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On Mars

2.8.: Zwischen all den inflationär-vielen Brettspielen mit dem Thema Weltraum-Strategie und -Besiedelung sticht On Mars noch einmal besonders heraus, aus zwei Gründen: Es ist das komplexeste und wahrscheinlich auch das teuerste! Deshalb waren wir sehr angetan, als wir das letzten Monat für nicht ganz so großes Geld im mehr oder weniger lokalen Handel gefunden haben. Ich mein, das ist echt schon eine Investition. J versucht ja immer, den Preis pro Spiel auf unter 5€ zu drücken, a werden wir hier jetzt eine ganze Weile beschäftigt sein, falls das überhaupt möglich ist... ;-)

Worum geht's? On Mars spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Menschheit (mal wieder) dabei ist, den Mars zu besiedeln. Im Gegensatz zu Terraforming Mars handelt es sich hier aber nicht um ein Spiel mit Karten und einem Bisschen hexagonale Kärtchen auf dem Mars Platzieren, sondern um ein Worker Placement mit einem Bisschen hexagonale Kärtchen auf dem Mars platzieren. In sofern erinnert es ein bisschen an Mondbasis Shackelton, was ja thematisch ähnlich ist, aber mit den verschiedenen Companies noch einen ganz anderen, eher kommerziellen Aspekt abdeckt.


On Mars bleibt hier eher wissenschaftlich und versucht nachzubilden, wie man eine Mars-Kolonie aufbauen kann, die sich selbst erhält und deren Bewohner eher Wissenschaftler sind. Natürlich fällt hier nebenbei auch die alltägliche Arbeit an, die sich ganz gut in einem Wirtschaftszyklus zusammenfassen lässt, wie er auch im Handbuch beschrieben ist: In Minen baut man seltene Erden ab, aus denen man dann Batterien für die Stromversorgung bauen kann, die benötigt werden, um Wasser-Kondenser zu betreiben, deren Output man dann zur Zucht von Pflanzen (Nahrung) einsetzt, was schließlich Sauerstoff freisetzt, den die Astronauten (Arbeiter) auf dem Planeten dringen zum Atmen brauchen. Hat man dann weitere Arbeiter angelockt, fängt der Kreislauf von vorne an, denn mehr Bewohner können mehr arbeiten, können mehr Strom produzieren, können mehr Wasser extrahieren,... etc.

Wenn das aber das Einzige wäre, was man zu beachten hat, dann wäre das Spiel ja einfach! Leider (oder zum Glück?) ist das nicht so: Ich habe selten ein Spiel gesehen, das so ein komplexes Regelwerk beinhaltet. Es ist jetzt keine Campaign for North Africa :D, aber es hat dann doch schon eine gewisse Komplexität. Wenn man sich das Player Board nämlich genau anschaut, so findet man dort zum Beispiel die persönlichen Shuttles, die man aus der Produktion (auf der Erde?) in den Hangar verschieben kann. Jedes Shuttle bringt zwei Passagiere (oder einen Passagier und einen Konstruktionsroboter) mit, die man dann für sich einsetzten kann. Die Roboter bauen einem auf dem Mars neue Gebäude auf, also zB Minen oder Unterkünfte für die Astronauten, auf dem Tableau rechts zu sehen; wird hier ein Hex weg genommen und auf dem Mars platziert, erscheinen darunter zwei Slots fürdie Lagerung von gerade nicht verwendeten Astronauten. Man kann zwar mehr Astronauten haben als Schlafplätze, dann muss man aber hin und her jonglieren, wie man diese im Einsatz behält, denn alle, die zu dem entsprechenden Zeitpunkt keinen Platz finden, gehen in den Vorrat zurück. Währenddessen kann man seinen Rover (NICHT zu verwechseln mit den Bau-Bots) über die Oberfläche des Planeten fahren lassen, um dort verstreute Bonus-Plättchen einzusammeln.

Unten findet man sein Rohstofflager. Man kann immer nur so viel Material lagern, wie man auch Unterkünfte auf dem Mars hat plus 1. Kann man etwas nicht einlagern, wenn es nötig wird, verfällt es. Mittig gibt es dann noch eine Forschungsleiste, auf der sich einzelne Technologien weiterentwickeln lassen. Dieser Fortschritt bestimmt unter anderem, wie viele Gebäude eines Typs man auf dem Mars unterhalten kann und man bekommt Boni, wenn man bestimmte Felder auf der Leiste abdeckt. Die Technologien bekommt man übrigens erst im Laufe des Spieles.

Was mich zu einem weiteren, sehr wichtigen Aspekt des Spieles bringt: Bis jetzt haben wir nur über die Mars-Seite des Spiels gesprochen. Es gibt aber auch eine Versorgungsstation im Orbit. Der Spieler selber, repräsentiert durch den größeren Astronauten, kann während des Spieles mit dem Versorgungsshuttle zwischen Oberfläche und Raumstation hin und her fliegen, um verschiedene Aktionen ausführen zu können. Auf der Stations-Seite wäre das zB eine der oben erwähnten Technologien besorgen. Oder, ganz wichtig, Blaupausen für Produktions- und Forschungs-Einrichtungen, die man dann auf der Mars-Seite bauen kann, um Wissenschaftler anstellen zu können. (Zu jeder Sorte Hexes gibt es genau einen Spezialisten, den man anwerben kann. Wer zu spät kommt, geht leer aus.) Die Wissenschaftler kann man auf den verwendeten Blaupausen (also eigentlich im entsprechenden Gebäude) einsetzen, um bestimmte zusätzliche Aktionen ausführen zu können. Dabei ist es egal, ob es sich um das eigene oder das Gebäude eines Konkurrenten handelt. (Insofern hat das Spiel auch eine Coop-Komponente. Gezwungener Maßen müssen die Raumfahrer auch manchmal zusammenarbeiten, auch wenn sie eigentlich in Konkurrenz zueinander stehen. Schließlich geht es dann doch um das gemeinsame Ziel: Nicht nur auf dem Mars überleben, sondern die Kolonie zum Blühen zu bringen!)


Das ist jetzt nur ein sehr kurzer Anriss dessen gewesen, was man noch alles beachten muss. zB fliegt das Shuttle seltener, je weiter das Spiel fortschreitet, sodass man evtl gezwungen ist, mit einer der Fluchtkapseln vorzeitig die Station zu verlassen. (Zur Strafe kann man dann den Rest der Runde halt nichts mehr machen, das ist eine komplette Aktion!) Wer wiederum früher zurück auf die Station will, kann eines der privaten Shuttles verpulvern. (Das kostet dann aber Punkte am Ende, denn jedes Shuttle ist 3 derselben wert.) Zudem lassen sich bestimmte Aktionen boosten, indem man weitere Arbeiter einsetzt, andere hingegen nicht. Genauere Details würden jetzt hier zu weit führen. Ich will hier nicht (und kann auch gar nicht einfach so aus dem Kopf) das ganze Spiel erklären, das wären dann dreißig Seiten Text! Auf die Produktion von Ressourcen bin ich jetzt zB gar nicht eingegangen. Statdessen, kommen wir zum...

...Fazit: Ich finds richtig gut! Ein sehr spannendes Spiel mit vielen Strategie-Komponenten. Schwierig nur im Verständnis der ineinander greifenden Regeln, was kann man wann wo machen. Wenn man die Ikonographie einmal begriffen hat, erklärt sich das Spiel schon beinahe von selber. Das Material ist hochwertig (bei dem Preis aber auch zu erwarten!) und repräsentiert die verschiedenen Klassen von Workern ganz gut. (Chef, Astronauten, Bau-Bots, Rover, Shuttles.) Die Anleitung ist kompliziert, aber verständlich geschrieben und gut übersetzt. Das Artwork ist hübsch anzusehen. Die Spielzeit war bei unserem ersten Durchgang über vier (4) Stunden, also schon auf der langen Seite; wenn man das Spiel aber einmal begriffen hat, so nach der dritten oder vierten Runde, wenn man auf beiden Seiten des Plans mal was gemacht hat und man nicht mehr so häufig in der Anleitung nachlesen muss, dann geht es eigentlich ganz flüssig von der Hand. Mit Übung kann man sicher eine Stunde davon runter nehmen!

Ein sehr schönes Spiel, das mir sehr viel Spaß bereitet hat. Wir haben im ersten Spiel sicher was falsch gemacht, das ist bei diesen komplexen Spielen aber durchaus immer eine Gefahr. Trotzdem freue ich mich auf den nächsten Durchgang!