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Minolta AF 70-210mm 1:4 (32)

Auf dem Flohmarkt am 26.4. in Hennef (Stadt) habe ich nicht nur die F80 mit gebracht, sondern auch noch dieses wunderschön erhaltene Minolta 70-210mm 1:4 (32) abgegriffen, inklusive Neoprenbeutel und dieser wunderschönen (hust) braunen Fototasche. Auch recht günstig, alles zusammen als Bundle für 23€. Da kann man sich glaube ich nicht beschweren, alleine der Köcher-Beutel kostet ja neu schon um die 10, in der Größe vielleicht sogar mehr.


Bei dem 70-210/4 handelt es sich um eines der so genannten "Ofenrohre" (im Englischen auch "Beercan" genannt). Wenn man sich Form und Farbe so anschaut: Joah, passt. Dieses sepzielle Exemplar mit den durchgehenden f/4 wird im Netz recht hoch gehypt und kostet bei eBay eine Stange Geld, weshalb ich jetzt doch mal gespannt bin, ob der Hype hält, was er verspricht. Von Außen kann ich auf jeden Fall schon mal bestätigen: Das Gewicht verspricht schon mal viel Glas und einiges an Metall. Minolta-Objektive sind im Allgemeinen ja recht solide verarbeitet und das hier macht da keinen Unterschied.

Schön ist, dass sich die Sonnenblende, die dabei war, umgekehrt aufsetzen und so verstauen lässt. Ist zwar nicht so eine schöne Lösung wie so eine ein- und ausfahrbare, aber doch the next best thing. Deckel waren auch beide dabei, was will man mehr? Außerdem hat es kaum Abnutzungsspuren, es scheint also gut behandelt worden zu sein. Da in der Tasche ein Buch über die Minolta 7000 steckte, nehme ich an, dass es wohl aus einer ähnlichen Zeit stammen wird: Also so um das Ende der 1980er herum. (Die Wikipedia sagt: 1985.)


Warum ist dieses Objektiv so beliebt? Von dem, was ich gelesen habe, liegt es wohl daran, dass die anderen beiden Linsen in diesem Brennweitenbereich, das 1:3.5-4.5 und das 1:4.5-5.6, deutlich schlechter sein sollen. Das kann ich jetzt natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen, weil ich beide nicht habe. Möglich wäre es natürlich. Da ich auf dem Flohmarkt ja eh die Sony mit Adapter dabei hatte, war es natürlich ein Leichtes, das mal eben drauf zu schrauben und einen ersten Eindruck zu bekommen. Der war erst mal gut, genaueres würde ich dann zu Hause nachschauen. Man muss sich die Bilder schon in Groß anschauen, um überhaupt erkennen zu können, was so ein Optik leisten kann.

Bevor wir uns aber zu den Testbildern aus dem Garten gesellen, hier noch ein Foto von der Tasche und eins vom Buch, das mit dabei war. Jetzt fehlt mir nur noch die 7000 zu dem Buch! Ich habe ja nur die etwas modernere 7000i, die schon Dynax hieß. ;-) (Nicht, dass ich euch nicht mit Minoltas zuwerfen könnte!)


Dann habe ich das Objektiv am Nachmittag, nachdem ich mit der Reinigung der F80 fertig war, direkt noch mal auf den Adapter montiert und siehe da: Das Ding kann tatsächlich was! Für ein 40 Jahre altes Zoom-Objektiv definitiv eine Revolution! Es wiegt zwar wirklich gut was, aber das macht die Sony sogar nur noch besser handhabbar; die ist mir manchmal ja schon ein bisschen zu leicht. Da man bei 210mm auf 1,10m an seine Subjekte ran gehen kann, erhält man eine recht große Vergrößerung von 1:4 - der als "Macro" beschriftete Teil der Entfernungsskala ist in diesem Fall also tatsächlich mal sinnvoll! Die Auflösung ist gut bis sehr gut, die Schärfe kann was und der Kontrast ist erstaunlich. Ich bin ja ein Freund von Minolta-Optiken, aber diese hier ist mindestens so scharf wie das 100-200/4.5, das ich habe, aber ohne die manchmal störenden Vignettierungen an den Ecken. (Das 100-200 eignet sich gut für Portraits, finde ich, weil es den Blick in die Mitte drängt. Aber ich bin ja auch altmodisch! ;-) Nein, sorry, vintag! :-D) Das macht dieses hier deutlich weniger.


Das Bokeh ist gefällig und gleichmäßig. CA hält sich (für das Alter der optischen Rechnung) schwer in Grenzen und ist eigentlich so gut wie nicht vorhanden. Im Flieder kann man grüne Ränder im Hintergrund erkennen, die aber nicht zu störend sind. Unter normalen Bedingungen fällt das kaum auf, die Pixel Peeper werden trotzdem schreien! ;-) Hingegen ist die Schärfe schon erstaunlich. Man kann wirklich jedes einzelne Haar im Katzenfell zählen. Wenn ich das erste Bild nicht so verwackelt hätte. Vielleicht hätte ich mal Auto-ISO einstellen sollen! ;-)


Dann noch ein paar Bilder in die Unendlichkeit. Der Fokus müsste wahrscheinlich auch angepasst werden, da der Adapter ein bisschen zu hoch ist. Aber der allgemeine Eindruck ist auch bei Offenblende noch scharf genug. Bei f/8 kann man noch immer Sprossen am Funkmast zählen. Mit 210mm ist es jetzt nicht besonders lang, aber ich habe den Eindruck, dass man hier auch mit einer neueren Kamera mit höheren Auflösungen noch gut aus der Mitte croppen könnte, wenn man sowas wollte. Wirklich, dafür, dass ich ja eigentlich noch nie ein schlechtes Minolta in den Händen hatte, erstaunt mich dieses hier doch noch mal, dass die das damals geschafft haben, so ein massives Zoom zu bauen, das in den Bildern nachher (fast) gar nicht wie ein Zoom aussieht!


Fazit: Vielleicht hat das Internet ja doch mal recht! Ich müsste natürlich selber mal einen Vergleich mit den vermeintlich schlechteren 70-210ern machen, aber dafür müsste ich erst mal welche finden. Dieses Objektiv kommt auf jeden Fall in meine Tasche und wird uns in Zukunft häufiger begegnen. Das 100-200 werde ich trotzdem nicht weg geben. Das hat mehr vintage feeling mit seinen dunklen Ecken.

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