Skip to content

Parallele Filmentwicklung am Sonntag

Heute mal wieder schnell zwei Filme entwickelt. Das bedeutet, dass ich jetzt sechs (6) hier liegen habe, die ich mal durch den Scanner jagen müsste. Wird echt mal Zeit!

Heute jedenfalls die beiden, die ich gestern und vorgestern verschossen habe: Ein Kentmere 100 in 120 Format, den ich in der Gevabox hatte, und ein Fomapan 200, der hier oben rum lag und schon einiges an Wärme abbekommen hatte und den ich dementsprechend nicht wieder zurück in den Kühlschrank stellen wollte, den ich mit der Agfa Silette L belichtet habe. Muss ja mal weg, der wird ja nicht besser. Ich glaube, den hatte ich schon zum TR Orga letztes Jahr aus der Kühlung genommen. Oder noch länger. War jedenfalls in der Tasche mit einer der Minoltas, ohne Verpackung. Keine Ahnung, ob der nicht auch langsam mal abgelaufen war. Wie gesagt, ich muss mal neue Filme bestellen, aber ich hatte mir eigentlich vorgenommen, vorher mal die Reste so weit zu dezimieren, dass das nicht mehr so ein wildes Durcheinander gibt, wenn ich jetzt wieder neue dazu lege. Nur: Je länger ich warte, desto teurer werden die! Filmpreise sind in den letzten Jahren, seit ich wieder angefangen habe mit dem Hobby, ja extrem durch die Decke gegangen! Inflation und Covid und Brexit und hastenichgesehen und Lieferketten und Trump und die Chinesen und alles ganz schlimm!


Jedenfalls! Wie man sieht, habe ich beide Filme mal wieder parallel entwickelt, in zwei unterschiedlichen Dosen, weil völlig andere Zeiten. Aber nachdem ich letztes Mal ja gesagt hatte, dass ich das eigentlich nicht mehr machen wollte, habe dieses Mal vorher ein bisschen nachgedacht und einen Plan gefasst und mich dran gehalten (ganz wichtiger Schritt) und siehe da: Das ging erschreckend stressfrei! Da könnte ich glatt noch einen dritten gleichzeitig... NEIN! PFUI! ;-) Wobei mir einfällt, ich hab auch die antike Jobo-Dose noch gar nicht getestet, der ich statt dem fehlenden Innenrohr das lackierte untere Teil eines Kulis verpasst habe. Wird irgendwie ja doch mal Zeit! ;-)

Ansonsten, wie gesagt, ging die Entwicklung sehr gut: Habe den Kentmere als erstes angestellt, dann nach 5 Minuten auch den Foma, sodass die etwa 10 Sekunden mit dem Bewegen auseinander lagen. Das hat mir genug Ruhe verschafft und sie waren mehr oder weniger gleichzeitig fertig.


Ob die Silette L jetzt aber anständig scharfe Bilder macht, weiß ich so leider noch immer nicht wirklich. Muss ich erst scannen. Ich mein, die sehen gut aus, die Nummernschilder etwa sind alle knackig scharf auf den Fotos von den Fotos. Aber die Testbilder, das eine vom Bahnhof, das andere von der Lego-DC3 in deren Store, jeweils bei 1m und bei Unendlich, sehen jetzt nicht so dramatisch unterschiedlich aus. Wir werden sehen, wenn ich sie durch den Scanner gepackt habe. Aber das kann dauern. Vielleicht sollte ich den Film vorziehen...

Agfa Silette L (1956) mit Color-Solinar 1:2,8/50 und Compur Rapid

In der Kiste, die ich vom letzten Tomb Raider Meeting mit nach Hause gebracht habe, war auch noch ein anderes kleines Schätzchen: Eine Agfa Silette L (soweit ich das dem Netz entnehmen kann in der Ausführung von 1956) mit einem (für die Zeit und diese Art von Kamera) recht lichtstarken Color-Solinar 1:2,8/50 und einem schnellen Compur Rapid Verschluss. Insgesamt eine sehr spannende Kombination, die - wenn die Datierung stimmt - dieses Jahr 70 Jahre alt wird! Und Spoiler: Sie funktioniert! Und sieht darüber hinaus auch noch schick aus!


Was hier direkt ins Auge fällt, ist der Lichtmesser vorne am Gerät. Hier handelt es sich um einen passiven (also nicht batteriebetriebenen) Messer, der oben auf dem Top Deck der Kamera ein kleine Nadel hin und her pendeln lässt. Ich nehme an, da drin steckt eine gute alte Selen-Fotozelle. So viele von den Dingern sind mit den Jahren kaputt gegangen, weil die Leute die Kamera nicht wieder in die Schutztasche gesteckt haben und die andauernde Belichtung der Fotozelle diese hat über Maßen altern lassen. Nicht so hier: Die Nadel schlägt recht zuverlässig aus, sowohl im offenen wie im geschlossenen Zustand. Hier kann man dann über ein Drehrad einen Zeiger einstellen, bis dieser mit der Nadel übereinstimmt, und dann die EV ablesen, welche man wiederum auf die Blende übertragen kann. Blenden- und Zeit-Ring sind miteinander gekoppelt, sodass man - wenn man einmal die korrekte Belichtung eingestellt hat - nur noch an einem der Ringe drehen muss, um die verschiedenen Kombinationen durchgehen zu können. Clever.

Das einzige Problem, das diese Kamera hatte, als ich sie bekommen habe: Der Fokus-Ring steckte fest und nur mit ganz sanfter Gewalt ließ er sich ein bisschen zwischen Unendlich und 10m bewegen. Ich habe mein übliches Allheilmittel benutzt, um den Dreck da drin ein bisschen aufzulösen: Kontaktreinigerspray! Das hat mir in solchen Fällen noch immer gute Dienste erwiesen. Auch so hier. Leider kann ich nicht erkennen, ob sich an der Fokussierung tatsächlich etwas ändert, wenn ich jetzt am Ring drehe. Es könnte also sein, dass der aus anderen Grünend als den allgemeine Alterungserscheinungen feststeckte: Vielleicht hat die Kamera mal einen Schlag auf die Nase gekriegt. Bei anderen Sucherkameras dieses Alters bin ich das gewöhnt, dass das Frontelement raus und rein geschraubt wird, aber hier tut sich nichts. Vielleicht muss ich doch mal rein schauen...


Aber ansonsten macht diese Kamera einen Eindruck wie neu. Als wäre sie noch nie aus der Verpackung genommen worden. Alle mechanischen Teile wie der Spannhebel und der Verschluss funktionieren zufriedenstellend nach all der Jahrzehnten - ob die Zeiten noch richtig laufen, kann ich natürlich nur raten, aber zumindest die schnellen scheinen zu tun, was dran steht. Auch das kleine Bild-Zählwerk am Spannhebel funktioniert. Der Verschluss ist übrigens die "bessere" Version mit 1/500s als Minimalgeschwindigkeit. Andere, die ich im Netz gefunden habe, enden bei 1/250s oder 1/300s. Die haben außerdem meist eine Brennweite 45mm statt der 50mm wie diese hier. Ob das jetzt eine besondere Version ist, weiß ich auch nicht; in den 1950ern war es ja Gang und Gäbe, das zu verbauen, was gerade in der Fabrik verfügbar war. Die Linsen unterscheiden sich alle untereinander ja nur minimal, es handelt sich eh meist um einfach Tripplets, die ungefähr die gleichen Eigenschaften haben. Es würde mich zB nicht wundern, wenn der Sucher immer den gleichen Ausschnitt zeigen würde, egal ob ein 45er oder ein 50er verbaut wurde.

Bleibt also eigentlich nur, das gute Stück mal mit einem Film zu testen. Aber ich glaube, so langsam muss ich mal neue bestellen, der Kühlschrank ist so leer! Ich habe auf dem Meeting jetzt mal den ostdeutschen Wolfen verschossen, den ich vor zwei, drei Jahren gekauft, aber nie benutzt habe. Der ist nämlich auch mittlerweile abgelaufen, während die Kentmeres alle alle sind. Fomas habe ich auch nur noch ein paar. Das wird wieder teuer! ;-) Zum Glück hab ich noch genug Entwickler rumliegen!