugs die vier silbernen Schrauben aus dem Bajonett entfernt, um dieses abnehmen zu können. Darunter kommt dann die Mechanik zum Vorschein, die ich bereits oben beschrieben habe. Interessant ist allerdings, wie ähnlich sich die Macharten her sind. Außer, dass man sich hier schon sehr früh den zusätzlichen Blendenring gespart hatte, was Nikon ja noch lange mit sich herum geschleppt hat, zum Glück! Ich stelle ja auch heute noch, soweit das geht, die Blende lieber über den Ring als über das Drehrad an der Kamera ein.

Nach dem Öffnen des Bajonetts musste ich dann noch die hintere Linsengruppe entfernen - noch mal drei schwarze Schrauben, relativ lang -, um von hinten an die Blendenlamellen zu kommen. Ich bin ja niemand, der immer direkt das ganze Objektiv demontiert, um die Blende komplett aus der Fassung zu holen. Da kann man nur viel zu viel kaputt machen. Deswegen gehe ich meist so vor, dass ich von hinten (wo die Lamellen auch besonders verölt waren) mit Isopropyl und einem Wattestäbchen vorsichtig die Blende gut befeuchte und dann das Öl ebenso vorsichtig mit der anderen, trockenen Seite des Stäbchens abwische. Das reicht meistens schon. Wenn nicht, kann man sich noch immer dran geben, die vorderen Linsengruppen zu demontieren.


Auch in diesem Fall scheint das geholfen zu haben. Nach drei, vier Reinigungs-Sessions, bei denen ich auch mal die befeuchtete Blende öfter auf und zu gezogen habe, um auch etwas Alkohol in die restliche Mechanik zu kriegen und das dorthin eingesickerte Öl heraus zu befördern, waren die Lamellen wieder frei. Der Alkohol verdünnt meist auch das Öl auf der Vorderseite der Blende und die Watte saugt das dann durch die Ritzen auf, sodass sie auch auf der Vorderseite wieder OK aussieht.

Aber Aussehen ist nicht alles, es muss auch funktionieren. Deswegen vor dem Wiederzusammenbau den Bajonettanschluss kurz aufgesetzt, der auch die Feder beinhaltet, und am Hebelchen getestet, ob die Blende jetzt wieder ordnungsgemäß zufällt. Und das tat sie.


Wie man auf diesen beiden vorher-nachher-Fotes sieht, ist das schon ein deutlicher Unterschied. Im Allgemeinen lagere ich meine Linsen nach einer solchen Reinigung erstmal für längere Zeit in dem vollständig geschlossenen Zustand, damit die Alkoholreste verdampfen können und vor allem nicht neues Öl auf die Lamellen kriecht. Davon ist nämlich sicher noch welches im Rest der Mechanik, das ich mit dieser schnellen Methode ohne Komplettdemontage nicht erwischt habe. (Nicht auf der Seite lagern, übrigens, damit das Fett, wenn überhaupt, nach unten sickert und nicht auf die Lamellen.) Aber das Lagern mit geschlossener Blende ist bei Minolta offenbar nicht vorgesehen: Sowohl die Kamera als auch der zugehörige Objektivdeckel spannen die Feder und drehen die Blende auf offen. Also habe ich den Deckel jetzt erstmal nicht fest gezogen, sondern ihn nur aufgelegt. Mal sehen, wie das in ein paar Tagen ist, ob dann noch Isopropylalkoholreste auf den Lamellen zu sehen sind, wenn ich die Blende ein paar mal auf und zu drehe.

Die andere Frage ist: Was mache ich jetzt mit dem überbelichteten Film? Da sind bestimmt noch brauchbare Bilder dabei, besonders die aus dem Wald, als es relativ dunkel war und ich eh recht kleine Blendenwerte eingestellt hatte... Aber die aus Köln, aus dem prallen Sonnenschein? Naja, mal sehen, ob noch was Brauchbares dabei ist.

Schwarz-weiß und analog, Teil 113: Troisdorf

Film: Fompan 100 #25, Kamera: EXA Ia, Juli 2021

Navigation: 113, 114

Wenn man nach der Anzahl der Bilder, die ich auf einmal verballert habe, geht, dann muss dieses Stück ostdeutscher Fotogeschichte schon sehr viel Spaß gemacht haben! ;-) Und tatsächlich: So simpel, wie die Kamera aufgebaut ist, so interessant ist es, damit Fotos zu machen. Wer sich nicht auskennt: Die EXA Ia ist die Budget-Version der größeren Exa- und Exakta-Schwestern. Das war damals, als der Name noch was bedeutet hat, als die Firma Ihagee noch Waren unter diesem Namen in guter deutscher Wertarbeit zusammengebaut hat, um dem kapitalistischen Klassenfeind zu zeigen, dass sie das auch mindestens genau so gut können. Einziges Problem: Diese Dinger sind bis in die 1980er gebaut und verkauft worden, als die ersten japanischen Kamerahersteller schon bald jahrzehnte lang TTL-Belichtungsmessung und Kameras mit Belichtungszeiten bis zu 1/4000s gebaut haben und der Autofokus so langsam in Mode kam. Währenddessen blieb diese Kamera auf dem Stand der Technik von 1960 stehen: Kein Belichtungsmesser, ein Sucher in einem Lichtschacht, und keine Spur von einem Verschlussvorhang, der schneller Zeiten ermöglicht hätte. 1/175s ist das schnellste, was geht. Also eine halbe bis zweidrittel EV schneller, als ich für Sunny Sixteen brauchen würde, immerhin.

Diese Technik aus den 1960ern hat allerdings auch Vorteile: Sie ist praktisch unkaputtbar, denn alles ist rein mechanisch und solange hier nichts eintrocknet oder verrostet, kann man praktisch immer und überall Fotos machen. Ein Belichtungsmesser wäre zwar hilfreich, aber ich habe ja eh immer eine Digitalkamera oder zumindest ein Handy dabei, mit dem man das eben mal so erledigen kann. Es gibt ja für alles eine App heutzutage. Außerdem ist das altmodische Domiplan-Objektiv erstaunlich scharf, wie ich selber feststellen konnte. Und damit kommen wir jetzt auch endlich zu den Bildern, die ich hier heute vorstellen wollte. Entstanden sind sie alle im Juli in Troisdorf, während ich mal wieder nicht mit ins Wartezimmer durfte. Blöde Pandemie!

Deshalb zeigt das erste Bild auch die Außenfassade des Troisdorfer Krankenhauses, bzw die Kapelle im Vordergrund. (f/8, 1/175s.) Wie man an den Werten ablesen kann: Es war sehr hell und die Fassade ist ja auch nicht gerade dunkel gestrichen. Auf den ersten Blick kann man hier sehen, wie gut das Objektiv Kontraste wiedergibt, was auch sehr zum Schärfe-Empfinden beiträgt. Fokussiert hatte ich auf das Kreuz der Kapelle und bei f/8 sind die Fenster in der Fassade praktisch ebenfalls scharf. Man kann jedenfalls die Klammern, die die Waschbeton-Blöcke zusammenhält, noch sehr gut erkennen. Im Vordergrund ist es etwas unschärfer: Die Blätter des Busches sind bereits ziemlich unscharf und das, was vom Parkplatz-Schild am unteren Rand ins Bild ragt, ist praktisch ganz außerhalb des Tiefenschärfebereichs. Hier habe ich also einen guten ersten Eindruck dessen, was uns im Rest des Films erwartet, denn es gibt heute tatsächlich nur ein einziges Bild, dass ich mit Offenblende machen konnte. Es war halt Sommer und sehr sonnig! ;-)


Eines der Bilder, die immerhin mit beinahe offener Blende entstanden ist, ist der Gedenkstein, an dem man auf dem Weg zur Burg Wissem vorbei kommt. (f/3,5, 1/175s.) Hier, unter den schattigen Bäumen, konnte ich so zumindest Ansatzweise das Bokeh-Verhalten bei sehr nahem Fokus austesten. Die Blenden-Kreise werden zu den Ecken hin immer länglicher, aber ein echtes Swirl wie beim Helios stellt sich noch nicht ein. Gleichzeitig sind die sechs Ecken der Blendenlamellen aber noch nicht so richtig wahrnehmbar; da ich ja gerade mal um eine halbe Stufe abgeblendet habe, sind die noch ziemlich rund. Im Vordergrund ist der Stein sehr scharf: Ich hatte das D scharf gestellt und nur die ganz nahe liegenden Buchstaben verschwimmen langsam: O und P sind so scharf, wie es geht, F und E werden langsam unscharf und R und N sind dann bereits so weit aus dem Fokus heraus, dass man sie getrost als unscharf bezeichnen kann. Erstaunlicherweise ist die Unschärfe und der Übergang ziemlich sanft. Auch zu den Ecken des Steins hin halten sich die Verzerrungen noch sehr in Grenzen, was man auf Grund der oben beschriebenen verzerrten Blenden-Kreise eigentlich nicht erwarten würde.

Als ob ich das bestätigen hätte wollen, habe ich nebenan dann noch das Wegekreuz und den daran hängenden Jesus fotografiert und dieses Mal konnte ich die Blende tatsächlich komplett offen lassen. (f/2,8, 1/125s.) Außerdem ist es das erste Bild, bei dem ich mal eine andere als die allerschnellste Zeit verwenden konnte, auch wenn es nur etwa eine halbe Blendenstufe ist. Von so weit unten hoch zu fotografieren, ist mit einem Lichtschacht-Sucher nicht ganz einfach; ich musste mich schon ziemlich verrenken, um den Bildausschnitt hin zu bekommen, den ich haben wollte. Deswegen ist der Jesus leider nicht ganz scharf geworden. Die Abbildungsleistung des Objektivs ist trotzdem relativ gut abzuschätzen und auch hier für sowas altmodisches auch gar nicht so schlecht. Obwohl ich hier direkt ins Licht fotografiert habe und dementsprechend die Mitte ziemlich überbelichtet ist, sieht man keinerlei Flares oder Ghosts, und auch der Kontrast ist durchaus noch OK. Bei einem Farbfilm würden mich an den Übergängen zwischen Kreuz und Himmel noch die Chromafehler interessieren, die man in s/w natürlich nur raten kann. Ich glaube allerdings, dass die Linsen, wenn überhaupt, nicht besonders hoch vergütet sind und sich das Objektiv so wahrscheinlich eher für s/w eignet - obwohl es im Internet sehr viele Leute gibt, die es auch auf moderne Digitalkameras adaptiert haben und da recht gute Farbbilder bei raus kommen.

In die andere Richtung, den Weg zurück zum Krankenhaus runter habe ich dann auch mal einen Schuss abgegeben und diesen E-Scooter getroffen. (f/4, 1/125s.) Die Unschärfe ist hier im Hintergrund etwas nervös, finde ich, fast schon stressig. Passt gut zum geparkten Scooter, der möglichst schnell wieder los will, aber persönlich kriege ich da ein unangenehmes Kribbeln in den Neuronen, was nur schlimmer wird, je länger ich hin gucke! ;-) Cooles Bild, besonders die kaum noch als solche erkennbare, sich entfernende Person auf dem Bürgersteig, aber ich kann es glaube ich nicht viel länger beschreiben, weil mir schwindelig wird. Wenn man schnell noch genau hin schaut, zB oben links in den Bäumen, sind auch hier die Blendenkreise noch sehr lang gezogen. Gut, f/4 ist ja auch nur eine Stufe abgeblendet.


In die andere Richtung steht das weiße Fahrrad, um die Autofahrer an all die Radfahrer zu erinnern, die ständig überall geplättet werden. (f/5,6, 1/175s.) Hier sieht der Hintergrund viel ruhiger aus. Da wir hier einen einigermaßen gleichmäßigen Vordergrund aus Gras haben, kann man auch mal die Vignettierung in den Ecken beurteilen: Hält sich, zumindest bei dieser mittleren Blende, sehr in Grenzen. Schärfe ist sehr schön, das Fahrrad kommt gegen die dunkle Wand und Hecke recht gut raus. Wenn es jetzt noch gerade wäre, wäre es ein gutes Bild. ;-)

Vor dem Eingang zum Schloss stand dieser dreirädrige Alfa Romeo Lieferwagen herum. (f/5,6, 1/125s.) Ich glaube, den habe ich schon öfter dort gesehen, ist also wohl nichts Besonderes. Aber die Reflexe auf dem frisch geputzten Lack haben mich dann doch ein Bild machen lassen. Auch hier ist die Hintergrundunschärfe etwas unruhig, aber nicht ganz so schlimm wie beim E-Scooter oben. Wiedermal etwas schief, ich muss mit dem Lichtschacht echt mal üben. Nicht, dass ich mit einem Prisma bessere Ergebnisse hin bekommen würde! ;-)


Die Stele mit Gesicht vor der Burg ist dann wieder bei weiter abgeblendeter Blende entstanden und direkt ist die Nervosität des Bokehs nicht mehr ganz so ausgeprägt. (f/8, 1/125s.) Ich habe den Eindruck, das Objektiv eignet sich tatsächlich am Besten für weiter geschlossene Blenden. Das altmodische Design mit nur drei Linsen in drei Gruppen hat schon einen sehr heftigen Retro-Effekt. Das heißt nicht, dass man nicht interessante Bilder damit machen kann; im Gegenteil. Man muss sich nur eben drauf einlassen und etwas üben, was in der schnelllebigen Zeit und vor allem auf teurem Film nicht ganz so einfach ist. ;-)

Vor der Burg stehen ja auch noch andere Kunstwerke, zum Beispiel diese alt bekannten Metalltypen. (1/125s, f/8.) In diesem Bild habe ich sie extra mal hintereinander und vor dem Fahrradständer positioniert, um genau den Bereich abzuschätzen, in dem man brauchbare Schärfe erhält. Fokussiert habe ich dabei natürlich auf den vordersten Metalltypen. Der hintere ist schon nicht mehr 100% scharf, aber auf einem normalen Abzug würde das noch kaum auffallen. Erst die hintersten Fahrradständerringe sind wirklich richtig unscharf. Vom Motiv her: Auch ganz witzig, aber ich hatte mir etwas mehr erhofft.


Die Typen aus Stein um die Ecke sind hingegen viel besser geworden, weil die Sonne sie gerade voll angeleuchtet hat, während dahinter nur schattiger Wald und dessen Unterholz liegt. (1/125s, f/8.) Klasse Bild, das mir sehr gut gefällt. Selbst im Schatten ist noch viel Struktur zu erkennen. Die Stele selber ist richtig scharf, vielleicht sogar schon überscharf. Der Schatten jedes einzelnen Grashalms kommt plastisch heraus. Gutes Bild, bei dem man erkennen kann, was diese billige kleine Kamera unter den richtigen Voraussetzungen zu leisten vermag!

Jetzt noch ein Gegenlichttest: Ein Birken-Ast, der aus dem alten Gemäuer hinter der Burg heraus wächst. (1/175s, f/16.) Hauptsächlich wollte ich mal sehen, was passiert, wenn man tatsächlich auf minimale Blende abblendet. Tatsächlich sind die Blätter nicht so scharf, wie man erwarten würde. Zuerst habe ich gedacht, ich hätte den Fokus nicht genau getroffen, aber bei der Blende sollte das keinen Unterschied mehr machen, wo ich hin fokussiere. Daraus entnehme ich, dass die Schärfe schon deutlich nachlässt, wenn man so weit abblendet. Stichwort Diffraktion und so. Ich schätze, von den Bildern her, die ich gemacht habe, dass die beste Schärfe tatsächlich bei f/8 liegt.

Von hier aus bin ich dann in die Stadt runter gegangen und dabei an der Schule vorbei gekommen, die hier steht, die mit einigen Graffiti verziert ist. (1/175s, f/8.) Schönes Bild, das uns aber leider nicht viel Neues über Kamera und Objektiv erzählen kann: Kaum Verzerrung an den Ecken, vielleicht ein kleines Bisschen Pincushion; schöner Kontrast; extrem scharf in der Mitte und noch immer sehr scharf zu den Ecken hin. Die Kamera kann was! Was man ihr eigentlich nicht zutraut.


Am Beginn der Fußgängerzone stehen dann die Scheiben, die als Wasser-Kunstinstallation ein bisschen Kultur nach Troisdorf bringen. (1/125s, f/16.) Noch ein Test bei vollständig geschlossener Blende. Hier scheint mir die Schärfe besser zu sein, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich nicht direkt in die Sonne fotografiert habe. Hochkant ist mit Lichtschacht auch nicht einfach, ich bin erstaunt, dass ich das so gerade hin bekommen habe. Die Schatten auf dem Boden kommen extrem schön rüber. Auch eines der besseren Bilder auf dieser Rolle!

Das magenta Motorrad konnte ich auch nicht einfach so am Rande stehen lassen und musste ein Bild mitnehmen. (1/125s, f/6,7.) Im Schatten konnte ich die Blende endlich wieder etwas öffnen. Praktisch, dass das Objektiv auch halbe Blendenstufen kann, das war hier ganz hilfreich, wollte ich doch einen möglichst weiten Bereich verwenden, damit ich am Ende auch wirklich sagen kann: Ja, ich hab alles mögliche getestet. Gut, bei dem vielen Licht sind langsame Zeiten erstmal nicht drin gewesen, aber dafür war ich mit dem zweiten Teil des Films ja im Siebengebirge im Wald, da war es schattig. Siehe nächsten Teil! ;-)

Die Kugeln im Wasser sind ja eine weiter Kunstinstallation in der Fußgängerzone. (1/125s, f/9,5.) Dieses Bild gefällt mir auch ziemlich gut, besonders die Highlights in der Kugel. Schärfe im Vordergrund ist wieder sehr schön, aber der Hintergrund ist mir etwas zu scharf. Die halbe Blende, die ich da noch an Spielraum gehabt hätte, hätte aber sicherlich keinen großen Unterschied gemacht. So ist es, was es ist: Durch und durch scharf, was mir insgesamt tatsächlich sehr gut gefällt, im Gegensatz zu dem, was ich am Anfang gesagt habe. Man muss ja nicht immer das Mega-Bokeh haben! ;-)


Als ich den Hund fotografiert habe, kamen ein paar kleine Mädchen und sammelten den ein und guckten mich schon so seltsam an, was ich da wohl machen würde; siehe sandalenbewehrten Fuß am rechten Rans. ;-) (1/125s, f/8.) Niedlicher kleiner Köter, der durch die plötzliche Kopfbewegung leider etwas unscharf geworden ist. Trotzdem ganz witziges Bild.

Ansonsten müssen die Mädchen gedacht haben, der alte Perversling mit der Kamera würde sie verfolgen, aber ganz ehrlich, was weiß ich, dass die in dem Haus mit der hübschen Bank wohnen?! ;-) (1/60s, f/11.) Weil ich dann doch mal wissen wollte, ob die langsameren Zeiten auch gehen, habe ich hier mal mit 1/60s experimentiert. Scheint zu funktionieren. Außerdem hat mir das die Gelegenheit gegeben, die ganze Bank in all ihrer Verziertheit scharf zu bekommen und außerdem auch alles andere, was im Bildausschnitt zu sehen ist. Frage mich allerdings, was die mit der Kette da machen? Den mega-gefährlichen Hund anketten? Oder den Opa?! :-D ;-)


Danach ncoh ein kleiner Abstecher zurück in die Innenstadt, wo ich die anderen nassen Glasscheiben fotografiert habe. (1/175s, f/8.) Auch hier ist praktisch wieder alles im Fokus. Eigentlich ganz passend für so eine Straßen-Stadt-Szene. Allerdings fühle ich mich bei so viel Schärfe ja immer etwas abgelenkt. Aber so ist das bei dieser Kombination von Objektiv und Kamera halt: Schneller geht halt nicht, wenn es so hell ist! ;-) Aber ohne die Helligkeit wären die Bilder wahrscheinlich auch nicht so kräftig kontrastreich!

Eigentlich war ich ja noch auf dem Weg zur Kirche um die Ecke, aber ein Blick auf die Uhr sagte mir dann: Es ist Zeit zum Krankenhaus zurück zu gehen und dort die Mutter einzusammeln. Auf dem Weg noch eben ein Foto von der Kunst im Vorgarten neben dem Haupteingang gemacht. (1/125s, f/11.) Bin mir nicht sicher, aber ich glaube das ist tatsächlich das beste Bild von diesem Tag. Viel mehr muss ich glaube ich nicht sagen. Gefällt mir richtig, richtig gut.

Vorläufiges Fazit: Wenn man Sunny 16 kann, oder zumindest eine passende Handyapp, die einem die passenden Belichtungszeiten anzeigen kann, kann man sehr viel Spaß mit dieser kleinen Kamera haben, die einen zum kreativen Denken herausfordert. Bei den Belichtungszeiten ist man zwar sehr eingeschränkt, aber dafür gibt es ein sehr interessantes Objektiv.

Nächstes Mal, wie bereits angedeutet: Das Siebengebirge! Leider gab es da ein paar Filmtransport-Probleme, denn der Foma ist in seiner Patrone offenbar etwas stramm gewickelt gewesen und die Nüppel an der Transportwelle sind schon etwas abgenudelt. Egal, Bilder gab es trotzdem welche.