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Komische Vögel in den Bonner Rheinauen

Heute einen kleinen Ausflug in die Bonner Rheinauen gemacht. Wetter war gut, also habe ich den Film in J's Vito voll machen wollen. Nebenbei hatte ich aber auch die Digitale dabei, allerdings nur mit der kleinen Ausrüstung: Das 50er und das 135er.

Da gab es einige seltsame fliegende oder teilweise nicht mehr fliegende Lebewesen und andere Dinge. In die letzten beiden Kategorien (nicht mehr fliegende unbelebte Gegenstände) fällt zum Beispiel dieser Drachen, der wohl in diesem Baum hängen geblieben ist. Das perfekte Motiv für meinen seltsamen Geschmack! ;-)


Und dann waren da mal wieder haufenweise Schwäne. Die sind schon sehr in Balz-Stimmung und außerdem damit beschäftigt, ihre Reviere abzustecken. Die Populationsdichte ist hier im Winter ja auch recht hoch, da kommt es hin und wieder zu Streitigkeiten. Aber irgendwie auch ziemlich aufdringlich auf der Suche nach Leuten, die ihnen was zufüttern. ;-)

Dann gab es noch die üblichen Sorten von Gänsen. Diese beiden Nilgänse zum Beispiel. Und die Kollegen aus Kanada. Machen sich vor dem spiegelnden Posttower ganz gut. Nebenbei waren aber auch mal ein paar "normale" Gänse zu sehen, die sich unter die anderen gemischt haben. Dann sind wir runter zum Rhein, wo noch mehr von den ägyptischen Kollegen saßen.


Besonderes Glück hatte ich, dass ich eine davon erwischt habe, wie sie nach dem Putzen gerade die Flügel ausgebreitet hatte und diese trockengewedelt hat. Oder was auch immer die dann machen, ich weiß es nicht, ich bin ja keine Gans! ;-) Aber gerade die Nilgänse finde ich ja immer wieder sehr faszinierend wegen ihrer verschiedenen Farben und Muster.


Und dann gab es da noch die Halsbandsittiche, von denen ich tatsächlich einigermaßen brauchbare Nahaufnahmen hin bekommen habe. Mit dem manuellen 135mm Nikkor gar nicht so einfach. Auch sehr hübsche Vögel. Kein wunder, dass die Leute sich gerne welche zu Hause in einen Käfig setzen. Aber so in freier Wildbahn machen die eigentlich einen viel besseren Eindruck, auch wenn sie jetzt nicht unbedingt hier hin gehören.


Und dann gibt es noch dieses unglaublich süße Rotkehlchen! Das musste ich allerdings aus der Mitte raus croppen, weil das mit dem 135er ja nun doch ein bisschen klein ist. Was mich wiederum zu der Aussage veranlassen würde, dass die gute alte D610 auch noch runter bis auf die Pixelebene echt gute Bilder macht, wenn man ein brauchbares Objektiv ansetzt. Und das E-Serien 135er ist tatsächlich erstaunlich gut. Sag ich ja auch immer wieder. Ergo: Rotkehlchen! ;-)

So, und da es kalt und windig war und ich außerdem noch immer versuche, alle unnötigen Kalorien wegzulassen, habe ich jetzt saumäßigen Hunger und mir ist kalt! Deswegen geht es heute mal ein bisschen früher in die Küche!

Voigtländer Vito BL

Was haben wir denn hier?! Eine Voigtländer Vito BL! Wo hab ich die her? Vom letzten Trekdinner! Denn der J wollte sie nicht mehr haben und sie lieber in gute Hände abgeben. Und da hat er an mich gedacht, was ich sehr zu schätzen weiß! Ganz besonders, weil er den passenden Entfernungsmesser gleich mitgeliefert hat! Cool, endlich habe ich sowas, die Dinger sind in funktionsfähigem Zustand ja nicht ganz einfach (oder günstig) zu bekommen. Ich habe ja genügend Sucherkameras, bei denen es sehr hilfreich ist, so ein Teil zu haben, dann muss ich nicht mehr immer die Entfernung raten und kann vielleicht auch mal weiter offene Blenden verwenden. ;-)


Aber erstmal die Kamera: Es handelt sich, wie gesagt, um eine Vito BL. Das ist von der Ausstattung her so ziemlich das normalste, was man Ende der 1950er als Kompaktkamera bekommen konnte. Und Kompakt ist sie wirklich, zumindest für die damalige Zeit. In ihrem Leder-Case ist sie auch ganz hübsch anzuschauen.

Die inneren Werte: Ein 50mm ist Standard an dieser Kameraklasse, damals stand man noch nicht so auf weitwinklige Kompakte, da hat man lieber noch eine echte Normalbrennweite verbaut. Mit f/3,5 ist es leider nur mäßig lichtstark, sollte aber laut dem, was ich darüber gelesen habe, einigermaßen scharfe Bilder produzieren. Zeiten lassen sich von 1s bis 125s in ganzen Blendenstufen einstellen, zusätzlich gibt es als schnellste Zeit noch 1/300s. Das sehe ich an vielen alten Zentralverschlüssen, dass die eigentlich die Reihe korrekt fortsetzende 1/250s fehlt und es stattdessen 1/300s gibt. Wahrscheinlich war das damals ein Marketing-Argument. "Schauen Sie hier, die Kamera ist schneller als die Konkurrenz!" Oder man wollte vielleicht passend zur krummen Offenblende eine entsprechend krumme Zeit anbieten? Wer weiß. Viel Unterschied macht das eh nicht und ich behandele beim Fotografieren diese Zeit eigentlich, als wäre es 1/250s.


Leider hat der Verschluss - trotzdem dass sie sehr gepflegt aussieht und offenbar die letzten ~65 Jahre gut behandelt worden ist - das übliche Problem mit den langen Zeiten: 1s bis 1/8s lösen zwar aus, bleiben dann aber offen stecken, weil die zusätzliche Hemmung einfach nicht will. B funktioniert hingegen problemlos. Ist aber egal: Wenn ich demnächst einen Testfilm da durch schicke, hatte ich eh nicht vor, mit dem Stativ durch die Gegend zu rennen; mir reicht das so, solange 1/30s geht und alles Schnellere ebenso, bin ich völlig zufrieden. Wahrscheinlich bräuchte das "Uhrwerk" einfach nur eine Reinigung und einen Flatsch neues Fett, dann ginge das auch wieder.

Spannend ist an dieser Kamera auch, wie man den Film wechselt: Erst unten am Boden den kleinen Hebel ausklappen, drehen und dann kann man diesen Teil der Bodenplatte aushaken. Daraufhin springt auch die Rückwand auf. Soweit ich das sehen kann, scheint der Schaum zur Dichtung auch noch brauchbar zu sein, was rund um die Rückwand verläuft, muss ich mir mal bei Tageslicht genau anschauen. (Wie man sieht, habe ich die Beauty Shots ausnahmsweise mal wieder innen und mit Blitz gemacht; im Winter ist es immer so dunkel und regnerisch da draußen! ;-)) Auslösen will die kleine Kamera übrigens nur mit Film: Die Perforation am Filmrand bewegt das Zahnrad oberhalb des Lichtschachtes, welches wiederum den Auslöser spannt. Habe ich so auch noch nicht gesehen. Mit meinem alten Entwicklerspulen-Einspul-Übungsfilm hat das problemlos funktioniert, ich hoffe, dass der etwas dünnere und fragilere Foma das auch mitmacht.

Ansonsten haben wir hier noch einen interessanten Belichtungsmesser eingebaut, der tatsächlich sogar noch funktioniert. Selenzellen sind ja eigentlich immer schon ausgebrannt, wenn ich sie in die Finger kriege, aber dieses Exemplar zeigt zumindest Werte an, die in der gleichen Größenordnung liegen wie das, was meine Digital misst. Für eine Messung muss man jedenfalls den kleinen Knopf hinten an der Kamera für ca. 1 Sekunde drücken und dann langsam loslassen. Daraufhin dreht sich oben an der Kamera in dem rechten Fenster die Anzeige und bleibt an der Stelle stehen, die die gemessene EV anzeigt. Darunter kann man dann Blenden-Zeit-Kombinationen ablesen. Faszinierend, so etwas habe ich noch nicht gesehen. Einziger Nachteil ist: Man muss die Kamera vom Auge nehmen, um die Werte abzulesen. Aber zum Einstellen muss man das wahrscheinlich sowieso, denn der Blendenring ist ganz vorne am Objektiv und etwas schwergängig aufgrund der Klicks, sodass man sich den Fokus damit verstellt. Aber wenn man an einem sonnigen Tag draußen einmal f/8 und 1/125s eingestellt hat, ändert man das wahrscheinlich eh nicht mehr. Sind ja nicht alle so verrückt wie ich und versuchen, grundsätzlich die weiteste Blende zu verwenden! ;-)


Schön ist auch, dass ein Gelbfilter mitsamt der passenden Tasche auch noch dabei war. Leider löst sich der Reißverschluss langsam auf, ebenso gehen die Nähte auseinander, weil der Kunstfaser-Faden nach den geschätzten ~65 Jahren einfach einer Benutzung nicht mehr standhält. muss ich mal schauen, ob ich da persönlich zu Nadel und Faden greife, um den zu ersetzen, oder ob ich das Lederzeug lieber im Originalzustand lasse. Es ist ja jetzt nicht so, dass da irgendwas raus fallen würde. Also, jedenfalls bis jetzt nicht.

Außerdem gibt es noch eine Sonnenblende. Beide, also Blende und Filter, sind zum Aufstecken statt zum Schrauben, wie man das vielleicht sonst gewohnt ist. Das Filter ist dabei etwas störrisch, während die Gegenlichtblende fast schon abfällt, wenn man nicht aufpasst. Es ist aber auf jeden Fall schön, dass beide Originalteile noch vorhanden sind! Das ist nach der langen Zeit ja durchaus nicht üblich. Ebenso gibt es noch die originale Betriebsanleitung, die schon allein wegen so mancher archaisch anmutender Formulierung ein Durchlesen wert ist! ;-) (Wenn heute einer von einem "netten Foto" redet, würde man sich wahrscheinlich veräppelt vorkommen, aber 1958 meinte man das wohl noch ganz ernst. Wann hat "nett" eigentlich diesen negativen Beigeschmack bekommen? Wo sind die Germanisten, wenn man sie braucht! :-D)


Aber das stille Highlight - zumindest aus meiner Sicht, weil ich da schon länger nach gejagt habe - ist der Entfernungsmesser, ebenfalls von Voigtländer. Wie alle Parallaxenmesser mit dieser winzigen Okularöffnung benötigt auch dieser recht viel Licht, um ihn sinnvoll betreiben zu können. Die Spiegel sind wahrscheinlich auch mit den Jahren etwas matt geworden und auf der rechten Seite kriege ich auch den Fingerabdruck auf dem Lichteinlass nicht weg gewischt. Also, jedenfalls traue ich mich nicht, da fester zu rubbeln, ich will schließlich keine Kratzer rein machen. Denn ansonsten ist auch dieses Teil in einem fast schon perfekten Zustand. Oben drauf ist ein bisschen der Lack angekratzt, aber das kommt davon, weil er wohl immer wieder in die kleine Tasche zurück gesteckt worden ist. Da hat er sich wohl etwas bewegen können und das Leder der Befestigungsschlaufen hat wohl etwas gescheuert.

Das ist aber alles nur ein kosmetisches Problem. Solange die Messung damit genau ist, bin ich froh, dass ich so ein Teil jetzt habe. Ich besitze schließlich noch diverse andere Sucher-Kameras, die ebenfalls keinen Entfernungsmesser haben (oder in einem Fall nur einen, der defekt ist), da kommt mir dieses Teil doch extrem gelegen!


Nicht völlig unerwähnt möchte ich lassen, dass J mir auch noch drei alte Fuji Superia 200 dazu gepackt hat, die 2003 angelaufen sind. Das passende Filmmaterial habe ich also auch direkt! ;-) Ja, ne, erstmal wird mit einem Foma getestet, bei dem ich weiß, dass der neu genug ist, dass der beim Entwickeln keinen Quatsch macht. Weil, Filme, die Werbung für die WM 2002 in Korea machen, denen kann man glaube ich nicht mehr so richtig trauen, auch wenn sie eine vierte Farbschicht anpreisen! :-D Ich weiß nur noch nicht, ob ich da jetzt einen 100er einlege, was im Winter bei f/3,5 schon eine Herausforderung sein könnte, oder einen 400er, der dann wahrscheinlich wieder viel zu schnell für 1/300s ist, oder den letzten 200er, den ich eigentlich noch ein bisschen aufbewahren wollte, bis ich neue besorgt habe. Jaja, ich bin auch so ein Hamsterer!

Fazit: Eine sehr spannende kleine Kamera, die ich definitiv benutzen werden. Ich hätte jetzt nicht direkt auf dem Flohmarkt oder bei ehBlöd nach sowas gesucht, aber das ist ja gerade das Interessante, wenn man von seinen Bekannten, Verwandten, Freunden oder anderen Leuten, die einen hassen :-D , eine Kamera übereignet bekommt: Man weiß nie, was einen erwartet!

So, und demnächst noch die Revueflex, die ich von F bekommen habe. Die muss ich aber erstmal auseinander nehmen und den Aufzug reparieren, der Vorhang ist beim Testen endgültig hängen geblieben... Aber diese diese osteuropäischen Modelle (Zenit) sind ja wie ein Trabbi, den man durchaus auch mal selber auseinander nehmen und wieder zusammensetzen konnte! ;-)

Schwarz-weiß und analog, Teil 192: Retro-Schnappschüsse am Drachenfels

Film: Fomapan 100 #41, Kamera: Agfa Silette LK, September 2022

Heute gab es zwar morgens eine Regenpause und ich habe auch direkt mal 37 Bilder geschossen, aber die sind alle noch nicht entwickelt. Deshalb ist es wiedermal an der Zeit, einen fertigen Artikel aus der Pipeline rauszuhauen. ;-)

Als nächstes habe ich die kleine Silette mit auf den Drachenfels geschleppt. Das Siebengebirge bietet ja immer spannende Motive. Ich glaube, das war der Samstag, an dem wir uns damals mit dem Trekdinner hier treffen wollten, dann aber nur J und S aufgetaucht sind. Japp, passt, die bunten, digitalen Fotos sehen sehr ähnlich aus! ;-) Geparkt haben wir an dem Tag offenbar in Rhöndorf und sind von dort durch das Dorf gegangen, um den Berg hoch zu kommen. Ja, ich erinnere mich, die Zufahrt zu unserem "normalen" Parkplatz war damals gesperrt. Ich glaube, da waren telekomische Arbeiten im Gange und mussten deshalb an der Hauptstraße parken.

So haben wir aber die Möglichkeit nutzen können, den Brunnen mitsamt der daneben aufgestellten Fahne/Wimpel/Wie-nennt-man-sowas unten in der Stadt zu fotografieren. (1/300s, f/5,6.) Die allgemeine Schärfe ist OK, aber ich habe hier wohl ein bisschen zu weit nach hinten geschätzt, als ich den Fokus eingestellt habe. Das Schärfste scheint nämlich der Busch hinter dem Brunnengesicht zu sein. Aber wie gesagt, nicht allzu schlimm; in Normalabzuggröße fällt das kaum auf, erst wenn man hinein zoomt, stellt man fest, dass man das Schild nicht lesen kann und die Beschriftung "Drachenfels-Quelle" ein bisschen unscharf daher kommt.


Die Trecker hingegen sind extrem scharf geworden. (1/60s, f/11.) Das hatte ich jetzt ehrlich gesagt nicht erwartet, denn im letzten Eintrag waren die Bilder, die ich mit f/11 gemacht habe, leicht weichgezeichnet. Vielleicht klappt das mit dieser sehr hohen Blendenzahl auf diese mittlere Entfernung - 7m hatte ich eingestellt - doch irgendwie besser. Das Bild ist jedenfalls schön kontrastreich und scharf geworden. Ach ja, und Trecker! Trecker sind immer ein Foto wert, besonders solche altertümlichen Modelle! Die passen direkt zum Alter der verwendeten Kamera, oder? ;-)

Beim Aufstieg habe ich unterwegs noch eine Fahne gefunden, die direkt fotografiert werden wollte. (1/300s, f/8.) Ich glaube, das war da oben am Ulanen-Denkmal. Wie man sieht, es war gut windig, die Fahne flattert recht heftig. So von hinten hinterleuchtet sieht sie ganz nett aus. f/8 scheint für die Kamera außerdem gut geeignet zu sein, auf diese Entfernung - wieder 7m - völlig ausreichend, um das Motiv in den scharfen Bereich zu bekommen, ohne zu viel Diffraktion zu riskieren.


Beim nächsten Bild musste ich recht lange zielen, bis ich einigermaßen sicher sein konnte, dass ich nur den Obelisken und den Hund auf das Negativ brenne, nicht aber das dazugehörige Herrchen. (1/125s, f/5,6.) So ist nur ein Rucksack mit im Bild. Über Parallaxen zwischen Objektiv und Sucher hatte ich ja im letzten Eintrag schon geredet, viel besser ist es mit einer Sucherkamera also nicht machbar. Insgesamt finde ich dieses Bild von der Komposition her sehr gut gelungen: In der Mitte das eigentliche Motiv, der Obelisk, face-on, sozusagen. Daneben den Hund, der sehnsüchtig schaut, wo er denn sein Geschäft verrichten könnte, oder zumindest eine Markierung setzen könnte. Und im Hintergrund der Bauzaun und die Betonfüße, die dazu gehören. Das alles eingerahmt von bereits leicht unscharfen Bäumen. Gefällt mir.

Dann das nächste Bild erst wieder oben auf dem Drachenfels verschossen. (1/300s, f/8.) War sehr sonnig hier oben. Die 45mm sind für solche Aufnahmen ja nur eher mäßig geeignet, etwas weitwinkliger wäre hier von Vorteil. Anderseits kann man so Details besser heraus arbeiten, etwa diese Abbruchkante der Ruine. Nicht unbedingt ein Postkarten-Motiv, eher einzusortieren unter Architekturfoto. Das Bild ist gut kontrastreich, könnte vielleicht eine Blende langsamer belichtet sein, um die Mauer mehr hervorzuheben, aber dann würde man wohl die interessanten Wolkenstrukturen im Hintergrund verlieren. Diese sind für f/8 und eine Entferungseinstellung von 9m noch extrem scharf. Macht Sinn: Meine Handyapp rechnet mir flugs aus, dass das bereits hyperfocal für Unendlich ist. (Für alles gibt es eine App heutzutage!)

Ebenfalls hier oben auf dem Drachenfels gibt es diesen als Motiv sehr beliebten Bogen. (1/125s, f/8.) Allerdings kriegt man den nie ohne Touristen aufs Bild, zumindest nicht an einem sommerlichen Samstag. So habe ich auch hier sonnenbebrillte Gesichter und behütete Köpfe im Bild. Wie gesagt: Stichwort Parallaxe. Ansonsten ein sehr schönes Bild mit interessantem Schattenwurf. Wenn ich eine Kamera verwendet hätte, bei der ich mit der Scharfstellung ganz auf Nummer Sicher gehen könnte, hätte ich natürlich eine sehr viel weiter offene Blende verwendet, um die Blätter im Vordergrund unscharf zu bekommen. So ist halt alles scharf. Geht auch. Ist ja auch irgendwie passend zum verwendeten Gerät. Früher hätte man die Kamera an einem solchen Tag wahrscheinlich immer auf genau dieser Einstellung stehen gelassen und ohne drüber nachzudenken Bilder gemacht, die zu 90% OK geworden wären. Diese ständige Digitalfotografie lässt einen viel zu viel Wert auf die "richtige" Belichtung legen; Film ist da nicht so fimschig! ;-)


Doch, noch ein Foto habe ich hier oben gemacht: Das Miet-Fernrohr, mit dem man einen tollen Blick auf das Rheintal hat. (1/125s, f/11.) Jupp, sehr hell hier oben. Das Ergebnis ist ein tolles Bild mit Wolken und einem sich in die Unendlichkeit schlängelnden Fluss. Trotz f/11 ist hier definitiv noch Unschärfe im Hintergrund auszumachen; der Fokus war auf 2 Meter gestellt, somit ist das auch nicht so erstaunlich. Etwas schief, aber ansonsten ein spannendes Foto.

Dann ging es an den Abstieg und wir haben uns überlegt, nehmen wir doch die andere Seite, da gibt es auch noch was zu sehen, zum Beispiel die Zahnradbahn. (1/300s, f/8.) Die blöden Baken an der Straße stören mich etwas, ansonsten ist das Bild ziemlich gut geworden, finde ich. 'n bisschen viele Leute vielleicht. Technisch muss ich jetzt glaube ich nicht mehr viel dazu sagen: f/8 macht gute Bilder.


Um das aufziehende Unwetter über der Eifel noch dunkler zu bekommen, habe ich das Bild mit der Drachenburg im Vordergrund gewollt ein bisschen unterbelichtet. (1/125s, f/22.) Außerdem habe ich so auch mal ein Bild dabei, bei dem ich die Blende maximal geschlossen habe! Die sich ergebende Stimmung ist schon extrem! Diese Wolken! Die durchbrechenden Sonnenstrahlen! Das Licht, das durch die Fenster im Turm sickert! Trotzdem hat der Film noch Struktur in der Burg eingefangen, was ich kaum für möglich gehalten hätte. Eigentlich hatte ich nämlich ein reines Silhouetten-Foto geplant. Aber dunklere Dächer und Fenster zeichnen sich tatsächlich noch gut sichtbar ab. Was die Schärfe angeht: So weit abgeblendet muss man definitiv ein bisschen Weichheit in Kauf nehmen, aber erstaunlicherweise auch nicht viel mehr als bei den bisherigen Bildern, die ich bei f/11 gemacht habe. Die Masten oben auf den Dächern leiden definitiv ein bisschen und sehen leicht verwaschen aus - im Originalscan mehr als in dieser heruntergerechneten 4k-Version. Trotzdem: Ein faszinierendes Bild, bei dem sich das Experiment ausgezeichnet hat!

Am alten Ausflugslokal, das noch immer nicht renoviert ist, sondern als Ruine herumgammelt, findet man diese alten Laternen. (1/125s, f/11.) Diese Szene in irgendeiner Form "gerade" einzufangen, war nicht einfach - und ist mit auch nicht hundertprozentig gelungen. Das bisschen, das man vom Horizont sehen kann, ist leider leicht geneigt. Aber man möge es mir verzeihen, denn alles andere in diesem Bild ist von Natur aus schief! Mast, Lampen, Bäume, der Hang selber, ja selbst der Rhein im Hintergrund, alles neigt sich in die eine oder andere Richtung. Technisch ansonsten ein gutes Bild. f/11 gibt dem ganzen wieder eine leichte Retro-Weichzeichnung. Schöne Wolken, die einen guten Hintergrund bilden und nettes Lichtspiel in dem zerbrochenen Glas.


Aus der Nähe habe ich dann auch noch mal ein Bild von der Drachenburg gemacht, das in diese Fall aber eher ungewollt etwas unter ist. (1/125s, f/11.) f/8 wäre hier sicher besser gewesen. So habe ich zwar einen tollen Himmel, aber das Gebäude selber säuft leider ein bisschen ab. Obwohl da doch für einen günstigen Foma recht viel Detail im Schatten auszumachen ist.

Vor dem Haupteingang stand dann noch dieser Eis-Bully herum, leider im Schatten, daher etwas kontrastärmer, als ich es mir gewünscht hätte. (1/300s, f/8.) Jetzt ein Käsekuchen-Waldbeer-Eis! Wie man sieht, alles scharf genug, um es lesen zu können. Auf die Entfernung auch nicht anders zu erwarten. Ganz nettes Bild.

Danach weiter den Berg runter an der Niebelungenhalle vorbei. (1/125s, f/8.) Hier bin ich wieder zur Standardbelichtung zurück gekehrt. Diese macht das Gästehaus auf dem Petersberg im Hintergrund ungefähr gleich scharf wie die Halle selber - hatte das Objektiv auf Unendlich stehen gelassen, erschien sinnvoller, als jetzt zu versuchen, die schätzungsweise 20 Meter irgendwie da einzustellen und dann festzustellen, dass das bei der Blende eh keinen Unterschied macht. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass der Vordergrund leicht schärfer ist. Ich bräuchte mal so eine praktische Lupe, mit der man eigentlich die Schärfe der Körnung bestimmen kann, wenn man das Negativ in einen Vergrößerer einlegt, dann könnte ich das vielleicht mit mehr Sicherheit behaupten. Wahrscheinlich handelt es sich nur um eine optische Täuschung, weil mein Hirn im Gästehaus die gleiche Detailtiefe erwartet wie in der Halle, was aufgrund des mehrere Kilometer großen Abstands einfach nicht drin ist! ;-)


Und ganz zum Schluss noch ein Bild, dass ich auf dem Rückweg nach Röhndorf gemacht habe, als es bereits langsam dunkel wurde - hauptsächlich wegen des Unwetters in der Eifel: Eine alte Pflanzschale. (1/60s, f/4.) Mit relativ offenen Blendenwerten und auf kurze Distanzen bekommt man mit dieser Kamera erstaunliches Bokeh hin! Ein wirklich bemerkenswertes Foto, dafür dass ich es mit einer 50+ Jahre alten Sucherkamera geschossen habe! Würde mich ineressieren, wie das wohl aussähe, wenn ich mich getraut hätte, f/2,8 einzustellen. Wäre ja die Gelegenheit gewesen! Trotzdem: Mit einem zusätzlichen, richtigen Entfernungsmesser ausgestattet, kann ich mir die Kamera durchaus auch für Portraits vorstellen!

Nächstes Mal: Eine Mischung aus einem Spaziergang in Rott und Fotos vom Aufbau der Kirmes in der Innenstadt von Hennef. Jeweils nur vier Bilder, die zeitlich und auch auf dem Film voneinander getrennt sind, aber eigene Einträge hätten sich dann auch irgendwie nicht gelohnt.

Hanimex Automatic MC 1:2.8 24mm

Vorweg: Man soll ja nicht immer alles glauben, was im Internet steht. Es ist immer gut, sich eine eigene Meinung zu bilden, denn im Internet stehen oft irgendwelche Halbwahrheiten oder gar komplette Lügen. Deshalb ist es immer wichtig, Angaben, die man im Netz findet, zu überprüfen, statt sie einfach nur so zu glauben, weil die gleiche INformaton immer und immer wieder wiederholt wird. Da hat meist Quelle A bei Quelle B abgeschrieben, die ihre Infos von Quelle C hat, welche schließlich wieder von Quelle A als Quelle angegeben wird. ;-)

Nachdem ich das gesagt habe: Manchmal hat das Internet aber auch recht!



Heute möchte ich hier ein kleines Weitwinkel vorstellen, das im Netz teilweise als "das schlechteste Objektiv aller Zeiten" angeboten wird. Ich habe es jetzt nicht unbedingt deswegen käuflich erworben, aber als eine sehr schöne und vor allem sehr viel modernere Nikon, die ich ein andermal vorstellen werde, für einen realistischen Preis vorbei kam, die dieses Objektiv sozusagen als Dreingabe dabei hatte, habe ich zugeschlagen. Denn meine Neugier war geweckt und die Kamera war das eigentliche Objekt der Begierde. Es handelt sich um ein Hanimex Automatic MC 1:2.8 24mm, also eine Brennweite, die ich noch nicht mein eigen nenne, sodass ich gedacht habe: "OK, sollte das Teil doch nicht so schlecht sein, wie alle immer behaupten, kann ich es ja sogar mal benutzen. Außerdem, vielleicht ist es für Nikon F ja auch ein ganz anderes als die Exemplare in M42- oder PK-Version, die man im Netz findet."

Boy, was I wrong! :-D

Schauen wir uns mal einfach die ersten paar Bilder an, die ich mit meiner D610 und diesem Objektiv gemacht habe. Wie immer, wenn ich Objektive vorstelle, habe ich die Bilder farblich nicht nachbearbeitet. Heute habe ich allerdings entgegen der üblichen Gepflogenheiten das Histogramm minimal gestreckt - denn das Wetter ist so scheiße da draußen, dass ich sonst gar keinen Kontrast im Bild gehabt hätte. (Aber ehrlich, nur minimal.) Die Bilder sind wie immer heruntergerechnete JPGs, die ansonsten so aus der Kamera kamen - ich fotografiere bekanntlich ja nicht (oder nur selten) in RAW. Als Motiv habe ich meinen roten Honda genommen, denn der war für mich erreichbar, ohne komplett nass geregnet zu werden. Falls es heute mal irgendwann aufhören sollte mit dem Sauwetter, traue ich mich vielleicht auch noch in den Garten! ;-)




Beispiel-Bilder Hanimex Automatic MC 1:2.8 24mm: f2,8 - f4 - f5,6 - f8
Oben: Resize 1920x1282 - Mitte: Center Crop - Unten: Top Left Corner Crop
Nikon D610, ISO 800, JPG fine, Vignettierungskorrektur mittel

Runtergerechnet und dann auch noch in dieser Briegfmarkengröße sieht f/2,8 auf den erste Blick gar nicht so schlimm aus. Wenn man sich das jetzt in s/w und auf einem 9x13 Abzug vorstellt, könnte man meinen, dass man es eben mit einer sehr alten Optik zu tun hat, irgendwie so aus den 1930ern. Die Vignettierung ist schon brutal - da fehlen zu den Ecken hin bestimmt zwei, zweieinhalb Blendenstufen. Öffnet man dann die Ausschnitte in der zweiten und dritten Reihe, die die der originalen Auflösung entsprechen, kann man mit dem mittleren fast noch leben. Sieht nicht viel schlechter aus als die Bilder, die ich mit dem adaptierten M42 Travenar gemacht habe, das ja extrem unter der billigen chinesischen Korrekturlinse leidet. Wobei das interessantere Farben produziert hat. (Wobei ich zugeben muss, da war auch viel besseres Wetter als heute! [1] [2] [3]) Aber spätestens, wenn man zum Ausschintt aus der linken oberen Ecke kommt - die btw noch die wenigst schlimmste ist - sieht man, wie stark dieses Objektiv unter Verzerrungen leidet. Da ist ja praktisch alles nur noch ein langezogener Matsch, der von der Mitte des Bildes zu den Ecken flüchtet.

Um eine Stufe abgeblendet kann man die Mitte des Bildes schon beinahe verwenden, die Ecken sind aber weiterhin deutlich dunkler und praktisch unbrauchbar. Erst ab f/5,6 hellen sich diese etwas auf und die Verzerrungen gehen auf ein Maß zurück, dass man sagen kann: Ausreichend. Wenn man wirklich einigermaßen scharfe Bilder haben will, muss man aber tatsächlich zu Blende f/8 greifen. Hier erricht man endlich eine Schärfe, die ich mit dem 20mm Nikkor bereits weit offen bekomme. (Das muss ich übrigens ganz dringend noch mal verwenden. Das habe ich die letzte Zeit ein bisschen stiefmütterlich behandelt.)

Wenn man also einen echten Retro-Look sucht, ohne ihn nachher künstlich mit Filtern und Gedöns in ein Bild rein rechnen zu müssen: Hier seid ihr genau richtig! :-D Ich mein, wenn man jetzt nicht unbedingt solche grau-in-grau (mit rotem Auto) Bilder macht, wie die da oben, kann man ganz nette Ergebnisse erzielen:


Aber wirklich tolle Fotos wird dieses Objektiv niemals machen. Ich glaube, das ist die schlechteste Festbrennweite, die ich je gesehen habe. Mein altes 19-35mm Soligor Zoom war das viel besser, und was bringt einem die eine Blende mehr Lichtstärke, wenn man sie nicht benutzen kann?

Wie gesagt, falls das Wetter heute noch mal trockener werden sollte, werde ich mal ein paar Bilder der verklinkerten Hauswand machen, um nach Kissen- und Tonnen-Verzerrungen zu suchen, aber ich habe da keine großen Hoffnungen, dass meine Meinung besser wird. Vielleicht, wenn im Frühling die Blumen raus kommen, werde ich ein Anwendungsgebiet für diese Linse finden. Da muss man auf nahe Entfernungen eh stark abblenden, wegen der Tiefenschärfe, was die Schärfe im Rest des Bildes insgesamt verbessert, und mit einer Naheinstellgrenze von unter 25cm sollte es sich dafür auch eingermaßen eignen.

Positives? Ja, gibt es auch: Das Ding ist aus Metall, nirgends Plastik in sicht. Es liegt gut in der Hand, der Fokusring ist nicht ganz so leichtgängig, aber wahrscheinlich ist das Fett etwas hart geworden mit den Jahren. Besser, als wenn es auf die Blende sifft. Die ist nämlich immerhin frei von Öl und klickt gut. Ansonsten fällt mir nichts Positives ein. Leider. ;-)

Edit 13.01.2023: Heute Vormittag war mal kein Regen, deshalb reiche ich jetzt die Bilder unserer Außenwand nach, die ganz gut geeignet ist, nach Tonnen-, Kissen- und sonstigen Verzerrungen zu suchen.



Beispiel-Bilder Hanimex Automatic MC 1:2.8 24mm: f16 - f8 - f5,6 - f4 - f2,8
Oben: Resize 1920x1282 - Unten: Bottom Left Corner Crop
Nikon D610, ISO 800, JPG fine, Vignettierungskorrektur mittel

Tatsächlich halten sich diese Art von Verzerrungen für ein so weites Weitwinkel doch recht in Grenzen. Ich mein, man sieht schon was, wenn man etwas genauer hinschaut, aber das könnte genausogut auch die Wand selber sein, die nicht ganz gerade gebaut wurde. Für ein 24mm tatsächlich ganz in Ordnung. Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet, wenn man sich die Schärfe-Performance dieses Objektivs anschaut.

Dafür ist nämlich die untere Reihe wieder ein gutes Beispiel: Selbst vollständig abgeblendet bei f/16 wird die linke untere Ecke nicht ganz scharf. Der letzte Zipfel ist noch immer leicht matschig-schlierig. Aber f/8 ist durchaus verwendbar, wenn man jetzt nicht bis auf die Pixelebene hineinzoomt. f/5,6 geht vielleicht auch noch, meine Ansprüche sind ja nicht so hoch, aber der Kontrastabfall - bedingt durch Aberrationen und den Verlust an Kantenschärfe - ist hier doch schon recht stark ausgeprägt. Immerhin ist die Bildmitte noch brauchbar. (Vertraut mir, die habe ich nicht noch mal hier eingebaut, so interessant sind die Klinkersteine jetzt wirklich nicht! :-D) Allerdings ist die Vignettierung hier schon wirklich extrem und alle weiter offenen Blenden sind in der Beziehung ist einfach inaktzeptabel.

Was mir noch aufgefallen ist: Der Anschlag bei Unendlich ist ein bisschen zu weit, d.h. einfach auf Unendlich stellen und fotografieren führt zu unscharfen Bildern. Also ungeeignet für Astro Fotografie. OK, hätte jetzt wohl auch niemand ernsthaft versucht, oder? ;-) Ich hatte zuerst die Vermutung, dass es an der allgemeinen Unschärfe liegt, aber tut es wohl nicht. Und weiterhin stört mich, dass der Fokus-Ring in die falsche Richtung gebaut ist: Wenn die Kamera "mehr nach links drehen" anzeigt, muss man tatsächlich nach rechts drehen. Daran erkennt man im allgemeinen Objektive, die für viele verschiedenen Anschlüsse gebaut wurden - Nikon ist bei der Richtung seiner Ringe ja eher die Ausnahme. Ist jetzt also nur bedingt die Schuld dieses Objektivs, aber ich wollte es trotzdem erwähnen.

Fazit: Ich fürchte wirklich, dass das hier das schlechteste Objektiv ist, das ich jetzt in meiner Sammlung habe. Das schließt selbst diese gefürchteten Tokina-Billig-Normal-Zooms aus den 1980ern ein, die man auf jedem Flohmarkt hinterher geworfen bekommt. Die sind wenigstens unter bestimmten Bedingungen durchaus einsetzbar, während dieses Hanimex extrem viel Licht braucht, damit man es um mindestens 3 Stufen abblenden kann, bevor es überhaupt brauchbare Ergebnisse liefert. Und selbst dann wird es nie wirklich richtig gut. Es hat ein paar Pluspunkte: Die Stabilität ist wegen des vielen Metalls ganz OK und für ein Weitwinkel hat es akzeptable Barrel Distortions, aber das reißt es dann auch nicht mehr raus. Es hat einfach ansonsten zu viele Schwächen.

tl;dr: Als Retro-Filter-Objektiv geeignet, wenn man absichtlich verwaschene und vignettierte Bilder machen will. Ansonsten ist mein altes Soligor Zoom eher zu empfehlen, das kostet bei ehBlöd eher sogar weniger als dieses Gewicht.

Schwarz-weiß und analog, Teil 191: Snap It Like It's 1968

Film: Fomapan 100 #41, Kamera: Agfa Silette LK, September 2022

Der Vorteil an kleinen, leichten und kompakten Kameras - vor allem wenn sie aus der Zeit stammen, als alle mit Blumen im langen Haar nach San Francisco unterwegs waren - ist, dass sie klein, leicht und kompakt sind. (Ja, das war jetzt das, was der Fachmann eine Tautologie nennt, glaube ich! ;-)) Aber das und die Tatsache, dass man sie auf den Flohmärkten der Umgebung praktisch umsonst hinterher geworfen bekommt, sorgt dafür, dass man sie einfach mal eben so schnappen und mit auf eine kleine Fahrradtour nehmen kann, ohne groß Angst haben zu müssen, unterwegs eventuell irgendwas wirklich Wertvolles oder Unwiederbringliches kaputt zu machen.

So auch diese von den Features her eher spartanische Silette LK, deren Fotos ich heute vorstellen möchte. Agfa war damals noch ein wirkliches Schwergewicht, sowohl was kompakte Kameras als auch das dazugehörige Filmmaterial angeht. Diese Zeiten sind lange vorbei und daher kommt man sich bei der Verwendung einer solchen Schnappschusskamera schon ein bisschen anachronistisch vor. Das Ding hat nicht mal einen Entfernungsmesser. Das heißt, man muss entweder selber ein Messgerät mitbringen, was nicht immer ganz so praktisch ist - ich muss mal so einen kleinen Aufsteck-Messer für den Blitzschuh anschaffen - oder eben das tun, was man 1968 auch gemacht hat: Raten! Ich habe mich bei diesem Testfilm für letzteres entschieden und muss sagen, dass ich eigentlich durchweg gut damit gefahren bin. Ja, einige Bilder sind richtig unscharf, aber die meisten sind erstaunlich OK. Gut, da die schnellste Geschwindigkeit des Verschlusses bei 1/300s liegt, kommt man auch selbst mit einem ISO 100 Film schnell in den Blende-8-Bereich, in dem eigentlich alles scharf ist, selbst bei den eher normalbrennweitigen 45mm, die das verbaute Objektiv bietet.

Aber genug der Vorrede, hier jetzt ein paar Bilder, die ich auf einer der bereits oben angedeuteten Fahrradtouren gemacht habe. Es ging nach Siegburg, aber auf dem Weg habe ich am Kurpark angehalten und das übliche Foto vom Siegfried gemacht, der in diesem Foto aber leider ein bisschen als Kopfloser Reiter daher kommt. (1/60s, f/8.) Upsi! Hätte vielleicht doch noch ein bisschen vorspulen sollen, statt direkt drauf los zu fotografieren. Andererseits ist der Herr Siegfried ja von diversen anderen Bildern bekannt, die ich hier vorgestellt habe. Also kein schwerer Verlust. Wichtiger ist: Was ist der erste Eindruck, den man von der Bildqualität bekommt? Erstaunlich scharf und kontrastreich für ein Gerät, dass dieses Jahr so ungefähr 55 Jahre alt wird. Die f/8 helfen da natürlich und das viele Licht, das hier das Denkmal ausleuchtet, ist natürlich auch nicht falsch. Insofern also doch ein bisschen schade, dass Siegfried den Kopf verloren hat. ;-)

Das für mich Interessanteste an dieser Kamera ist wohl, dass das verwendete Objektiv sich bis f/2,8 öffnen lässt, was ich natürlich direkt mal schamlos ausgenutzt habe, auch auf die Gefahr hin, dass ich das Bild dadurch unscharf mache, weil ich ja - wie gesagt - die Fokus-Entfernung raten musste. Das Ergebnis ist aber eine Bank im Siegtal (unten bei der Kläranlage), die ein tolles Bokeh hat! (1/300, f/2,8.) Da kann man doch durchaus mit arbeiten, finde ich! Ein sehr stimmunsgvolles Foto, bei dem die kleine Silette mal richtig zeigen kann, was in ihr steckt. Die Bank ist gut scharf trotz Offenblende, der Hintergrund schön cremig. Würde mich interessieren, wie sich das auf einem zeitlich passenden quietschbunten Farbfilm darstellen würde. Hm, das wäre doch mal ein Projekt fürs Frühjahr: Einen von den abgelaufenen 200ern da rein und bei 100 durchbelichten... Erinner mich da mal einer dran, wenn die ersten Blumen raus kommen! ;-)


Der nächste Schnappschuss zeigt die Sieglindenbrücke, ein Versuch, ein bisschen Architektur in Szene zu setzen. (1/60s, f/11.) Mal wieder schief. Aber interessanter ist hier, wie scharf oder unscharf das Bild wird, wenn man so weit abblendet, wie ich es hier getan habe. Insgesamt wirkt das Bild hier ein bisschen weich. Ob das an einsetzenden Diffraktionseffekten liegt oder nur an der sehr günstig zu implementierenden viereckigen Blende, weiß ich natürlich nicht sicher. Aber wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Bei einem normal großen Abzug würde das kaum auffallen, erst wenn man mit moderner Technik auf die Pixelebene (oder sollte ich eher "Kristallebene des Films" sagen?) hineinzoomt, stellt man fest, dass das Bild nirgends so richtig scharf ist. Gut, es ist um einiges besser, als ich es grundsätzlich erwartet hätte. Man muss auch immer im Hinterkopf behalten, dass es sich zwar um eine schon etwas bessere Schnappschusskamera handelt, aber eben doch nur um eine Schnappschusskamera. Da kann man keine Wunder erwarten.

An dieser Stelle möchte ich vor allem anmerken: Das Ding funktioniert! Das ist ja nicht selbstverständlich, die Lebenszeit eines solchen Gerätes war damals schon nicht mehr auf "ewig" ausgelegt. Wir befinden uns hier nicht mehr im Zeitalter des Wirtschaftswunder, als Kameras noch teilweise aufgrund von Overengineering praktisch unzerstörbar waren. Gerade dieser "Sensor"-Auslöser war damals, Ende der '60er, Anfang der '70er der heiße Scheiß. Ich finde es also schon bemerkenswert, dass mechanisch alles an der Kamera funktioniert und nur der Selenzellen-Lichtmesser ausgebrannt ist! Aber zurück zu den Fotos.

Ein Mast im Nichts, mit einem Dingsbums dran. (1/60s, f/11.) Es gilt hier das Gleiche, wie für das Bild davor: Ausreichend scharf für das, was es ist, nämlich eine kompakte Kamera für Schnappschüsse. Die Qualität ist besser als erwartet, aber vielleicht ein bisschen weich - nicht wirklich unscharf, aber eben mit einer gewissen Retro-Qualität versehen. Aber das Rätsel, weshalb da ein halber Plastik-Kanister an den Pfahl genagelt ist, lüftet das auch nicht! ;-)

Nach den vielen Hochkantfotos habe ich das Siegwehr dann aber mal im normalen Breitformat aufgenommen. (1/125s, f/8.) Die Schärfe ist besser und wenn der Film eine höhere Auflösung hätte, könnte man den Reiher auf dem Wehr sicher auch noch besser erkennen. Dafür bietet dieses Foto eine Möglichkeit, über Dinge wie Verzerrungen und Abschattungen in den Ecken zu reden. Beides ist - zumindest bei dieser Blende - eher geringfügig, wenn überhaupt, sichtbar. Die Schärfe von Ecken und Rändern ist kaum anders als in der Bildmitte und nur ganz am Rand lässt sich feststellen, dass die Helligkeit überhaupt zu den Ecken hin abfällt. Bei f/8 erwarte ich allerdings auch kaum etwas anderes, denn das sollte so ziemlich genau die vorgesehene Arbeitsblende für diese Kamera gewesen sein: Sonne lacht, Blende acht.


Das Gleiche lässt sich auch beim Bild der Siegburger Abtei beobachten: Durchweg scharf genug, kaum wahrnehmbare Vignettierung und nur ganz außen links in der Hecke kann man ein bisschen Verzerrung und Verwischung erkennen. Das Color-Agnar-Objektiv ist sicherlich kein besonders gutes oder neumodisches Objektiv; ich nehme an, es handelt sich um eine Variante des dreilinisigen Tessars, aber dafür habe ich keine wirklichen Beweise, also nehmt diese Aussage nicht für bare Münze. Was ich sehe, würde aber ungefähr dazu passen. Auf jeden Fall bekommt man brauchbare Bilder damit hin, die dem Zeitalter entsprechen, aus dem diese Kamera stammt.

Wenn ich schon in Siegburg bin, muss ich natürlich einmal über den Marktplatz schleichen und die Victoria mitnehmen. (1/300s, f/4.) Bei höchster Geschwindigkeit und mäßig abgeblendetem Objektiv bekommt man gerade so ein bisschen Unschärfe in die Blätter im Vordergrund, während die Dame auf ihrem Sockel schön scharf daher kommt. Ihre Gesichtszüge, die Falten in ihrer Kleidung, die Federn in ihren Flügeln sowie die Blätter im Lorbeerkranz sind duchaus noch erkenn- oder zumindest erahnbar, selbst in dieser herunter gerechneten 4k-jpg-Version des Bildes, die ich hier ausstelle. (Die Auflösung des Films und des Scanners geben eh nicht viel mehr her. Aber schon ein bisschen.) Ich denke, dass zwischen f/4 oder f/8 also tatsächlich der Sweet Spot liegt, bei dem man diese Kamera betreiben will, möchte man möglichst scharfe und hoch aufgelöste Bilder haben. Alles darüber sorgt für einen leichten Weichzeichner durch Diffraktion, alles darunter bringt Probleme mit sich, wenn man die Entfernung nicht einfach auf unendlich stellen kann - oder so wie in diesem Beispiel mit 10 Metern doch schon sehr nah dran -, sondern tatsächlich was Vernünftiges raten muss. Wobei wir uns aber f/5,6 noch gar nicht angeschaut haben.

Das tun wir aber jetzt sofort im nächsten Bild: Die Abtei aus der Nähe. (1/300s, f/5,6.) Obwohl ich hier wohl laut meinen Aufzeichnungen vergessen hatte, eine Korrektur am Fokusring vorzunehmen, ist das Bild knackig scharf geworden. Also entweder stimmt meine Aufzeichnung nicht und ich habe das Bild doch nicht bei 5 Meter gemacht, oder die Schärfentiefe ist bei f/5,6 erstaunlich groß! Ich vermute einfach mal, dass ich Blödsinn notiert habe, denn die Details in den Fensterläden sind doch schon extrem hoch. Überhaupt ein ganz nettes Foto, so aus diesem Winkel, mit den drohenden Wolken dahinter. Gefällt mir. (Darüber haben wir in diesem Artikel noch gar nicht gesprochen, sondern nur über technische Details. Wird also mal Zeit.)


Eine schwierige Belichtung gegen das Licht in den Schatten der Mauer hinein erwartet uns im folgenden Foto. (1/60s, f/4.) Trotzdem kommt die Mauer recht gut raus, was natürlich auf Kosten des Himmels geht. Meine Absicht war hier, das Gegenlichtverhalten zu testen, und ich muss sagen, es ist gar nicht so schlecht. Ich hatte zumindest mit etwas Flare oder Ghosting gerechnet, aber weit und breit keine Spur. Und der Kontrast ist auch brauchbar. Gut, das Foto als solches ist jetzt nicht das spannendste, was ich je gemacht habe. Aber technisch einwandfrei.

Für das Hexentürmchen habe ich sehr lange warten müssen, bis die blöde Wolke sich endlich verzogen hatte und ich noch mal so richtig weit abblenden konnte. (1/60s, f/11.) Bei so viel Licht erscheint mir dieses Mal das Bild gar nicht so weichgezeichnet wie oben bei den Fotos mit f/11. Es scheint also auch ganz von der Situation abhängig zu sein, wie das Endergebnis schließlich aussieht. Trotzdem: f/5,6 war schärfer, oder?

Aber wie sieht es auf kurze Distanz aus? Das Licht ballerte voll in die efeuberankte Mauer hinein, da habe ich f/11 einfach mal stehen lassen und auf 1m fokussiert - das Minimum, das diese Kamera bietet. Das Ergebnis könnte schärfer sein. Wie gesagt, in normaler Abzug-Größe oder auch noch etwas darüber hinaus wie auf meinem 14"-Laptop-Bildschirm kann man sich nicht beschweren, aber zoomt man etwas hinein, wird es doch etwas weicher als man es bei einer "Makro"-Aufnahme gerne hätte. Gut, dafür war diese Kamera aber sicherlich auch nicht gedacht...


Ganz zum Schluss begegnete mir auf dem Heimweg noch dieser alt Ascona. (1/300s, f/5,6.) Und ja, f/5,6 gefällt mir glaube ich am Besten an dieser Kamera. Auf die kurze Distanz - 3 Meter hatte ich eingestellt - bekommt man auch noch die Andeutung eines leichten Bokehs im Hintergrund, gerade genug, um das Hauptmotiv ein bisschen hervor zu heben. Schönes Bild, eigentlich, wenn das nicht die Sucher-Parallaxe wäre. Darüber hatten wir noch gar nicht gesprochen: Da der Sucher relativ weit oben und links neben der eigentlichen Kameralinse sitzt, hat man bei den angepeilten 3 Metern doch schon relativ viel Parallaxe. Das heißt, ich hätte eigentlich noch ein bisschen weiter nach oben und links zielen müssen, um das gewünschte Motiv weiter mittig auf den Film zu bekommen. Aber hier handelte es sich wirklich im einen spontanen Schnellschuss, denn ich wollte das Bild im Kasten haben, bevor der Transporter dahinter mit Einparken fertig war. ;-)

Erstes Fazit: Eine ganz eigene Erfahrung, so etwas Rudimentäres wie diese Sucherkamera zu verwenden. Macht aber sichtbar Spaß! Ich denke, ich werde im Frühling tatsächlich mal einen alten Farbfilm da durch schicken, mal sehen, wie die Ergebnisse dann werden!